Star Wars: Obi-Wan Kenobi und die Biodroiden

Überall in der Galaxis toben die Klonkriege – und dies seit mittlerweile 12 Monaten. Ein Sieger lässt sich nicht ausmachen, stattdessen tauchen überall neue tödliche Waffen auf, werden überall neue düstere Intrigen geschmiedet. Eine dieser neuen Waffen sind die so genannte Biodroiden und im Roman „Obi-Wan Kenobi und die Biodroiden“ (von Titel und Aufmachung her als zweiter Band lose an die Reihe anknüpfend, die mit „Mace Windu und die Armee der Klone“ begonnen wurde) muss sich der Jedi-General dieser Herausforderung stellen.

von Bernd Perplies

Cestus heißt der Planet, auf dem die neue Bedrohung ihren Ursprung hat. Ein Embargo der Republik hat die ehemalige Strafkolonie, die mittlerweile schwer im Robotik-Geschäft aktiv ist, in die Hände der Separatisten getrieben und droht, Count Dooku eine neue Waffe in die Hand zu geben, welche selbst für die Jedi eine tödliche Gefahr darstellt. Das können Kanzler und Senat natürlich nicht zulassen, doch da ein offener Angriff die gesamte Region destabilisieren würde, wird zunächst eine diplomatische Mission gestartet, um Cestus zur Einstellung der Droidenproduktion zu bewegen. Als Botschafter der Republik wird Obi-Wan Kenobi geschickt, begleitet von dem schneckenartigen Rechtsanwalt Snoil, der sich um das komplexe Geflecht aus Verträgen zwischen Republik, ehemaliger Gefängnisleitung, einheimischer X’Ting-Regierung und Außenweltler-Industrieführern wühlen soll, um nicht nur mit mahnenden Worten, sondern auch mit einer rechtlichen Handhabe der Regentin G`Mai Duris gegenübertreten zu können.

Derweil bereitet der nautolanische Jedi Kit Fisto mit einem Squad Klonkrieger eine alternative Lösung des Problems vor, indem er mit den ortansässigen Rebellen gegen die industrielle Ausbeutung der so genannten Fünf Familien Kontakt aufnimmt und sie zum Kampf für die Repubik zu gewinnen versucht. Ziel ist es, so effektiv wie möglich die Droidenproduktion zu sabotieren und auf diese Weise sowohl Druck auf die Industriellen auszuüben als auch Zeit für Obi-Wan zu schinden. Dabei lernt der Klontrooper A-98, genannt Nate, die Söldnerin Sheeka Tull kennen, die wiederum vor vielen Jahren die Geliebte Jango Fetts war und in dem Klon nun mit gemischten Gefühlen ein Stück Vergangenheit zurückkehren sieht. Soldatische Indoktinierung und absolutes Bedürfnis nach Individualität stoßen hier aufeinander, als Sheeka versucht, Nate aus seiner harten Schale hervorzulocken.

Für Obi-Wan läuft die Mission derweil nicht besonders gut. Zu viel Ränkespiel wird in der Hauptstadt ChikatLik getrieben, zu undurchsichtig sind die einzelnen Machtverhältnisse. Die Königin G´Mai scheint nur eine Marionette des Stockrates zu sein, der wiederum von den Fünf Familien kontrolliert wird, die undurchsichtige Verbindungen zur Unterwelt unterhalten, welche in Kontakt mit Count Dooku stehen soll. Zudem kann sich der Jedi des Gefühls nicht erwehren, dass irgendjemand seine Bemühungen untergräbt, sich dabei zwar geschickt gerade außerhalb seiner bewussten Wahrnehmung bewegend, aber nichtsdestoweniger schattengleich im Dunkel lauernd. Und so steuert die Cestus-Mission langsam aber unaufhörlich einer Katastrophe entgegen.

