Star Wars – Galaxy's Edge: Schicksalsschlag

Die Galaxis weit, weit entfernt ist ein Ort voller Abenteuer. Liebe, Hass und der Kampf für Freiheit – das sind Dinge, die nicht nur Leute mit Namen Skywalker, Solo oder Organa beschäftigen. Viele Comics, Romane und Videospiele haben gezeigt, dass man auch als Jax Pavan, Mara Jade, Quinlan Vos oder Iden Versio in dramatische Ereignisse verwickelt werden kann, die sich ganz nach „Star Wars“ anfühlen. Doch was, wenn man wie zwei Kinder in einem französischen Ghettofilm – Izzy und Jules – heißt? Der Roman „Schicksalsschlag“ gibt die Antwort.

von Ye Olde Jedi-Master

Vorweg gesagt: Ich denke, Autorin Zoraida Córdova (übrigens auch ein toller „Star Wars“-Name) hatte es nicht leicht. Sie wollte gern einen „Star Wars“-Roman schreiben – zumindest lese ich das aus ihrer sympathischen Danksagung heraus. Die Macher sagten: „Prima, darfst du. Schreib uns doch einen Begleit-Roman zu diesem neuen Themenpark in Disneyland, „Star Wars: Galaxy's Edge“. Fang die Atmosphäre dort ein, stell uns die Bewohner des Schwarzdorn-Außenpostens (engl.: Blackspire Outpost) vor, bring uns die Schönheit des Planeten Batuu ein bisschen näher.“ Und die Autorin sagte dann vielleicht: „Äh, das klingt wie ein Reiseführer. Geht es in „Star Wars“ nicht um Jägerduelle, Blastergefechte, Schmuggler und Sturmtruppen?“
„Hm, na gut, dann bau doch am Anfang eine Schießerei in einer Cantina ein. Und die Heldin darf gern eine Schmugglerin sein, aber eine, die nach Schwarzdorn kommt und die Schönheit dieses Ortes kennenlernt. He, vielleicht verliebt sie sich in einen Farmerjungen!“
„Ist das nicht ein bisschen unlogisch? Warum sollte sich eine taffe Schmugglerin in einen Farmerjungen verlieben?“
„Ganz klar! Sie stammt von Batuu, die beiden waren als Kinder Freunde. Aber dann musste sie fortgehen – und kehrt nun nach Jahren zurück.“
„Warum?“
„Keine Ahnung. Egal. Lass sie irgendein Päckchen transportieren.“
„Was ist da drin?“
„Egal. Aber wenn sie sie durch einen dummen Zufall verliert, wäre das ein super Aufhänger, um sie quer durch Schwarzdorn zu jagen, wo sie alle möglichen Leute aus dem Themenpark kennenlernt. Es geht ja darum, dass sie die Schönheit …“
„Ja, ja, das habe ich verstanden. Aber was ist mit den Sturmtruppen?“
„Lass die einfach durch die Straßen patrouillieren. Mehr machen die im Themenpark auch nicht.“  

Ich will das Gedankenspiel nicht weiter ausreizen. Man merkt vielleicht schon, worin meine Kritik liegt: „Schicksalsschlag“ ist ein Roman, der über gute zwei Drittel eigentlich keine wirkliche Handlung hat. Also zumindest keine, die spannend wäre. Wir folgen im Wechsel den zwei jungen Leuten Izal Garsea und Julen Rakab (so klingen sie schon „Star Wars“-mäßiger, aber gerufen werden sie Izzy und Jules), die im Prolog noch Kinder und die besten Freunde sind, bis Izzy über Nacht plötzlich verschwindet. Man könnte denken, ihre Eltern waren Rebellen auf der Flucht vor dem Imperium, stimmt aber nicht. Einen dicken Zeitsprung später gehört Izzy zu einer fragwürdigen Crew aus Gaunern unter der fiesen Ana Tolla, und muss erst einmal damit klarkommen, dass ihr Freund, ein Lando-ähnlicher Schönling, an ihrem Geburtstag mit ihr Schluss macht. Allein und frustriert nimmt sie den nächstbesten Job an, den sie kriegen kann, auch wenn er sie in die alte Heimat Batuu führt (um ein ominöses Päckchen abzuliefern, das uns unnötig lange beschäftigen wird).

