Star Wars: Der letzte Flug der Harbinger

Der Kampf der Rebellen um Luke Skywalker, Han Solo und Prinzessin Leia geht weiter. Der Planet Tureen VII, der nach der Zerstörung des ersten Todessterns mit der Allianz sympathisiert, wird vom Imperium belagert. Um die Blockade zu durchbrechen, ersinnen die Rebellen einen dreisten Plan. Sie wollen einen Sternenzerstörer, die Harbinger, kapern. Doch eine knallharte Sturmtruppeneinheit um den skrupellosen Sergeant Kreel steht diesem Ziel im Weg.

von Frank Stein

„Der letzte Flug der Harbinger“ ist ein 144 Seiten umfassender Softcoverband, der auch als „Star Wars Reprint 9“ bezeichnet wird und die US-Heftausgaben „Star Wars #20-25“ (Juni bis November 2016) versammelt. Auf Deutsch wurde die Geschichte bereits in den Panini-Comic-Heften „Star Wars #21-23“ (April bis Juni 2017) erzählt, die jeweils zwei US-Hefte enthalten. Neben dem titelgebenden Fünfteiler wird ein weiteres Kapitel aus Obi-Wans Tagebuch aufgeschlagen, außerdem gibt es eine kleine, heitere Bonusstory um R2-D2.

Der Comic beginnt mit einer weiteren Episode aus Obi-Wans Zeit auf Tatooine, während der er auf den jungen Luke aufpasst. Nachdem Obi-Wan in einer früheren Episode einen Schlägertrupp von Jabba dem Hutten zerlegt hatte, setzt der Gangsterboss jetzt den berüchtigten Wookiee-Kopfgeldjäger Black Krrsantan (wir kennen ihn bereits als Schurken aus der Schwester-Comic-Reihe „Vader“) auf das „Phantom“ an. Der Wookiee schnappt sich einen Feuchtfarmer – Owen Lars – als Köder und fordert seinen Gegner zum Duell. Natürlich lässt sich Obi-Wan Kenobi nicht lange bitten …

Wie schon in den Ausgaben zuvor gefallen mir die Abenteuer von Obi-Wan auf Tatooine ausnehmend gut. Vor allem die Beziehung zwischen Obi-Wan und Owen wird schön herausgearbeitet, und es ist witzig, Luke als eigensinniges Kind von neun Jahren zu erleben. Mike Mayhew als Illustrator überzeugt einmal mehr durch seinen großartigen Stil, der durch seinen Detailreichtum und die perfekt getroffenen Figuren besticht.

Die Hauptgeschichte dreht sich dann um die Entführung des Sternenzerstörers Harbinger durch die Rebellion. Das Schiff soll zum Durchbrechen der imperialen Blockade rund um Tureen VII verwendet werden. Denn dort leidet die aufständische Bevölkerung Hunger und braucht Hilfe. Dass so ein Diebstahl nicht ganz leicht wird, kann man sich denken – zumal sich den Rebellen eine harte Sturmtruppen-Spezialeinheit um den kampferprobten Sergeant Kreel an die Fersen heftet, den Luke Skywalker bereits als Spielmeister in der Arena von Grakkus dem Hutten kennengelernt hatte (siehe „Star Wars – Showdown auf dem Schmugglermond“). Damit erzählt der Comic übrigens kurioserweise eine andere Geschichte als im Werbetext auf der Rückseite des Sammelbands angeteasert. Dort heißt es, dass die „Narben-Truppe“ der Rebellion mit der Harbinger nachsetzen würde.

Die Geschichte, die übrigens ziemlich für sich steht und gut einzeln gelesen werden kann, ist spannend erzählt und weist durch einige Zeitsprünge und nette Wendungen ein flottes Erzähltempo auf. Die Narben-Truppe ist natürlich der typische Versuch der Macher, den Rebellen möglichst coole imperiale Gegenspieler in den Weg zu stellen und gleichzeitig das Kanonenfutter namens Sturmtruppler aufzuwerten. Harte Profis, die sich in One-Linern unterhalten, sind nun wirklich nichts Neues – aber sie funktionieren auch hier (und bleiben uns, wie es scheint, auch noch eine Weile erhalten).

Ein paar hanebüchene Szenen – etwa wenn Solo und Leia nur mit Atemmaske über dem Mund im All schweben, und überhaupt das ziemlich kindische Geplänkel zwischen dem Schmuggler und der Prinzessin – verhindern allerdings, dass ich den Comic als rundum gelungen bezeichnen würde. Dazu kommt, dass mir der Zeichenstil von Jorge Molina gar nicht zusagt. Er hat irgendwie immer einen Hauch von „MAD“-Karikatur im Figurendesign. Leia ist rundäugig und hat Schmollmund, der imperiale Admiral (nur stilecht mit Bleistiftbärtchen und Augenklappe) hat eine Hakennase, mit der man Konservendosen anstechen könnte. Das ist mir zu grell für eine an sich ernste, düstere Handlung.

Den Abschluss macht eine kurze Witzgeschichte namens „Droiden-Dilemma“, die R2-D2 bei dem verzweifelten Versuch zeigt, Lukes X-Wing startklar zu machen. Deren Humor erschließt sich mir allerdings nicht wirklich. Weitgehend ohne Worte erzählt, wird nicht ganz klar, wo eigentlich das Problem liegt. Als Nachtisch hinterlässt sie jedenfalls eher Verwirrung beim Leser als einen süßen Nachgeschmack.

Fazit: Eine starke Vor-Story, ein spannender, wenn auch visuell nicht ganz trefflicher Hauptteil und ein ziemlich überflüssiger Bonus am Ende machen diesen Comic-Sammelband zwar zu einem lesenswerten, aber nicht herausragenden Kapitel der fortlaufenden „Star Wars“-Comic-Reihe. Für den Fortlauf der übergeordneten Handlung ist der Band zudem nicht zwingend erforderlich (sieht man vom letzten Panel ab, das eine Art Cliffhanger bildet und neue Probleme in der Zukunft erahnen lässt).

Star Wars: Der letzte Flug der Harbinger

Comic
Jason Aaron, Jorge Molina u.a.
Panini Comics 2017
ISBN: 978-3-7416-0314-3
144 S., Softcover, deutsch
Preis: EUR 16,99

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