Star Wars – Darth Vader: Zeit der Entscheidung

Der Titel verrät es schon: Die „Darth Vader“-Comic-Reihe strebt ihrem Höhepunkt entgegen. Mit der brutalen Auflösung des Shu-Torun-Kriegs hat Vader Punkte beim Imperator gesammelt. Jetzt gilt es, den Verräter Doktor Cylo unschädlich zu machen. Parallel dazu versucht die den Rebellen entkommene Doktor Aphra, irgendwie geschickt aus ihrem Arbeitsverhältnis mit Darth Vader zu entkommen. Doch der hetzt ihr die beiden Killerdroiden 0-0-0 und BT-1 auf den Hals.

von Frank Stein

Der Comic-Band läuft auch unter dem Namen „Star Wars Reprint 10 – Darth Vader: Zeit der Entscheidung“ und versammelt die US-Heftausgaben „US-Star Wars – Darth Vader #20-25“, die zwischen Mai und Oktober 2016 in sechs Teilen den vierten Handlungsbogen „End of Games“ der „Darth Vader“-Comic-Serie präsentierten und auch einen Schlusspunkt setzten. Auf Deutsch ist ein Großteil des Sammelbandes bereits im Sommer 2017 in den „Star Wars“-Heften #24-26 bei Panini erschienen. Neben der Hauptstory enthält der Band aber auch die beiden Bonusgeschichten „Die Missgeschickte von Triple-Zero und Beetee“ sowie „Coda“.

Von der Handlung her schließt der Comic unmittelbar an seinen Vorgänger „Der Shu-Torun-Krieg“ an, außerdem an „Das Gefängnis der Rebellen“ aus der „Star Wars“-Schwesterserie. Insofern lässt sich schon vorab sagen, dass es wenig Sinn ergibt, den Comic für sich zu lesen. Er ist ein fester Teil der „Darth Vader“-Serie und verbindet ohne große Erklärungen alle offenen Handlungsstränge der vergangenen zwanzig Comic-Ausgaben. So taucht zum Beispiel der Ermittler Thanoth erneut auf, der Vader und seiner Intrige, sich ein eigenes Standbein im Imperium aufzubauen, in der Vergangenheit gefährlich dicht auf der Spur war. Außerdem klärt sich die Beziehung zwischen Doktor Aphra und Vader.  Zu guter Letzt kommt es zum dramatischen Showdown mit dem Verräter und genialen Wissenschaftler Doktor Cylo.

Der Sammelband ist ein schöner und starker Abschluss für eine wirklich lesenswerte Reihe, die zwischen den Kinofilmen „Eine neue Hoffnung“ und „Das Imperium schlägt zurück“ angesiedelt ist und auch kurz vor letzterem Film endet. Wir wissen natürlich, wer von den Kontrahenten am Ende noch stehen wird, insofern stellt sich da weniger die Frage, ob Darth Vader den Sieg davonträgt, sondern wie und welche Opfer er dafür gegebenenfalls bringen muss. In diesem Zusammenhang gibt es eine sehr nette Sequenz, die das tatsächliche Ende von Anakin in Vader suggeriert, während dieser die Macht der Dunklen Seite beschwört, um sich gegen seine Gegner durchzusetzen.

Visuell wird sehr ordentliche Durchschnittskost geboten. Raumschiffe und gesichtslose Figuren wie Vader liegen Illustrator Salvador Larroca dabei mehr als die menschliche Physiognomie, die er mit feinen Linien zeichnet, aber oft genug doch etwas verzerrt. Edgar Delgado verleiht den Panels derweil mit feurigen Rot- und kühlen Blautönen eine komplett düstere Grundstimmung, die sehr gut zum Setting passt. Visuell wirkt der Comic wie aus einem Guss, was positiv hervorzuheben ist. Hier macht sich die konsequente Teamarbeit zwischen Gillen, Larroca und Delgado bezahlt.

Die Bonusstory „Die Missgeschickte von Triple-Zero und Beetee“ passt sich nahtlos in den größeren Rahmen ein (und wird auch einfach zwischendrin eingeschoben) und erzählt von der Jagd der düsteren Spiegelbilder des berühmten Droidenpaars C-3PO und R2-D2 nach Doktor Aphra. Es mag moralisch nicht korrekt sein, aber der sadistische Folterdroide mit dem Gehabe eines britischen Butlers und der Explosionen liebende Kampfzwerg im Astromechformat sind einfach eine grandiose Idee dieser Reihe gewesen, und es ist immer wieder eine Freude, sie bei ihren Gemeinheiten zu beobachten.

„Coda“ dagegen kommt komplett ohne Worte aus und wirkt beinahe experimentell, während es davon erzählt, wie ein Tuskenstamm nach den Wutausbrüchen, die Anakin Skywalker und später Vader auf Tatooine hatte, sich zur Gründung eines unheiligen Götzenkults gezwungen fühlt. Diese Geschichte hätte es nicht unbedingt gebracht, aber ab und zu leistet sich „Star Wars“ halt auch mal erzählerische Spielereien.

Eine Covergalerie rundet den Band ab.

Fazit: Wer die „Darth Vader“-Serie bis hierher gelesen hat, der braucht natürlich auch den Abschlussband. Wer die Serie noch nicht kennt, aber auf Intrigen im Imperium steht, sollte sich die Sammelbände unbedingt zulegen, denn diese in vier (fünf mit „Vader Down“) Sammelbänden erzählte Story über Darth Vader, der seine Macht im Imperium festigt, lohnt sich wirklich. Als Einzelwerk ist der Comic allerdings nicht sinnvoll zu genießen. Zu viel Vorwissen fehlt, um der Handlung gut folgen zu können.

Star Wars – Darth Vader: Zeit der Entscheidung
Comic
Kieron Gillen, Salvador Larroca, Edgar Delgado u.a.
Panini Comics 2018
ISBN: 978-3-7416-0759-2
172 S., Softcover, deutsch
Preis: EUR 20,00

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