Star Wars: Die Feuertaufe

Es herrscht Krieg in der Galaxis. Noch immer. Unvermindert. Und während Obi-Wan Kenobi auf Cestus die Gefahr der Biodroiden abzuwenden versucht (nachzulesen in „Obi-Wan und die Biodroiden“), wird Anakin Skywalker vor seine vielleicht schwerste Prüfung gestellt: Als stellvertretender Kommandant einer Klonarmee muss er zum Planeten Praesitlyn, um dort eine Schlacht zu schlagen gegen einen zahlenmäßig weit überlegenen Gegner.

von Bernd Perplies

Eigentlich ist Praesitlyn ein unbedeutender Planet – wäre da nicht das Kommunikationszentrum der Republik, das weite Teile dieser Raumregion untereinander verbindet und daher von strategischer Bedeutung ist in den Wirren der Klonkriege. Also schickt Count Dooku eine Separatistenarmee unter dem Kommando von Bankenclaner Pors Tonith aus, die kleine Welt zu erobern. Die lokalen Verteidigungsstreitkräfte haben den Heerscharen von Kampfdroiden nicht viel entgegenzusetzen und werden praktisch aufgerieben. Dann taucht jedoch der Renegat und Patriot Zozridor Slayke auf, der geschworen hat, die Republik gegen die Separatisten zu verteidigen, ohne auf Erlaubnis des trägen Senats zu warten. (Nachzulesen in den HoloNet News Vol. 531 #55 im Netz.) Auf Coruscant wird derweil eine Rettungsmission zusammengestellt, die für ihre beiden Kommandanten zur Bewährungsprobe werden soll: für Jedi-Meister Nejaa Halcyon, der erst jüngst sein Schiff, die „Plooriod Bodkin“ an Slayke verloren hatte, während er ihn eigentlich hatte gefangen nehmen sollen, und der sich nun rehablitieren soll, und für Anakin Skywalker, für den es gilt, seine Führungseigenschaften zu entwickeln, um endlich den Ritterschlag zu erhalten. Mit 20.000 Klonkriegern stürzen sie sich in eine furchtbare Schlacht.

„Die Feuertaufe“, von den SW-Neulingen David Sherman und Dan Cragg verfasst (bisher für die militärische Sci-Fi-Reihe „Starfist“ verantwortlich), ist im Wesentlichen die Geschichte der Schlacht um einen Planeten. Es beginnt mit dem Angriff der Separatisten und der Einnahme des Kommunikationszentrums, dann folgt sie ein paar Überlebenden auf der Flucht, danach wirft sich Zozridor Slayke mit seinen Leuten ins Kampfgeschehen und schließlich taucht auch noch die Klonarmee auf. Action, Action, Action ... Viel mehr ist da nicht. Es gibt zwar einige kurze Atempausen, die sich beispielsweise dem jungen Liebespaar Flieger-Ltd. Erk H’Arman und Scout Odie Subu widmen oder den beiden unzertrennlichen Kameraden aus dem Fußvolk Soldat Slane Vick und Korporal Ram Raders, aber nicht nur diese Augenblicke bleiben eher oberflächlich, auch die Charaktere, die – wie viele andere auch – ganz eindeutig den Klischees des klassischen Militärromans entspringen und entsprechen.

Da wäre z.B. der brummige Quartiermeister Boulanger (ein Franzose?), der explizit vorrechnet, wie viele Tonnen wovon man braucht, um eine Armee in den Krieg zu führen. Oder der Veteran Sergeant Grudo, der netterweise wenigstens ein Rodianer ist, was ihm – abgesehen vom sonstigen Auftreten – zumindest einen kleinen Kniff gibt. Ein bisschen nervig sind die beiden Schlammhüpfer Vick und Raders, die überall mitmischen wollen und regelrecht heiß auf Schießereien sind. Diesem Hurra-Patriotismus seltsam gegenüber steht dann die mitunter explizite Darstellung von Schlachtfeldgreueln. Wer schon immer der Meinung war, dass Sturmtruppler und Klonkrieger zu sauber sterben und der Krieg der Sterne zu harmlos sei, der wird sich sicher über die abgerissenen Gliedmaßen und die mit der Haut verschmolzenen Rüstungsteile freuen, mit denen uns die Autoren hier konfrontieren. Im Prinzip finde ich es zwar gut, dass Krieg – auch ein Klonkrieg – nicht verharmlost wird (krasses Gegenbeispiel des fröhlichen Massengemetzels: die „Clone Wars Zeichentrickserie“), aber auf der anderen Seite geht mir dadurch irgendwie der märchenhafte Pulp-Charakter, das Space-Opera-Feeling, das „Star Wars“ immer ausgemacht hat, verloren.

Nett dagegen sind erneut die eine oder andere Anspielung auf andere Produkte des „Expanded Universe“, die dem Leser immer wieder das Gefühl einer dicht verknüpften Galaxis geben. So wird am Anfang gleich auf den Roman „Obi-Wan und die Biodroiden“ verwiesen, wenn Obi-Wan ohne Anakin auf eine wichtige Mission geht. Mit Zozridor Slayke taucht eine Figur wieder auf, von der bereits im HoloNet zu lesen war. Und Nejaa Halcyon schließlich ist niemand Geringerer als der Jedi-Großvater von Corran Horn, dem Protagonisten der erfolgreichen „X-Wing“-Romanreihe von Michael Stackpole. Ein interessantes Detail findet sich zudem auf S. 299: Anakin hört die geisterhafte Stimme von Qui-Gon Jinn, seinem ersten Lehrmeister, der ihn davon abhält, sich der Dunklen Seite der Macht zu ergeben. Nachdem der in „Episode I“ verstorbene Jedi-Meister so lange geschwiegen hatte... könnte dies ein Hinweis auf einen Cameo von ihm in „Episode III“ sein? Wer weiß...

Das Titelbild zeigt einen grimmigen Anakin inmitten farbenprächtiger Explosionen und Klonkrieger, die sich über einen Felsenplaneten kämpfen (der irgendwie an Geonosis erinnert). Was ich indes wirklich gerne wüsste, ist, wer die Frau zur Rechten sein soll. Es sollte eigentlich nicht Asajj Ventress sein (die spielt a) überhaupt keine Rolle und sieht b) nicht wirklich so aus wie dort abgebildet), aber auch sonst kommt eigentlich kein Frauencharakter in dem Roman vor, der diesem Bild entsprechen würde. Sehr mysteriös...

Fazit: David Sherman und Dan Cragg haben bisher vor allem militärische Sci-Fi geschrieben. Diesen Ansatz merkt man auch „Die Feuertaufe“ an. Harte Klonkrieger-Action, bisweilen etwas zu explizit brutal für mein SW-Verständnis, und strategisches Getüftel in den zwei verfeindeten Hauptquartieren bestimmen die Handlung, die Anakin Skywalker erstmalig an die Spitze einer großen Armee setzt. Als Klonkriegs-Roman eine packende Episode des galaktischen Konflikts. Als Star-Wars-Roman fehlt mir ein wenig die Exotik und die unbeschwerte Space-Opera-Atmosphäre.


Star Wars: Die Feuertaufe
Film/TV-Roman
David Sherman & Dan Cragg
Blanvalet 2004
ISBN: 3-442-36163-X
318 S., Paperback, deutsch
Preis: EUR 10,00

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