Dort lebt Jules, wie gesagt, als Farmer – und natürlich kreuzen sich die Wege der beiden. Dann verschwindet das Päckchen, die beiden jagen ihm nach, besuchen dabei ganz viele Schauplätze des Disneyland-Themenparks, lernen viele raue, aber doch herzensgute Leute kennen und ringen die ganze Zeit mit ihren Gefühlen füreinander. Ein bisschen Reiseführer, ein bisschen Young-Adult-Romanze, nett zu lesen, aber doch ziemlich dahinplätschernd. Gegen Ende dreht der Roman dann zumindest ein bisschen auf. Trotzdem erreicht die Dramatik kaum das Niveau eines durchschnittlichen Samstagsabends in der Partymeile einer deutschen Großstadt. Gäbe es nicht Begriffe wie „Erste Ordnung“ (wir sind zeitgleich zu dem Film „Das Erwachen der Macht“ unterwegs), Rodianer, Blaster und Droide, man wüsste nicht, dass man einen „Star Wars“-Roman liest. Das ist sicher einerseits den Beschränkungen geschuldet, die der Autorin auferlegt wurden. Aber selbst so hat man das Gefühl, dass auch auf Batuu als alleinigem Schauplatz mehr drin gewesen wäre.

Letztlich ist der Roman wirklich vor allem eines: Ein Souvenir, das man sich kaufen kann, wenn man die Disneyland-Themenwelt „Galaxy's Edge“ besuchen möchte – oder wenn man dort gewesen ist. Will man sie besuchen, bekommt man hier Figuren und Orte, nach denen man neugierig Ausschau halten kann. War man schon dort, erhalten selbige nachträglich etwas Tiefgang. Für die großen Entwicklungen in der Galaxis ist das Werk jedoch völlig bedeutungslos. Es tritt absolut keine namhafte Figur aus den Filmen auf, selbst der Pirat Hondo Ohnaka wird nur namentlich erwähnt (und der ist schon B-Riege aus der TV-Serie „The Clone Wars“). Und es wird nicht einmal die kleinste erzählerische Lücke aus den Filmen geschlossen – oft ja ein Aufhänger für Romane, Kurzgeschichten und Comics. Wer den Roman also nicht liest, der hat – rein handlungstechnisch auf die Saga bezogen – schlichtweg nichts verpasst.

Fazit: Die Figuren Izzy und Jules sind durchaus sympathisch. Der Schwarzdorn-Außenposten wird trefflich zum Leben erweckt. Das sind die Stärken dieses Romans, der halb Reiseführer, halb Young-Adult-Romanze ist, aber nur sehr wenig typisches „Star Wars“-Flair verbreitet. Für die Geschicke in der Galaxis ist er bedeutungslos. Empfehlen würde ich ihn am ehesten Lesern, die auf dem Weg zur Disneyland-Themenwelt „Galaxy's Edge“ sind oder gerade von dort kommen. Alle anderen können diesen Beitrag zum neuen „Expanded Universe“ ohne Informationsverlust überspringen. Die Abenteuer von Leuten, die Izzy und Jules heißen, geben nicht sehr viel her. (Und ganz ehrlich: Es tut mir in der Seele weh, das schon wieder über einen „Star Wars“-Roman sagen zu müssen. Was ist los mit euch, Disney? Ihr könnt so gute Comics machen! Aber den Romanen fehlt es immer wieder an Biss und Bedeutung.)

Star Wars – Galaxy's Edge: Schicksalsschlag

Film/Serien-Roman
Zoraida Córdova
Panini Books 2019
ISBN: 978-3-8332-3830-7
368 S., Paperback, deutsch
Preis: EUR 15,00

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