Star Wars: Mace Windu und die Armee der Klone

Viele „Star Wars“-Fans werden das Gefühl nicht los, dass die Prequel-Trilogie und alles, was mit ihr zusammenhängt, mitunter ziemlicher Kinderkram ist. Gungans, Droiden, die wie Pinoccio aussehen, die „Jedi Padawan“-Buchreihe, die „Young Boba Fett“-Buchreihe... all das kann der erwachsene Fan nur mit Mühe gutheißen. Mit „Shatterpoint“ von Matthew Stover (dt. eher misslungen, weil eigentlich nichts aussagend: „Mace Windu und die Armee der Klone“) ist nun ein Buch bei uns erschienen, das zwar zwischen Episode II und III, also mitten in den Klonkriegen, spielt, aber doch überraschend anders ist, als alles, was es bisher zu dieser Zeitspanne zu lesen gab.

von Bernd Perplies

Das großformatige und 471 Seiten schwere Buch ist im Prinzip eine Solo-Performance für einen der coolsten neuen Protagonisten der Prequels – den Jedi-Meister Mace Windu. Vom Geheimdienst der Republik erhält der Jedi-Rat die Nachricht, dass Jedi-Meisterin Depa Billaba, einst die Schülerin von Mace, während eines Außeneinsatzes auf dem Planeten Haruun Kal offenbar verrückt geworden ist. Statt auf dem Heimatplaneten von Mace Windu den Widerstand gegen die Separatisten-Besatzer zu organisieren (die Republik befindet sich nach wie vor im Krieg gegen die Konföderation unter Count Dooku), massakriert sie scheinbar unschuldige Dschungelprospektoren und hinterlässt orakelhafte Sprüche über ihre Verbundenheit zur Dunkelheit. Der Jedi-Meister weiß: Was immer ihr zugestoßen ist, er ist der Einzige, der sie zurückholen kann.

Also macht er sich auf die Reise nach Haruun Kal und muss dort erfahren, dass die Jedi, trotz aller Krisen, bislang in einer Galaxis des Friedens gelebt haben. Im wahren Krieg, wie er auf diesem Dschungelplaneten zwischen den eingeborenen Korunnai und den Außenwelt-Siedlern geführt wird, gibt es keine Gerechtigkeit, kein Erbarmen und vor allem keine Unschuldigen – nur Schmutz, Elend, Verzweiflung, Schmerzen, Hass und Tod auf beiden Seiten. Welche Entscheidung er auch immer trifft, es gibt immer jemanden, der darunter leiden muss. Der Weg in den Dschungel, zu Depa, die an ihrer Mission zerbrochen ist, bedeutet für Mace Windu einen Weg in die Dunkelheit – nicht nur eine Äußere, sondern auch eine Innere –, auf dem all seine bisherigen Überzeugungen auf die Probe gestellt werden.

Das Buch ist in zwei Teile unterteilt. Dabei ist der erste Teil wirklich ungewöhnlich für eine „Star Wars“-Geschichte. Er erzählt Mace Windus Ankunft auf Haruun Kal und seine Reise in den Dschungel – hin zu Depa –, die sich als Pfad voller Verzweiflung und Entbehrung entpuppt. Irgendwie fühlt man sich an Francis Ford Coppolas Vietnam-Film „Apocalypse Now“ erinnert. Ein Soldat wird beauftragt, einen scheinbar verrückt gewordenen Militär aus dem Dschungel zurückzuholen, und er muss dabei erkennen, dass der Dschungel auch von ihm einen Teil seiner Menschlichkeit fordern wird.

