Star Wars Comic-Kollektion 59: Infinities: Die Rückkehr der Jedi-Ritter

Nach den beiden ersten Alternativ-Stories zu den alten „Star Wars“-Filmen durfte der dritte Band natürlich nicht fehlen. In dieser „Was wäre wenn“-Geschichte jagt Leias Themaldetonator, den sie als verkleideter Kopfgeldjäger bei sich trug, Jabbas Palast in die Luft, ehe Leia, Luke und Lando den in Karbonit eingefrorenen Han Solo befreien konnten. So entkommt der legendäre Boba Fett mit Han und wird nicht vom Sarlacc verschlungen. Leia und Luke heften sich an seine Fersen ...

von Ansgar Imme

Die „Was wäre wenn“-Bände zu den Originalstories scheinen sich – trotz inhaltlicher Schwächen – so gut verkauft zu haben, dass sich auch der dritte Teil lohnte: Und so widmet sich dieser Comic dem Abschluss in „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“. Und wie in den beiden Vorbänden gibt es auch hier neben der Haupt-Alternativhandlung einen Abstecher zu den beiden Anti-Helden Tag und Bink, die dieses Mal den Jedi-Orden durcheinander bringen.

Auch die alternative „Rückkehr der Jedi-Ritter“ beginnt in Jabbas Palast auf Tatooine. Doch leider hat die verkleidete Leia dieses Mal etwas Pech mit ihrem Thermaldetonator, welcher den gesamten Palast zerstört. Durch den Aufruhr kann Boba Fett allerdings mit dem in Karbonit gefrorenen Han Solo entkommen. Sowohl Luke als auch Leia, Chewbecca und Lando machen sich jeweils auf die Suche nach dem Kopfgeldjäger. Dadurch verpasst Luke es jedoch, sich zurück nach Dagobah zum sehr geschwächten Yoda zu begeben. Während Luke sich frühzeitig Vader und dem Imperium stellen muss, versuchen die anderen immer noch, Han aus Boba Fetts Klauen zu entreißen. Auch hier endet die Reise aller schließlich in einer Schlacht vor dem kleinen Waldmond Endor, jedoch mit ganz anderen Vorzeichen. Und auch der Ausgang ist durchaus überraschend.

Da man sich bei den bisherigen Abenteuern Tag und Binks vielleicht fragte, warum sie immer an allen möglichen Wendepunkten der letzten Tage des Imperiums auftauchten und dabei oft genug Glück hatten, erzählt die Geschichte die mögliche Herkunft als Jedis. Man erlebt ihre ersten Schritte der Ausbildung im Jedi Orden und wie sie Yoda, Mace Windu und Obi-Wan Kenobi nahezu um den Verstand bringen. Schließlich werden sie auch noch in die Liebelei zwischen Anakin und Padmé Amidala verwickelt. Doch die beiden wissen auch hier, wie sie sich mit ihrer Bauernschläue aus dem Schlamassel ziehen.

Wie in den beiden vorherigen Bänden ist es auch im dritten Teil ein Ereignis, was zufällig anders ausfällt und damit einen anderen Verlauf auslöst. War es im ersten Band noch ein ganz wichtiger Moment der Geschichte (Lukes Schuss im Todesstern geht fehl), wirken die beiden Ereignisse in Band 2 und 3 sehr beliebig ausgewählt. Während in Band 2 wenigstens noch eine Hauptfigur ganz aus der Handlung fällt, ist das Ereignis aus dem dritten Band eher unwichtig und somit fraglich, ob dadurch eine so alternative Handlung ausgelöst werden könnte. Zudem wäre es über alle drei Bände hinweg schöner gewesen, wenn nicht jeweils der Zufall zur neuen Handlung geführt hätte, sondern wenn es mal eine Entscheidung einer Figur gewesen wäre, die genau anders gehandelt hätte („Luke schließt sich der dunklen Seite an“ wäre so ein Klassiker).

Die Handlung dieses Bandes ist dabei durchaus nachvollziehbar und hätte natürlich dann auch so laufen können. Sie hat an einigen Stellen auch eine gewisse Spannung und Dramatik zu bieten – vor allem zum Ende nimmt es Fahrt auf. Aber an mehreren Stellen wirkt es doch zu zufällig und beliebig, wie etwas passiert. Warum bekommt beispielsweise genau hier die dunkle Seite das Ableben Yodas mit? Leider bleiben aber längere spannende und teils lustige Passagen aus dem Film hier auf der Strecke oder sind stark verkürzt (Jabbas Palast, die Ewoks auf Endor) und wurden nur durch sehr beliebig wirkende Handlungsstränge ersetzt. Das Ende ist immerhin interessant gewählt. Insgesamt wirkt der dritte Teil der „Infinities“-Serie wieder besser als der zweite Band, kann aber für eine gute Alternativhandlung nicht genug überzeugen.

Wie auch in Band 2 wirkt die deutlich kürzere Geschichte um Tag und Bink besser als die Hauptgeschichte. Sie ist natürlich humorvoll und teilweise albern angelegt, versucht dies aber auch gar nicht zu verbergen. Da wird das volle Kaliber von Anspielungen genutzt, es werden im Hintergrund bekannte Figuren eingebaut und die Handlung wird parallel zu Episode 1 gestaltet. Dabei gelingt sogar eine gute Einbindung mit Obi-Wan, der nach einem verschwundenen Planeten sucht, sowie mit Anakin und seinen Werbungsversuchen bei Padmé. Wer mit dem Humor umgehen kann, wird sich hier gut unterhalten fühlen.

Der Zeichenstil hat sich leider von den Vorbänden nicht wirklich verbessert. Die Gesichter der Hauptfiguren wirken immer noch so, als ob Leia, Han oder Luke gerade schlechte Gesichtsoperationen hinter sich hatten. Die fremdartigen Rassen, Droiden oder durch Masken verborgenen Figuren sind dagegen besser getroffen, ebenso wie die Schiffe. Die Farbgebung, Kontraste und Dynamik der Handlung ist auch durchaus zufriedenstellend.

Fazit: Wer seine Sammlung der drei Bände gern abschließen möchte oder nicht mit den vielen Zufällen hadert, kann auch hier ruhig kaufen. Insgesamt ist die Handlung auch nicht schlecht, aber oft nicht spannend genug, nur mäßig gezeichnet und für eine „Was wäre wenn“-Geschichte doch zu normal. Insgesamt ist es ein durchschnittlicher Band.

Star Wars Comics Band 59: Infinities: Die Rückkehr der Jedi-Ritter
Comic
Adam Gallardo, Kevin Rubio, Ryan Benjamin u. a.
Panini Comics 2018
ISBN: 3741609102
124 S., Hardcover, deutsch
Preis: EUR 13,99

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