Star Wars – Das Erbe der Jedi-Ritter 03: Das Verderben

Langsam hole ich auf. Während in den USA die monumentale 19-bändige „New Jedi Order“-Buchreihe, die das bekannte „Star Wars“-Universum gegen die furchtbaren Alieninvasoren der Yuzzhan Vong antreten ließ, mit „The Unifying Force“ bereits im November 2003 seinen krönenden Abschluss fand, steht in Deutschland für Juni Band 7 „Anakin und die Yuzzhan Vong“ von Greg Keyes an, und ich bin mittlerweile immerhin bis Band 3 vorgedrungen: „Das Verderben“ von „X-Wing“-Autor Michael Stackpole. Und so geht der Krieg der Sterne weiter...

von Bernd Perplies

 

Die Handlung setzt nicht unmittelbar, aber doch in unmittbarer zeitlicher Umgebung zum ersten Band „Die schwarze Flut“ von Stackpoles „Duologie“ ein. Die Yuzzhan Vong sind auf dem Vormarsch und noch weiß die Neue Republik viel zu wenig über die Invasoren, um sich ihnen effektiv entgegenstellen zu können. Aus diesem Grund werden verschiedene Strategien entwickelt: Während Corran Horn gemeinsam mit Jacen Solo und einer Gruppe Kommandos sich auf dem Außenrandplaneten Garqi einschmuggelt, um die Pläne der Technikhasser auszukundschaften, begibt sich der friedfertige Senator von Caamas, Elegos A’Kla, in die Hand der Feinde, um zu schauen, ob sich eine Lösung aus diesem Konflikt finden lässt.

Derweil besucht Leia Organa als Abgesandte der Neuen Republik Admiral Pellaeon, den Oberbefehlshaber der Reste des Imperiums, um ihn als Verbündeten zu gewinnen. Und Luke muss sich mit einer abtrünnigen Schülerin herumschlagen, die glaubt, dass ehemalige imperiale Superwaffen die einzig wahre Antwort auf die momentane Krise darstellen. Nach einigem Geplänkel trifft sich dann alles über dem blühenden Planeten Ithor wieder, wo es zur finalen Schlacht (dieses Buches) kommt und die Helden erkennen müssen, dass die Yuzzhan Vong sich mit keinem Gegner vergleichen lassen, dem sie bisher gegenüberstanden.

Michael Stackpole ist ein Mann der vielen Erzählstränge – keine Frage. Auch in „Das Verderben“ fährt er diese Strategie. Nachdem einleitend auf Coruscant die Problemstellung des Buches unter den Anführern der Neuen Republik erörtert wurde, verteilen sich die Protagonisten in alle Himmelsrichtungen und kommen auf unterschiedliche Weise mit den Yuzzhan Vong in Konflikt. Der Handlungsstrang um Gavin Darklighters X-Wing-Asse vom „Rogue Squadron“ sowie Corrans Kommandos ist eher actionlastig und enthält mit dem Eingreifen des Imperiums über Garqi, wo es den Infiltranten zur Flucht verhilft, die vielleicht coolste Stelle des ganzen Buches (ich sage nur „Chiss“).

Dagegen erinnert die kurze Eskapade von Luke, Mara, Mirax Terrik und Anakin Solo eher an ein vieldeutiges Verweisspiel, bei dem die Kenntnisse des Lesers in Sachen alte „Star Wars“-Romane gefordert sind. Das Machtspiel zwischen Elegos A’Kla und dem Yuzzhan-Vong-Kommandanten Shedao Shai ist indessen Intrige pur, wenngleich ich sagen muss, dass mich die Passagen, die innerhalb der Reihen der Alieninvasoren spielen, stets am wenigsten mitgerissen haben. Ich werde mit diesen Gegnern einfach nicht warm – vielleicht, weil sie mich eher an SM als an SW erinnern.

Auch ansonsten hinterlässt das Buch einen etwas zwiespältigen Eindruck, was nicht zuletzt daran liegen könnte, dass hier ganz unterschiedliche Interessen und Notwendigkeiten aufeinander prallen. Auf der einen Seite haben wir die Anforderung an „Star Wars“, ein rasantes „high adventure“ zu sein, das humorvoll und doch emotional mitreißend Science-Fiction- und Fantasy-Elemente mischt. Auf der anderen Seite steht Stackpole, der mit „BattleTech“ groß geworden ist, einem weit ernsteren, militaristischeren Universum.