Das Ganze – der Wahnsinn des Krieges und die Erbarmungslosigkeit des Dschungels – wird von Stover nicht exploitativ, aber doch so überraschend explizit beschrieben, wie man es bisher noch nie in einem „Star Wars“-Roman zu lesen bekam. Lichtjahre trennen diesen Roman von solchen Kinderbüchern wie den Abenteuern des jungen Boba Fett. Dabei fragt man sich zwischenzeitlich, ob hier ein „Star Wars“-Roman in ausgesprochen gelungener Umsetzung vorliegt, oder ob man nicht eigentlich eine moderne „Heart of Darkness“-Variation in den Händen hält, in die vom Autor eben die nötige Hand voll „Star Wars“-Begriffe eingestreut wurden, um den Roman als Teil dieses Universums verkaufen zu können. So kommt über weite Strecken außer Mace Windu, Jedi und Lichtschwert kaum etwas vor, dass man mit „Star Wars“ direkt verbinden würde.

Dies ändert sich dramatisch im zweiten Teil des Buches. Ob der Autor vor seinen eigenen Ambitionen Angst bekommen hat oder aber die Lektoren leicht besorgt zu hüsteln begonnen haben, sei dahingestellt. Tatsache ist, dass der zweite Teil einen guten Teil seiner depressiven, auswegslosen Stimmung aufgibt und in Action verwandelt. Mace Windu setzt sich zur Wehr. Egal wie übel die Chancen, egal wie groß die Anzahl der Feinde, und möge der ganze Planet gegen ihn stehen – die Gerechtigkeit und Zivilisation der Jedi müssen im Dschungel Einzug halten. So bringt er erst die Korunnai auf seine Seite, um den Großangriff von Miliz-Anführer Colonel Geptun zu stoppen, dann bringt er mit Hilfe der Eingeborenen und einer Truppe eingeflogener Klonkrieger den Raumhafen unter seine Kontrolle, zuletzt verbündet er sich mit der Miliz, als ihn Depa und Kar Vastor, der Oberschamane der Korunnai, hintergehen und die Stadt der Außenweltler in Schutt und Asche legen wollen. Mace Windu hat es sich in den Kopf gesetzt, diesen Konflikt ein für alle Mal zu beenden – koste es, was es wolle.

Trotz all dieser, mitunter übermenschlich heroischen Aktionen schafft es Stover, dass der Leser weiter mit Mace Windu kämpft, leidet und hofft. Im Gegensatz zu manchem Comic und der „Clone Wars“-Zeichentrickserie, die überwiegend Action over-the-top anbieten und damit kaum noch eine Gefühlsregung erzeugen, spürt man hier die körperliche und geistige Anstrengung, die der Jedi-Meister vollbringen muss, um am Ende zu triumphieren. Er steht damit – im besten Sinne – eher in der Tradition von Indiana Jones, der auch zwar letztlich immer siegt, aber auf dem Weg dahin tüchtig auf die Fresse bekommt, als in derjenigen aktueller „Star Wars“-Helden.

Stovers Stil, der zwischen persönlichen Tagebucheintragungen und nahe an Mace Windu verbleibender personaler Erzählperspektive wechselt, ist bei all dem flüssig, spannend, dramatisch und stets dazu angetan, den Leser in die Handlung zu ziehen. Ein Lob verdient in diesem Zusammenhang auch die Übersetzung von Andreas Helweg, die – abgesehen von ein paar kleineren Schnitzern (und einem gröberen: Es war kein Senator, der in der Arena von Geonosis kämpfte, sondern eine Senatorin namens Amidala!) – Stovers Geschichte so gut ins Deutsche überträgt, dass man praktisch nie im Lesefluss unterbrochen wird.

Fazit: Ein starker, ungewöhnlicher „Star Wars“-Roman, der vor allem in der ersten Hälfte auf vorteilhafte Art und Weise an den Dschungelwahnsinn aus Coppolas Film „Apocalypse Now“ erinnert, um dann in der zweiten Hälfte immer noch solide „Star Wars“-Unterhaltung samt einem furiosen Last-Man-Standing zu bieten. Absolut kein Kinderkram!


Star Wars: Mace Windu und die Armee der Klone
Film/TV-Roman
Matthew Stover
Blanvalet 2004
ISBN: 3442360099
471 S., broschiert, deutsch
Preis: EUR 12,00

bei amazon.de bestellen