Star Wars – Darth Vader: Der Auserwählte

Bei der Menge an Comics, die seit dem Wechsel von „Star Wars“ zu Disney Geschichten über Darth Vader erzählen, könnte man den Eindruck gewinnen, dass der Dunkle Lord der Sith der eigentliche Held der Saga ist. Auch „Darth Vader – Der Auserwählte“ stellt den Mann, der früher Anakin Skywalker war, in den Mittelpunkt. Wir erleben seine ersten Prüfungen nach seiner Transformation zu einem Werkzeug des Bösen.

von Bernd Perplies

Der Comic versammelt auf 144 Seiten die US-Miniserie „Darth Vader: The Chosen One #1-6“ auf Deutsch (nachdem sie zunächst in den Panini-Comic-Ausgaben „Star Wars #34-36“ zwischen Mai und Juli 2018 erschienen war). Die Geschichte setzt unmittelbar nach dem Ende von „Star Wars – Episode III: Die Rache der Sith“ ein. Vader erfährt von Palpatine, dass er auf Mustafar Padmé getötet hat und rastet dabei völlig aus. Sein Meister reagiert darauf mit einem sanften Machtblitz-Tadel, und nachdem sich die Gemüter wieder ein wenig beruhigt haben, stellt er ihn vor die Wahl, ob er leben oder sterben will. Anakin/Vader wählt das Leben.

Bevor er allerdings an Palpatines Seite die Galaxis terrorisieren darf, hat er einige Prüfungen seines Meisters zu bestehen. So muss er sich ein neues Lichtschwert beschaffen, nachdem sein altes im Kampf gegen Obi-Wan Kenobi auf Mustafar verloren ging. Und ein Sith baut sich kein eigenes Schwert, er nimmt es den kalten Händen eines getöteten Feindes ab. Die Suche nach einem überlebenden Jedi, den er besiegen kann, führt Vader durch den halben Mittleren Rand. Sie wird ihm viel abverlangen – aber sie wird ihm auch Gelegenheit geben, seine ganze, neu gewonnene Macht und Bosheit zu beweisen.

Vaders Suche, die letzten Endes eine Herausforderung mit ansteigendem Schwierigkeitsgrad ist, wird von Autor Charles Soule spannend inszeniert. Sein Vader ist voller Wut und Schmerz und geht seine Probleme sehr physisch an, mit einer Gewalt, die einen unwillkürlich an den „Star Wars“-Videospiel-Klassiker „The Force Unleashed“ erinnert und die den jungen Sith-Lord noch sehr deutlich von dem reifen, machtvollen Anführer aus „Das Imperium schlägt zurück“ unterscheidet. Vader wird auch mal von seinen Gegnern erwischt, teilweise sogar richtig böse. Aber wie ein Boxer mit unbändigem Willen kämpft er sich immer wieder hoch, wenn er auf die Bretter geschickt wird, um mit nur noch mehr Zorn zurückzuschlagen.

Illustrator Giuseppe Camuncoli unterstützt diese Erzählweise mit kraftvollen Bildern. Durch den ganzen Comic hindurch erhält Vader starke Auftritte, halbseitige und sogar ganzseitige Panels inszenieren den Dunklen Lord als unbändige Macht des Bösen, umgeben von zerschmetterten Panzertürflügeln, Felsbrocken oder gar einem ganzen Stausee, den er teilt wie Moses das Meer (nicht dass diese beiden sonst viel gemein hätten). An sich ist der Zeichenstil nun nichts Herausragendes, sondern befindet sich auf dem typischen Niveau so vieler monatlicher Marvel- und DC-Comics. Der Detailgrad ist nicht ausnehmend hoch und manchmal wirkt Vaders Helm auch recht gummiartig verformt. Dennoch finden sich immer wieder starke Motive oder Panelabfolgen (etwa Vaders Kampf mit einem Kyberkristall), die einen als Leser aufmerken lassen.

Als Bonus befindet sich neben der Hauptstory noch der Bonus-Comic „Keine gute Tat“ am Ende des Sammelbands, eine satirische Momentaufnahme auf Vaders Jähzorn und seine Vorliebe, Leute zu erwürgen, die ihn enttäuscht haben. Kann man lesen, kann man beschmunzeln, aber vom Tonfall her passt die kleine Episode von Chris Eliopoulos und Jordie Bellaire natürlich überhaupt nicht zum Rest.

Eine hübsche Covergalerie schließt den Band ab.

Fazit: Man hat es nicht leicht als Anhänger der Dunklen Seite der Macht. Diese Erfahrung muss Darth Vader in den ersten Tagen nach seiner Widergeburt machen, die in dem vorliegenden Comic geschildert werden. Doch sein Zorn und seine unbändige Kraft helfen dem Auserwählten, jede Prüfung des Imperators zu bestehen. Das Ganze wird kurzweilig und mit bisweilen starken Bildern erzählt. Dabei profitiert der Comic – wie so viele Gesichten, die auf der imperialen Seite der „Star Wars“-Saga angesiedelt sind – von der latenten Gefahr aus den eigenen Reihen, der sich der Protagonist unablässig ausgesetzt sieht. Das sorgt für Spannung, auch wenn der Grundkonflikt „Imperator stellt Vader auf die Probe“ alles andere als neu ist. Das gab es schon viele Male. Trotzdem ist Vaders Ringen um seinen Platz und sich selbst lesenswert – und Fans freuen sich überdies über die Verknüpfung von Vader mit dem Großinquisitor aus der TV-Serie „Rebels“.

Star Wars Darth Vader: Der Auserwählte
Comic
Charles Soule, Giuseppe Camuncoli u.a.
Panini Comics 2018
ISBN: 978-3-7416-0930-5
144 S., Softcover, deutsch
Preis: EUR 17,00

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