Star Wars Comic-Kollektion 56: Infinities: Das Imperium schlägt zurück

„Was wäre wenn“ im „Star Wars“-Universum Teil 2: Nach dem ersten Teil, der eine alternative Handlung ohne die Zerstörung des Todessterns vorstellte, muss in „Das Imperium schlägt zurück“ die Handlung ohne eine der Hauptfiguren auskommen. Luke Skywalker kann sich nicht von Yoda zum Jedi ausbilden lassen und nach Bespin zur Rettung seiner Freunde fliegen, sondern eine andere Person muss in diese Fußstapfen treten.

von Ansgar Imme

Der zweite Band der „Infinities“-Serie widmet sich dem zweiten Film „Das Imperium schlägt zurück“. Der Dark-Horse-Verlag wollte erneut die Leser und Fans mit einer alternativen Geschichte um den Grundkonflikt begeistern. Etwa 80% des Bandes nimmt entsprechend die Handlung um den zweiten ursprünglichen Film ein, während die nächsten knapp 30 Seiten erneut für die witzigen Abenteuer der beiden besonderen Helden Tag und Bink reserviert sind, die dem Imperium das Leben schwer machen.

Die alternative Geschichte beginnt ebenso wie „Das Imperium schlägt zurück“ auf dem Eisplaneten Hoth. Doch bei seiner Suche nach Luke verliert Han Solo sein Tauntaun und kann Luke dann nicht mit den wärmenden Innereien vor der Kälte schützen. So kehrt Luke aus dem Eis nicht mehr zurück, und die scheinbar letzte Hoffnung auf einen neuen Jedi ist dahin. Die Rebellen um Han und Leia müssen trotzdem vor dem Imperium fliehen und begeben sich bekannterweise nach Bespin, um den alten Halunken Lando um Hilfe zu bitten. Dort erwartet sie eine andere Bedrohung, als man es aus dem Original kannte. Ehe das Imperium seine Augen auf Bespin richtet, verlassen Han und Leia den Planeten Richtung Dagobah, um dort Yoda zu treffen. Ihre Wege führen sie ebenso zu Jabba, doch Vader ist ihnen stets auf den Fersen. Es kommt schließlich zur Konfrontation auf Dagobah, bei der sich Vader und Yoda gegenüberstehen.

Tag und Bink sind dagegen mit Lando Calrissian unterwegs und versuchen Informationen über das Imperium zu bekommen. Als sie Landos Plan vermasseln, müssen sie als Sturmtruppler verkleidet Boba Fett ablenken, damit Lando dessen Schiff durchsuchen kann. Doch Lando hat andere Pläne, und so finden sich die beiden schnell als Boba Fett und eine Wache verkleidet in Jabbas Palast wieder. Und hier endet es auch im Sarlaac. Doch Tag und Bink finden immer einen Ausweg. Als sie dann noch von einem zweiten Todesstern erfahren, wollen sie die Pläne zu den Rebellen bringen. Dass sie dabei als Ehrenwache des Imperators dienen müssen, war allerdings nicht ihr Plan.

Wie schon der erste „Infinities“-Band zeigt die Handlung einen möglichen alternativen Verlauf auf. Doch mit Luke nimmt man der Geschichte einen wesentlichen Ankerpunkt, sodass die Folgehandlung etwas zu weit hergeholt scheint. Dass zunächst Han meint, zum Jedi ausgebildet werden zu müssen, obwohl er nie irgendwelche Kräfte gezeigt hat, ist etwas einfallslos. Dass Yoda sich dann Leia annimmt, ist nachvollziehbar, aber die weitere Handlung von Han wirkt eher wie ein Lückenfüller. Immerhin kommt bei Jabba etwas Humor auf, als er dann auch noch mit Darth Vader verhandeln muss. Dieser scheint vom Tode Lukes aber nichts mitbekommen zu haben, sondern fühlt immer noch eine Verbindung. Die Zufälle in der Handlung werden häufiger, sodass es zu dem Aufeinandertreffen auf Dagobah kommt. Insgesamt sind es zu viele Zufälle und neue Alternativen der Handlung, als dass es richtig spannend wirkt oder man eine interessante Abhandlung zu lesen bekommt. Es verkommt mehr zu verschiedenen Szenen, die eher aneinander geklatscht wirken, ohne dass Logik dahinter steht. Dies hat im ersten Band besser gepasst.

Bei Tag und Bink darf man sowieso keine tiefgreifende Handlung erwarten, aber auch dort war im ersten Band ein stärkerer Handlungsfaden erkennbar. Hier haben sie allerdings auch deutlich weniger Seiten erhalten. Dafür hat man den Humor-Faktor noch ein wenig nach oben geschraubt. Der passt auf jeden Fall sehr gut – ob es nun die Szenen mit Lando, Boba Fett oder auf dem Todesstern sind. Der Witz passt und bietet eine gute Ablenkung.

Der Zeichenstil hat die Vorgaben des Vorgängers beibehalten, was nicht positiv zu sehen ist. Vor allem die Gesichter der Figuren sind doch oft grob und undeutlich gehalten. Die Farbgebung ist dagegen gut gelungen, und auch die dynamischen Szenen sind grundsätzlich zufriedenstellend.  

Fazit: Wer die „Was wäre wenn...“-Geschichten sehr mag, wird hier sicherlich seinen Reiz finden. Die Handlung ist aber etwas weit hergeholt und spielt viel mit Zufällen. Ingesamt entwickelt es sich dann etwas zu alternativ und hat mit der Originalhandlung nicht mehr viel zu tun. Als Ablenkung an kalten Winterabenden mag es manchen gefallen, aber es gibt bessere Bände aus dem „Star Wars“-Comic-Universum.

Star Wars Comic-Kollektion 56: Infinities: Das Imperium schlägt zurück
Comic
Dave Land, Christian Dalla Vecchia u. a.
Panini Comics 2018
ISBN: 3741609072
132 S., Hardcover, deutsch
Preis: EUR 13,99

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