Star Wars – Das Erbe der Jedi-Ritter 01: Die Abtrünnigen

In jedem Universum, das durch Romane fortgeschrieben wird, kommt irgendwann der Zeitpunkt, da neue Wege eingeschlagen werden müssen, um die Fans bei der Stange zu halten und um die eigenen Möglichkeiten zu erweitern. In „BattleTech“ vollzog sich irgendwann die Clan-Invasion, um die sich abzeichnende Übermacht Steiner-Davions zu brechen, in „Star Trek“ setzte man auf Spin-Off-Serien wie „Starfleet Corps of Enigeering“ oder „Die neue Grenze“, um den altgedienten Helden etwas Ruhe zu gönnen, in „Star Wars“ schließlich gab es die bedauerliche Regression in Kinderbuchwelten – und es gab die Yuuzhan Vong.

von Bernd Perplies

 

1999 entstand bei Del Rey ein groß angelegtes Buchprojekt namens „New Jedi Order“. 25 Jahre nach der Schlacht von Yavin gelegen soll es fünf Jahre umspannen und in etwa 20 Romanen erzählt werden. In Deutschland erschien bei Blanvalet (Goldmann) der erste Band „Die Abtrünnigen“ im November 2000, und seitdem hat sich leider nicht viel getan. Während der Handlungsbogen jenseits des großen Teichs fröhlich auf Band 15 zustrebt, existieren hierzulande gerade mal Band 2 und 3 von Michael Stackpole (Fans als begnadetem „BattleTech“-Autor bekannt), während Band 4 für April 2003 angekündigt ist. Wir werden alt und klapprig sein, bevor wir das Finale in deutscher Sprache zu lesen bekommen...

Band 1 nun, im Original „Vector Prime“ betitelt – was erheblich mehr Sinn macht –, stammt von dem renommierten Fantasy-Autoren R. A.Salvatore, der durch seine „Dunkelelfen“-Zyklen bekannt geworden ist und mittlerweile auch die Romanadaption zu „Angriff der Klonkrieger“ schreiben durfte. Auf 448 Seiten schlägt er ein neues Kapitel der „Star Wars“-Saga auf. Und dieses Kapitel hat es in sich:

Eine neue Bedrohung von außerhalb der bekannten Galaxis dringt in die Neue Republik ein. Es sind die Yuuzhan Vong, eine schreckliche Kriegerrasse, die es sich zum Ziel gemacht hat, diese Galaxis zu erobern und zu unterwerfen. Dabei konfrontieren sie die Heroen der Republik mit völlig neu- und fremdartigen Herausforderungen. So basiert ihr Waffenarsenal auf seltsam „lebendiger“ Biotechnologie, und krakenhaft monströse Kriegskoordinatoren sorgen durch ihre mentalen Kräfte für die perfekte Einheit der Invasoren-Streitkräfte. Außerdem scheinen sie völlig unbeeinflusst durch die Macht und kennen im Kampf weder Furcht noch Schmerz. Ihnen gegenüber steht eine zerrüttete Galaxis. Die Republik verliert sich in politischen Ränkespielen, Luke Skywalker kämpft um die Neugründung des Jedi-Rates, während seine Frau Mara von einer tödlichen Krankheit verzehrt wird, und im Hause Solo streiten sich drei heranwachsende Jedis über den richtigen Zugang zur Macht.

Als Einstieg in einen lang laufenden Zyklus darf „Die Abtrünnigen“ Dinge tun, die anderen Romanen vorenthalten wurde: Die Galaxis darf sich weiterdrehen. Große persönliche Konflikte bahnen sich in diesem Roman an oder werden bereits ausgelöst. Dies betrifft nicht nur altgediente Helden wie Luke, Han und Leia, sondern auch die „nächste Generation“ wie Jacen und Jaina, denen zunehmend Platz eingeräumt wird – ohne dass das Buch zu einem „Young Jedi Knights“-Verschnitt degenerieren würde. Salvatore beschreibt dies alles in einem mitreißenden Stil, der gegen Ende geradezu filmische Qualitäten erhält – man fühlt sich regelrecht in die Schlachten hineingezogen und erinnert sich an Yavin IV oder Endor.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist zweifellos der neue Gegner. Hier merkt man dem Roman eindeutig die Hand von Salvatore an. Die düsteren Sado-Maso-Krieger mit ihren insektoiden Biowaffen und ihrer Cthulhu-artigen Religion (man lese nur die Passagen über den Kriegskoordinator) erinnern frappierend an bleiche grausame Dunkelelfenzauberei, und man fragt sich überrascht, inwieweit der Autor und nicht die Planer bei LucasBooks verantwortlich zeichnet für die Entwicklung und Ausformulierung dieser neuen Bedrohung.

Die Yuuzhan Vong bringen einen völlig neuen Stil ins „Star Wars“-Universum, sie heben den Grad der Gefahr und des Grauens um einiges an. Kampfdroiden, Sturmtruppler oder Huttengangster nehmen sich dagegen vergleichsweise harmlos aus, am ehesten ist die Stimmung vermutlich mit den „Dark Empire“-Comics vergleichbar. Diese Entwicklung kann man lobpreisen als ersten ernsthaften Versuch seit langem, „Star Wars“-Romane für Fans über 12 Jahren zu schreiben. Man kann sie aber auch hassen als wahrscheinlich drastischste Entfernung von dem Pulp-Techno-Märchen-Feeling, das die „Star Wars“-Filme eigentlich ausmacht.

Fazit: Für Freunde des „Expanded Universe“ ist der neue Zyklus „Das Erbe der Jedi-Ritter“ ein Muss. Solche Action und Dramatik, die auch wirkliche Veränderungen innerhalb des „Star Wars“-Universums zur Folge haben, findet man sonst nur in den Romanen von Timothy Zahn. Da lässt sich auch über die etwas allmächtigen Solo-Kinder und die mitunter allzu Dark-Fantasy-mäßigen Antagonisten hinwegsehen. Wünschenswert wäre allein, dass der verantwortliche Verlag Blanvalet die Lücke zwischen deutschen und amerikanischen Ausgaben etwas zügiger schließt – ansonsten kann man nur den Griff zu den englischsprachigen Romanen raten.


Star Wars – Das Erbe der Jedi 01: Die Abtrünningen
Film/TV-Roman
R. A. Salvatore
Blanvalet 2000
ISBN: 3-442-35414-5
448 S., Taschenbuch, deutsch
Preis: EUR 8,50

bei amazon.de bestellen