Star Wars – Die hohe Republik: In die Dunkelheit

Mehr als 200 Jahre bevor Anakin seinen ersten Podracer baute, war die Welt noch in Ordnung. Das Imperium war noch fern, die Jedi überall in der bekannten Welt geschätzt und geehrt. Also war alles in Butter? So schien es vielleicht, bis ein Ereignis die Welt der Jedi ins Wanken brachte.

von KaiM

„Die Hohe Republik“ ist eine neue Kampagne im Universum von „Star Wars”, und mit „In die Dunkelheit” wurde der erste Roman der Reihe für junge Erwachsene veröffentlicht. Nahezu zeitgleich wurden im englischen Original auch ein Jugendroman und ein normaler Roman herausgebracht. Jede dieser Reihen ist in der ersten Phase von „Die hohe Republik“ auf drei Veröffentlichungen ausgelegt und im Sommer 2021 kamen dann auch schon der jeweils zweite Teil auf Englisch heraus. Da die Übersetzung von „In die Dunkelheit“ ca. zwei Monate nach dem Original an die Buchhandlungen ausgeliefert wurde, dürften wir uns also schon bald auf den nächsten Teil freuen.

Wer nun aber erschrocken denkt, es seien nur Romane geplant, braucht sich natürlich keine Sorgen machen, denn zumindest Comics, Kurzgeschichten und ein Hörspiel sind bereits erschienen, und man muss kein begabtes Orakel sein, um vorherzusagen, dass wohl noch einige andere Facetten der Medienwelt hinzukommen werden.

Man sieht also: „Die Hohe Republik” ist kein Kleinkram oder gar eine Eintagsfliege. Wir haben es hier mit einer groß angelegten Kampagne in drei Phasen zu tun, für die bereits eine Menge dekorierter Autoren verpflichtet wurden.

Claudia Gray hat bereits mehrere Romane im „Star Wars“-Universum geschrieben und durfte sogar einen Roman rund um die junge Leia Organa verfassen. Nun wurde sie also für den Einstieg in „Die Hohe Republik” ausgewählt und hat damit den Grundstein gelegt.

Handlung

Eigentlich sollte die Reise zum äußeren Rand nichts anderes sein, als heutzutage eine Fahrt von der Nordsee nach Süditalien. Also im Wesentlichen anstrengend, aber unspektakulär. Aber natürlich kommt alles anders, denn womit Jedi-Padawan Reath Silas, eine der Hauptpersonen dieses Buches, wirklich nicht gerechnet hat, ist, dass er prominente Mitreisende aus den Reihen der Jedi haben würde. Außerdem wird das geplante Schiff durch einen Transporter ersetzt, der weniger für angenehme Reisen und eher für den Transport von Waren ausgelegt ist. Auch die Crew des Transporters wirkt irritierend, denn diese Kombination von Individuen hat Reath Silas nun wirklich nicht erwartet: einen Hippi, ein Mädchen und ein Stein. Aber schon bald wird klar, dass dieser Gruppe nicht umsonst die Ehre zuteil wird, die Jedi an den äußeren Rand zu transportieren.

Aber es soll noch mehr anders kommen, denn ein Unglück von machterschütternden Ausmaßes verschlägt die Gruppe mit ihrem Schiff namens Schiff in einen abgelegenen Winkel des Universums. Dort finden sie nicht nur weitere gestrandete Raumschiffe, sondern auch eine verlassene Raumstation, die ihnen Schutz und Sicherheit bieten soll, bis eine sichere Weiterreise möglich ist. Die Station scheint einst von einer Zivilisation gebaut worden zu sein, die schon längst der Geschichte angehört und über die nur wenig bekannt ist. Zunächst geht es vor allem ums Überleben auf der Station. Aber schnell wird klar, dass diese Station einige Geheimnisse vor den Gestrandeten verbirgt. Eine seltsame Pflanzenwelt, die nach all den Jahren noch immer von Gärtnerdroiden gepflegt wird, gibt ebenso Rätsel auf, wie altertümliche Statuen, die eine intensive Verbindung zur Macht zu haben scheinen. Aber es gibt noch mehr zu entdecken und natürlich reichlich weitere Probleme, die die Jedi zu lösen haben.