Solange es um die reine Action geht, ist Stackpole voll in seinem Element. Selten waren X-Wing-Raumkämpfe so plastisch, wie in seinen Romanen. Hier gefällt er mir zum Beispiel um ein Vielfaches besser als Kevin J. Anderson, der teilweise hanebüchende Szenarions in seinen Büchern entwirft. Auch die durchaus häufigen Lichtschwertduelle sind schwungvoll beschrieben, wenngleich Stackpole ganz offensichtlich eine Begeisterung für Schwungkicks gegen Brust oder Kopf hegt, die jeder Jedi-Ritter zu beherrschen scheint. Hinzu kommt, dass Stackpole gemeinsam mit Timothy Zahn einige der bekanntesten „Expanded Universe“-Charaktere erschaffen hat (Corran Horn, Mirax Terrik, Grand Admiral Thrawn, Mara Jade) und da er in „Das Verderben“ mit einem großen Ensemble jonglieren darf, hat man stets das Gefühl, das gerade etwas für die „Star Wars“-Galaxis wirklich Bedeutendes geschieht, auch wenn de facto nur zwei „echte“ Filmcharaktere, nämlich Luke und Leia, in Aktion treten – von kurzen Cameos von Wedge oder Han abgesehen.

Was jedoch den „exotischen“ Teil von „Star Wars“ angeht, versagt Stackpole. Hier spürt man, dass seine „Star Wars“-Geschichten eigentlich „BattleTech“-Romane mit anderem Vokabular sind. Das merkt man an verschiedenen Stellen:

1) All seine Helden sind Menschen – Admiral Pellaeon, Corran Horn, Mirax Terrik, Mara Jade, Gavin Darklighter, die Solo-Kinder, Ganner der Jedi. Aliens tauchen zwar ab und an auch auf, aber man registriert ihre Andersartigkeit kaum.

2) All seine Helden sind Militärs! Während in den „Star Wars“-Filmen die Rebellion ein eher chaotisch sympathischer Haufen war, der gegen das durchorganisierte Imperium antrat, herrscht in „Das Verderben“ (und nicht erst hier) ein deutlich strafferer Umgangston. Vor allem, wenn Stackpole die „intriganten“ Alien-Politiker den „aufrechten“ Menschen-Militärs gegenüberstellt (am drastischsten während eines Empfangs über Ithor geschehen), beschleicht einen als Leser schon der Gedanke, dass sich das „Star Wars“-Universum in eine seltsame Richtung entwickelt. Dabei ist es weniger der Gegensatz Alien-Mensch als Politiker-Militär. Stackpole vertritt – ganz „BattleTech“ – offenbar die Meinung, dass nur Männer und Frauen in Uniform die Geschicke der Galaxis lenken können, während Anzug- oder Robenträger nichts weiter als palavernde, inkompetente Störfaktoren sind – es sei denn, sie unterstützen das Militär.

3) Das Universum ist weitgehend entzaubert. Nun ist eine Buchreihe über eine Invasion natürlich ein eher schlechter Ort, um sich den Wundern der Galaxis zu widmen, aber vor allem bei Stackpole wird man das Gefühl nicht los, dass Orte im Wesentlichen Namen sind, die relativ austauschbar bleiben und allein eine Funktion haben (meist eine militärische). So bekommt man fast nichts über Garqi mit (die Kommandos sprinten nur so über den Planeten) und auch Lukes Verfolgung seiner irregeleiteten Twi’lek(!)Schülerin springt eher von Raumhafen zu Raumhafen, anstatt sich ein bisschen umzuschauen.

Hinter den Kulissen hieß es seinerseits, dass Stackpole eigentlich drei Romane schreiben sollte, dann aber nur zwei bekam. Die leichte Hetze im Erzählduktus könnte auch daraus resultieren.

Fazit: Wie die ganze „Das Erbe der Jedi-Ritter“-Buchreihe dürfte auch „Das Verderben“ die Gemüter spalten. Die Galaxis ist ungewohnt ernst, man möchte sagen: dreckig. Wenig ist von dem naiven Charme und Humor der Filme (vor allem „Star Wars: Episode IV – Eine neue Hoffnung“) geblieben. Außerdem wird die Galaxis und die Handlung eindeutig von menschlichen Militärs beherrscht, nur dass sie heute der Neuen Republik dienen und nicht mehr dem Imperium. Irgendwie scheint Stackpole ein großer Bewunderer von Helden an der Waffe zu sein. Auf der Habenseite werden in dem Roman erneut krachende Raumkämpfe geboten (mir persönlich gefällt ja vor allem die Rückkehr des Imperiums auf die galaktische Showbühne) und viele namhafte EU-Charaktere tummeln sich auf den Seiten – wodurch allerdings auch geschickt kaschiert wird, dass einige der klassischsten Helden, wie Han Solo, Lando Calrissian, C-3PO und R2-D2, praktisch keine Rolle spielen.


Star Wars – Das Erbe der Jedi 03: Das Verderben
Film/TV-Roman
Michael Stackpole
Blanvalet 2002
ISBN: 3442356202
383 S., Taschenbuch, deutsch
Preis: EUR 8,00

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