Star Wars: Lando – Doppelt oder nichts

Er ist ein Charmeur, ein Gauner und ein Unternehmer mit dem Hang zu fragwürdigen Geschäften: Lando Calrissian, der „Gebrauchtwagenhändler“ des „Star Wars“-Universums. Im Kinofilm „Solo – A Star Wars Story“ wurde uns der spätere Administrator der Wolkenstadt Bespin als Glücksspieler und Lebemann vorgeführt, der sein geliebtes Raumschiff „Millennium Falke“ vom Imperium loseisen muss. Dieser Comic ist die Vorgeschichte dazu.

von Frank Stein

Man fragt sich schon, wie ein Mann, der seine eigene Heldenchronik diktiert, mit gelbem Seidenhemd und Cape herumläuft und am liebsten ein gewaltiges Porträt von sich selbst in der Lounge seines Schiffs aufgehängt sähe, in der schmutzigen Galaxis von „Star Wars“ überhaupt überleben kann. Aber Lando Calrissian ist nicht nur wortgewandt und sehr eingebildet, er kann auch wie ein Meister mit seinem Raumschiff und einem Blaster umgehen. Beides muss er mehr als einmal unter Beweis stellen, als er sich von der petrusianischen Widerstandskämpferin Kristiss dazu überreden lässt, Waffen in ein Arbeitslager auf dem Planeten Kullgroon zu schmuggeln, wo ihr Vater und zahllose andere verschleppte Petrusianer als Sklaven des Imperiums Droiden reparieren müssen.

Natürlich weigert sich Lando anfangs. Mit dem Imperium will er nichts zu tun haben. Damit hat man viel zu viele Scherereien. Doch dann ist da dieser Typ, dem er Geld schuldet, und darüber hinaus seine empfindungsfähige und nicht auf den Vocoder gefallene Droidenbegleiterin L3-37, die ihm mit Verve ins Gewissen redet – und schließlich macht er sich doch auf den Weg. Doch wie das so ist: Kein Plan überlebt den Feindkontakt. Und Lando trifft auf Kullgroon auf eine Menge Feinde, alte wie neue …

Es ist ein kleines Abenteuer – mal wieder –, nichts, was die Galaxis nennenswert bewegt, aber der Comic aus der Feder von Rodney Barnes passt sich sehr schön in die Legende des Lando Calrissian ein. Gerade im Zusammenspiel mit dem Film „Solo“ entfaltet die Geschichte seine Wirkung, denn nicht nur der junge Lando wird hier treffend in Szene gesetzt, sondern auch seine rebellische „bessere Hälfte“, die Droidendame L3-37. Die im Kinofilm immer wieder ziemlich unverhohlen in Szene gesetzte Beziehung der beiden wird hier eher angedeutet, wobei die schnippischen Wortwechsel gegenüber den Gesten der Freundschaft oder gar Zuneigung spürbar überwiegen. Aber sich kabbelnde Paare sind ja seit Han Solo und Prinzessin Leia ein fester Bestandteil des „Star Wars“-Erzählens. Von der Stimmung her trifft Barnes jedenfalls genau den richtigen Tonfall.

Auch visuell geht der Comic – Zeichnungen von Paolo Villanelli, Farben von Andres Mossa – vollkommen in Ordnung.  Lando – in der Verkörperung durch Donald Glover –, L3, der Falke: Alle sind gut erkennbar. Auch die übrigen Figuren sind, Dank leicht erkennbarer körperlicher Eigenheiten, stets problemlos auszumachen. Körper und Gesichtszüge sind erfreulich gut gelungen, und immer wieder sind nette Perspektiven oder actionreiche Großpanels in den Comic eingestreut. Der Hintergrund bleibt relativ detailarm, aber angesichts des öden Settings auf Kullgroon stört das kaum. Optisch kann man dem Comic daher eine solide Note ausstellen. Herausragend ist er allerdings nicht. Da gab es schon  spektakulärere „Star Wars“-Comics.

Fazit: „Star Wars: Lando – Doppelt oder nichts“ mag weder erzählerisch noch visuell ein echtes Highlight sein. Er entspricht mehr oder weniger der Standardware, die man in diesem Comic-Segment so oft in den Händen hält. Wobei ich ihn schon im gehobenen Mittelfeld einordnen würde, denn er leistet sich auch keine optischen Ausrutscher und die Story liest sich von Anfang bis Ende unterhaltsam. Gerade als Begleitwerk oder Lando-Vorgeschichte zum Film „Solo – A Star Wars Story“ macht der Comic Spaß – wenngleich die Anbindung an den Film erst auf den letzten Seiten geschieht und dem eigentlichen Abenteuer eher nachgesetzt ist.

Star Wars: Lando – Doppelt oder nichts
Comic
Rodney Barnes,  Paolo Villanelli, Andres Mossa
Panini Comics 2019
ISBN: 978-3-7416-1072-1
116 S., Softcover, Deutsch
Preis: EUR 15,00

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