Star Wars Comic-Kollektion 54: Das letzte Kommando

Das waren noch Zeiten, als Prinzessin Leia den Doppelkinderwagen vor sich herschob, ein blauhäutiger Oberbefehlshaber der Imperialen Flotte sein Schoßysalamiri kraulte und ein durchgeknallter Jedi die Geschwister Skywalker in seine Finger bekommen wollte. Die „Thrawn“-Trilogie von Autor Timothy Zahn, heute bloß noch „Legende“, brachte 1991 das „Star Wars“-Revival ins Rollen und das Expanded Universe zum expandieren. Der vorliegende Comic-Band ist die Bildergeschichtenadaption des Stoffes. Hier wird die vielschichtige Handlung zum Höhepunkt getrieben.

von Kurt Wagner

Der Kampf um die junge Neue Republik spitzt sich zu. Großadmiral Thrawn hat die legendäre Katana-Flotte, eine Dreadnaught-Flotte, die als verschollen galt, unter seine Kontrolle bekommen. Außerdem verfügt er über eine geheime Klonanlage, in der er Besatzungen für seine Schiffe klonen will. Die Republik sieht sich in der Defensive, zumal Thrawn immer neue Tricks aus dem Ärmel zaubert, um Planetensysteme gefügig zu machen, und es nach wie vor ein Informationsleck im Regierungspalast gibt, das niemand zu stopfen vermag. Und dann ist da noch der verrückte Jedi-Meister C’baoth, der – nachdem er Luke erfolglos zu bekehren versuchte – zur Jagd auf Leia und ihre neu geborenen Zwillinge Jacen und Jaina bläst. Und die ehemalige imperiale Killerin Mara Jade, die nicht weiß, wo ihre Loyalitäten liegen sollten. Und der Schmuggler Talon Karrde, der einen gefährlichen Balanceakt zwischen Neuer Republik und den Interessen seiner geldgierigen Kollegen zu meistern versucht. Viel Handlung also, die auf knapp 150 Seiten erzählt werden will.

Entsprechend aufpassen muss man als Leser. Timothy Zahn, der sich mit dieser Trilogie einen Ruf als einer der besten Autoren des „Expanded Universe“ erarbeitete, hat hier eine so dichte Vorlage geschaffen, dass Autor Mike Barron sie regelrecht atemlos adaptieren musste, um sie halbwegs im gegebenen Seitenrahmen erzählt zu bekommen. Mehrere, komplex verwobene Handlungsstränge, eine Vielzahl an Protagonisten und ständige Ortswechsel fordern einen als Leser manchmal ziemlich heraus. Im Buch ist all dem sicher aus Platzgründen besser zu folgen, hier kommt man sich stellenweise leicht gehetzt vor.

Auf der Habenseite lässt sich zufrieden sagen, dass an der Geschichte praktisch nichts banal ist – ganz im Gegensatz zu manch neueren „Star Wars“-Geschichten. C’baoths Versuche, sich als neuer Imperator aufzuführen, sind ebenso spannend zu verfolgen, wie Thrawns Vorstellung eines neuen, modernen Imperiums, das statt auf brutale Unterwerfung auf die tadelnde Hand eines strengen Vaters setzt. Maras Bemühungen, in der Neuen Republik auch ein inneres Zuhause zu finden sind nicht weniger interessant. Die einstige Hand des Imperators muss sich von ihren Dämonen lösen und den Wechsel zurück zur „hellen Seite“ schaffen. Trotz all den Charakterskizzen kommt die Action nicht zu kurz. Zwar verliert sich der Comic nicht in seitenlangen Kämpfen, wie manch andere Bildergeschichte, aber dafür glänzt er durch interessante Kampftaktiken, die über ein einfaches Rein-Schießen-Raus hinausgehen.

Die graphische Umsetzung wirkt aus heutiger Sicht etwas simpler, als man sie beispielsweise bei modernen Serien wie „Doctor Aphra“ zu sehen bekommt. Das liegt vor allem an der traditionellen Form der Kolorierung, die eben noch nicht auf Photoshop-Lichteffekte und komplexe Licht-Schatten-Verläufe setzt. Trotzdem weiß die Optik zu gefallen, denn die etwas „klarere“ Linie, auch in den Zeichnungen von Edvin Biukovic, sorgt dafür, dass die Bilder kein Übergewicht bekommen, sondern den reichhaltigen und selten unwichtigen Text stützen. Abgesehen davon sind auch alle Figuren wirklich gut getroffen und stets erkennbar.

Die Comic-Kollektion erscheint in ihrer typischen Aufmachung. Der Hardcoverband, der die sechs Einzelhefte versammelt, die zwischen November 1997 und Juli 1998 erschienen sind, beginnt mit einer Einordnung des Comics von Marco Ricompensa und einer Kurzvorstellung von Mara Jade (eine Schande übrigens, dass es die Figur nie in den Disney-Kanon geschafft hat, aber Lukes Schicksal sollte dort ja eine völlig andere Richtung einschlagen). Es folgt ein kurzes Intro und am Ende der Handlung ist auch wieder eine Covergalerie, die diesmal allerdings einmal mehr schändlich unvollständig ist. Gerade im Hinblick auf die tollen Cover der Reihe ist das bedauerlich.

Fazit: Wer die beiden Vorgängerbände „Erben des Imperiums“ und „Die Dunkle Seite der Macht“ gelesen hat, kommt um diesen letzten Band ohnehin nicht herum. Und wer „Star Wars“ und „Comics“ liebt, wird hier auch auf 150 Seiten prächtig unterhalten, wenngleich durch eine Geschichte, die im Disney-Kanon keine Gültigkeit mehr hat. (Aber vertraut mir, wenn ich sage, dass das alte Expanded Universe eindeutig die bessere Post-Endor-Historie erzählt.) Einzig im Direktvergleich mit der Romanvorlage muss sich der Comic geschlagen geben. Die Komplexität der von Zahn ersonnenen Geschichte ist in einem 570-Seiten-Buch einfach noch besser aufgehoben.

Star Wars Comic-Kollektion 54: Das letzte Kommando
Comic
Mike Baron, Edvin Biukovic, Eric Shanower
Panini Comics 2018
ISBN: 978-3-7416-0905-3
146 S., Hardcover, deutsch
Preis: EUR 13,99

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