Star Wars Comic-Kollektion 49: Infinities: Eine neue Hoffnung

Was wäre wenn ... eine Frage, die man sich gerne bei Filmen, Comics oder Büchern stellt. Bei „Buffy– The Vampire Slayer“ gab es einst sogar eine Folge dieses Namens. Und so haben sich die Autoren bei den „Star Wars“-Comics auch Gedanken gemacht, wie die ursprünglichen „Star Wars“-Handlungen gelaufen wären, wenn sich ein Detail geändert hätte. Das Detail ist in diesem Fall etwas größer, denn der Todesstern wird leider nicht zerstört, da Lukes Torpedo nicht trifft.

von Ansgar Imme

Neben der Einführung neuer Protagonisten und Gegner sowie eigenen Handlungssträngen innerhalb der Comics kam der Dark Horse Verlag auf die Idee, eine alternative Story zu „Star Wars IV: Eine neue Hoffnung“ zu veröffentlichen. Diese „What if ...“-Geschichten („Was wäre wenn“) sind bei amerikanischen und deutschen Fans sehr beliebt. So ließen es sich die offiziellen Autoren nicht nehmen, eine Comic-Variante zum ersten ursprünglichen „Star Wars“-Film zu schaffen. Diese nimmt im Band etwa sechzig Prozent des Platzes ein und führt zu einer Handlung, die letztlich „Das Imperium schlägt zurück“ sowie „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ überflüssig werden lässt. In der zweiten Geschichte erlebt man die Rebellion und „Eine neue Hoffnung“ in einer sehr humorvollen Beschreibung aus der Sicht der beiden Rebellen-Offiziere Tag und Bink und wie sie die Geschichte um die Zerstörung des Todessterns sowie in der Wolkenstadt bei Lando beeinflusst haben.

Die erste Geschichte beginnt erst mit dem Angriff der Rebellen auf den Todesstern. Alles was davor geschah, bleibt unverändert. Doch der Angriff scheitert, da Lukes Torpedo vor dem Eindringen in den bekannten Schacht explodiert. Ab hier entwickelt sich die Handlung anders, denn das machtvolle Instrument des Imperators kann weiterhin genutzt werden. Leia gerät zudem erneut in die Hände des Imperiums und muss dem Imperator gegenüber treten. Ihr Schicksal lässt sie auf Coruscant verbleiben und eine andere Seite von sich kennenlernen. Luke reist dagegen nach Dagobah und lässt sich von Meister Yoda ausbilden. Zusammen mit Han und Chewie treffen sie Leia schließlich auf Coruscant wieder, wo sich Luke der Dunklen Seite der Macht stellen muss. Doch auch Meister Yoda lässt sich einen Besuch der Hauptstadt des Imperiums nicht nehmen und trifft einen Bekannten wieder, der in dieser Zeitlinie überlebt hat. Das Ende bringt schließlich ein großes Aufeinandertreffen mit sich ...

Die zweite Geschichte handelt von den beiden Rebellen-Offizieren Tag und Bink, die beim Angriff von Vader auf das Konsiliarschiff Prinzessin Leias in die Ereignisse aus „Eine neue Hoffnung“ und später „Das Imperiums schlägt zurück“ verwickelt werden. In sehr humorvoller Weise werden die beiden in einzelnen Episoden verwickelt und treffen auf die „prominenten“ Protagonisten wie C-3PO, Darth Vader, Boba Fett oder Lando Calrissian. Dabei stören Tag und Bink die Pläne des Imperiums nachhaltig, bringen aber auch die Rebellenpläne immer wieder durcheinander und vor allem sich selbst ständig in Gefahr.

Beide Geschichten bilden zwar keinen echten Beitrag zur fortlaufenden „Star Wars“-Historie, da sie stattdessen Alternativhandlungen entwerfen. Trotzdem entwickeln beide ihren Reiz durch die abgewandelte Entwicklung der Story. Während die Hauptgeschichte ernst und zum Teil durchaus düstere Passagen aufweist, beruht der zweite Teil um Tag und Bink auf viel Humor und Witz. Dabei ist die Hauptgeschichte in ihrem Ablauf nicht abwegig und könnte in der Tat so verlaufen sein, wenn Lukes Torpedo nicht getroffen hätte. Teile sind durchaus der bekannten Handlung ähnlich, aber vor allem zum Ende ergibt sich ein ganz anderer Verlauf. Dabei machen auch manche der Figuren eine vollkommen andere Entwicklung durch. Vor allem Leia und Yoda, aber in einer Nebenrolle auch C-3PO bekommen interessante Storylines zugewiesen. Die Geschichte macht anfangs keine so überraschenden Entwicklungen und wirkt uninspiriert. Dazu fehlt einfach ein wenig Spannung. Erst später nutzen die Autoren die Freiheiten stärker aus, wobei vor allem das Ende einen richtigen Knall bringt.

Im zweiten Part wird die Freiheit hingegen umfassend und exzellent genutzt. Der Autor Kevin Rubio baut die beiden Rebellen-Offiziere elegant in die bekannte Handlung ein, ohne dass diese verändert wird. Denn auch alle Aufeinandertreffen mit den bekannten Figuren passieren abseits der offiziellen Handlung. Es gibt eine gute Mischung aus Action- und Dialogszenen, wobei selbst in den flotteren Szenen oft ein passender Spruch nicht fehlen darf. Die Actionszenen wirken zwar vom Zeichenstil eher wenig dynamisch, was vom Stil aber gut passt, da weniger auf Action und viel mehr auf die lustigen Dialoge Wert gelegt wird. Wenn man sich darauf einlässt, dass es eben nicht ernst zur Sache geht, hat man viele tolle Momente dabei.

Vom Zeichenstil wissen beide Geschichten nur teils zu überzeugen. Während die Farbgebung, Helligkeit und Schatten sowie Details durchaus gut gelungen sind, sind die Gesichter der verschiedenen Protagonisten vor allem bei den Menschen schlecht getroffen und weisen wenig Ähnlichkeit mit den Originalen auf. Ob Leia, Luke oder Han – man kann sie vor allem an der Kleidung erkennen.

Fazit: Vor allem die zweite Geschichte vermag durch Witz und eine intelligent eingefügte Handlung zu überzeugen. Die erste und größere Story im Band fängt etwas langsam an, bietet aber ein durchaus überraschendes Finale. Wenn man sich auf diese Art von Alternativgeschichten einlassen mag, bekommt man insgesamt gute Unterhaltung.

Star Wars Comics 49: Infinities: Eine neue Hoffnung
Comic
Chris Warner, Al Rio, Drew Johnson u.a.
Panini Comics 2018
ISBN: 3741605662
148 S., Hardcover, deutsch
Preis: EUR 13,99

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