Eigentlich bin ich nicht so ein Freund von so genannten „Planetenromanen“, soll heißen: Geschichten, in denen ein Held oder die Helden am Anfang auf einem Planeten landen, dort ein Abenteuer erleben und am Ende ihn wieder verlassen, derweil irgendein Grund (mitunter an den Haaren) herbeigezogen wird, um eben dieser Mission das Schicksal der Galaxis aufzubürden (so ungefähr). Dabei erschöpfen sich die Geschichten allzu häufig in Beschreibungen exotischer Landschaften oder Kulturen, derweil Spannung und Action darunter leiden – so geschehen etwa in „Planet der Verräter“ oder „The Approaching Storm“ (nicht ins Deutsche übersetzt). Allerdings existieren auch Gegenbeispiele, wie der recht eindringliche Mace-Windu-Roman Mace Windu und die Armee der Klone.

„Obi-Wan ...“ von Steven Barnes tendiert eher Richtung Spannung und Action, was sich einerseits in dem anhaltenden Intrigenspiel rund um die diplomatische Mission Meister Kenobis niederschlägt, andererseits in den Guerilla-Taktiken von Kit Fisto und seinen Klontroopern. Dabei bleibt die Spannung allerdings lange Zeit auf einem mittleren Niveau, da die eigentliche „dunkle Bedrohung“ bis zuletzt im Hintergrund bleibt und erst für die finale Konfrontation auf die Spielfläche tritt. Das heißt nicht, dass nicht zwischendurch ordentlich die Fetzen fliegen, aber irgendwie bleibt Barnes dabei weiter weg als Matthew Stover in „Mace Windu ...“. Die Perspektive ist nicht so unmittelbar und intensiv. Hinzu kommt, dass die meisten neuen Figuren eher Statisten bleiben und man nicht wirklich um sie trauert, wenn sie einem der Killerdroiden zum Opfer fallen.

Ausnahmen bilden die Freelancer-Pilotin Sheeka Tull und der ARC-Trooper A-98, genannt Nate. Diesen wird rund ein Drittel der Erzählzeit gewidmet, derweil sie sich nicht nur kennen, sondern auch leider lieben lernen. Ich sage „leider“, weil diese Entwicklung, die mit einer Individualisierung des eigentlich anonymen Klonkriegers einher geht, allzu lieb und Bergdoktor-Frauenroman-mäßig umgesetzt ist. Dabei stört mich weniger das Faktum an sich, dass ein Klonkrieger beginnt, seine „Programmierung“ zu hinterfragen und mehr als nur ein Gesicht unter Tausenden sein will, als die kitschige Art, in der Nates „Menschwerdung“ erzählt wird. Muss Sheeka unbedingt diese super-empfindsame Finde-dich-selbst-Predigerin sein? Muss sie unbedingt mit ihren zwei schnuckeligen Kindern in einer Art X‘Ting-Hippie-Kommune in den Bergen leben, wo die Pilze noch saftig sind und die Leute das Haar – sofern sie welches haben – zu Zöpfen geflochten tragen? Und zu guter Letzt: Warum nur diese esoterisch verbrämte Urmutter-Erfahrung mit den Dashta-Aalen in der Höhle? Dieser Kontrast zum Kriegsalltag des Klontroopers ist einfach zu groß, um nicht wie mit Zuckerguß überzogen zu wirken. Etwas Subtilität hätte hier nicht geschadet.

Fazit: „Obi-Wan und die Biodroiden“ erzählt ein ganz nettes SW-Abenteuer – ein Highlight ist der Roman allerdings nicht. Es mangelt ihm an der Intensität seines „Vorgängers“ „Mace Windu und die Armee der Klone“ wie auch an den Space-Opera-Elementen von galaktischen Ausmaßen wie in der „New Jedi Order“-Reihe. Recht hübsch gestaltet sich das Intrigenspiel, in das der Jedi-Meister verwickelt wird, recht cool ebenso die energetisch-ungestümen Aktionen seines Begleiters Kit Fisto. An Lichtschwert- und Droiden-Action mangelt es auch nicht, dafür versüßt einem die Liebesgeschichte zweier Nebencharaktere die Suppe etwas zu sehr. Prequel-Fans können schon zugreifen – für Gelegenheits-Warsler gibt es empfehlenswertere Romane.


Star Wars: Obi-Wan und die Biodroiden
Film/TV-Roman
Steven Barnes
Blanvalet 2004
ISBN: 3-442-36125-7
448 S., Paperback, deutsch
Preis: EUR 12,00

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