Neben der Handlung stehen natürlich die Charaktere im Vordergrund. Insbesondere in die Jedi bekommt man einen tiefen Einblick, denn die Geschichte wird nicht nur aus Sicht des Padawan Reath erzählt, der zweifelsohne die Hauptperson dieses Romans ist. Die Perspektive wechselt immer wieder zwischen den Jedi. Dez, ein ehemaliger Schüler der Lehrmeisterin von Reath, sowie die Meister Cohmac Vitus und seine alte Weggefährtin Orla Jareni werden immer wieder in den Fokus gerückt. Cohmac und Orla wird sogar ein eigener Handlungsstrang spendiert, der ein paar Einblicke in ihre Vergangenheit und einige damalige Geschehnisse bietet, die zur Entwicklung der Machtverhältnisse beigetragen haben, wie man sie Jahrhunderte später zur Zeit von Luke Skywalker vorfindet. Neben den Jedi steht die Gruppe im Mittelpunkt, die vom äußeren Rand geschickt wurden, um die Jedi zu chauffieren. Jeder Charakter hat dabei seine eigene Sicht auf die Galaxis und mit seinen eigenen Dämonen umzugehen. Alle Figuren sind besonders und haben ihren Charme. Ich bin überzeugt, dass jeder seine Fans finden wird.

Neben den zahlreichen Figuren werden auch viele neue Völker und Fraktionen eingeführt. Von den Mizi und ihren Rivalen, den Orincanern, über die Anaxine bis hin zur Bayne-Gilde vom äußeren Rand. Ohne sehr ins Detail zu gehen, werden in der Manier eines Trommelfeuers neue Dinge eingeführt. Damit breitet sich vor dem Leser ein enorm breites Spektrum an Möglichkeiten aus. Alle sind durchaus vielversprechend und unverbraucht, aber natürlich können nicht alle Fäden innerhalb eines Romanes fertig gesponnen werden. Auch wenn sich herauskristallisiert, dass insbesondere zwei Fraktionen noch eine große Rolle in diesem Zyklus spielen werden, so empfand ich alles als ein wenig zu viel des Guten. Es kommt einem fast so vor, als wäre das Universum 200 Jahre vor „Episode 1” ein komplett anderes.

Die Handlung macht Spaß und bringt neben der Spannung eben auch eine Menge Hintergrundinformationen mit sich. Nichtsdestotrotz wird die Handlung nie in den Hintergrund gedrängt und es wird auch nicht langweilig. Es liegt dann wohl in der Natur der Sache, dass in einem Roman, der so viel Grundsteine für kommende Geschichten legt, nur wenig Platz für eine tiefgreifende Charakterentwicklung ist. Bei all der Spannung und der Action empfand ich einige Szenen als störend und unlogisch. So kommt es zumindest in einer Szene zu einem Ereignis, welches auch später nicht mal im Ansatz zufriedenstellend erklärt wird.

Leseprobe

Fazit: Dieses Buch ist ein Roman für junge Erwachsene mit jeder Menge Action und wenig Atempausen. Die vielfältigen Handlungsstränge sind linear und einfach gehalten. Einige Stellen verursachen zwar Stirnrunzeln, dass geht aber kaum über die Ungereimtheiten heraus, die man auch schon aus den Filmen kennt. Wer sich dort nicht allzu sehr daran stört, wird diese Szenen aller Wahrscheinlichkeit auch verschmerzen. Ansonsten darf man hoffen, dass die vielen offenen Enden dieses Romans mit mindestens derselben Qualität weiter erzählt werden.

Star Wars – Die Hohe Republik: In die Dunkelheit
Roman
Claudia Gray
Panini Books 2021
ISBN: 978-3-8332-3943-4
411 S., Paperback, deutsch
Preis: EUR 16,00
        
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