Star Wars Comic-Kollektion 47: Die dunkle Seite der Macht

Darth Vader und der Imperator sind tot, doch die Gefahr für die junge Neue Republik ist noch nicht vorbei. Großadmiral Thrawn, einer der letzten Heerführer des Imperators, hat die Reste der ehemaligen Flotte unter sich vereint und bereitet die Vernichtung seiner Feinde vor. Darüber hinaus hat Thrawn einen gefährlichen Verbündeten: Meister C'baoth, einen verbitterten, dunklen Jedi, der mit Luke Skywalker und seine Schwester Leia eine Tyrannei der Jedi errichten will.

von Frank Stein

Der 47. Band der „Star Wars Comic-Kollektion“ bringt uns die Comic-Adaption des zweiten Teils von Timothy Zahns in den 90ern höchst  erfolgreicher „Thrawn“-Roman-Trilogie. (Die Comic-Adaption von Band 1 findet sich in Ausgabe 44, die von Band 3 in Ausgabe 54.) Die Comics erschienen in den USA ursprünglich als sechs Hefte zwischen Mai und Oktober 1997, in Deutschland kamen sie 1997/98 als 3-Heft-Sammelausgaben bei Feest Comics und 2009 als kompletter Sammelband im Rahmen der „Star Wars Essentials“-Reihe bei Panini Comics heraus.

Der unter dem „Legenden“-Label laufende Prä-Disney-Comic kommt in typischer Aufmachung daher: als Hardcover, mit kurzer Einordnung in den Kontext der Saga und einer erfreulich kompletten Bildergalerie am Schluss. Diese Bildergalerie möchte ich echt nicht missen, denn die Cover in den 90ern boten echt häufig eine kinoreife Optik. Einen Fehler leistet sich allerdings die Einführung (und auch der Comic später). Der Jedi-Meister wird Jorus C'baoth genannt. Er heißt allerdings richtig Joruus. Ganz wichtiges Detail, zumindest war das in den Romanen so. (In den Comics, so konnte ich im Internet nachlesen, wird es wohl tatsächlich komplett unterschlagen, was ein Skandal ist, denn es ändert die Figur des dunklen Jedi fundamental. Aber dafür kann Panini nichts, das hat Autor Mike Baron zu verantworten.)

Danach stürzt uns der Comic gleich mitten ins Abenteuer. Der MacGuffin des auf 162 Seiten geschilderten Zwists zwischen dem blauhäutigen Großadmiral Thrawn und den Helden der Neuen Republik ist die so genannte Katana-Flotte, eine Armada von Dreadnaughts, die zehn Jahre vor den Klonkriegen während des Test eines neuartigen Autopilotensystems einfach so im Hyperraum verschwand. (Der Arbeitsvertrag der Entwickler wurde nicht verlängert.) Wer diese 200 Schiffe, auch genannt die Dunkle Macht – der deutsche Titel ist hier fehlerhaft, im Englischen heißt der Band „Dark Force Rising“ –, als erster findet, könnte den entscheidenden Trumpf in dem brodelnden Konflikt in den Händen halten. Kaum verwunderlich kommt es daher zu einem Wettrennen zwischen Thrawn und der Neuen Republik, wobei auch noch der alte Schurke Talon Karrde samt seiner geschmeidigen Mitarbeiterin Mara Jade seine Finger im Spiel hat.

Auch an den persönlichen Fronten tut sich einiges. Luke versucht mehr über den seltsamen Jedi-Meister C'baoth herauszufinden. Leia möchte unterdessen die vom Imperium missbrauchten Noghri auf ihre Seite ziehen – ein riskantes Unterfangen, stand sie doch auf Geheiß von Thrawn bis vor Kurzem noch auf der Abschussliste der grauhäutigen Jägerspezies. Han und Lando schließlich machen sich auf, um Licht ins Dunkel der Vergangenheit des bothanischen Ratsmitgliedes und Unruhestifters Borsk Fey'lya zu bringen. Denn es stellt sich die Frage: Ist dieser nur zum Spaß so ein Mistkerl oder arbeitet er vielleicht für die Gegenseite? Dabei treffen die beiden auf den ehemaligen corellianischen Senator Garm Bel Iblis, der im Anschluss an die „Thrawn“-Tilogie zu einer bedeutenden Figur des alten Expanded Universe werden sollte – und auch was zur Katana-Flotte zu sagen hat.

Die Illustrationen stammen diesmal aus der Feder von Terry Dodson und gefallen durch ihren realistischeren Look. Im Gegensatz zum ersten Band der Trilogie, der die Figuren sehr abstrahiert darbot, sodass man sie losgelöst von der Handlung kaum erkannt hätte, werden hier gelungene Porträts der bekannten Helden und Schurken präsentiert, sodass dieser Comic optisch nochmal eine Verbesserung zum Vorgänger darstellt.

Wenn man der Geschichte etwas vorwerfen will, dann bleibt nur anzuführen, dass hier eine sehr komplexe Handlung auf vergleichsweise wenig Raum erzählt werden muss. Wie schon im ersten Roman neigte Zahn auch im zweiten dazu, viele Dinge gleichzeitig beziehungsweise nebeneinander her passieren zu lassen. Außerdem sind seine Helden ständig unterwegs, springen von Planeten zu Planeten, von abenteuerlicher Episode zu abenteuerlicher Episode. Das hat im zwangsläufig verkürzenden Comic zur Folge, dass alles sehr hektisch wird. Man muss sehr genau aufpassen, worum es in den manchmal nur zwei Seiten langen Szenen gerade geht, ansonsten verliert man den Überblick über die Handlung. Glücklich der, der den Roman zuvor gelesen hat.

Fazit: Wie schon sein Vorgängerband, ist „Die dunkle Seite der Macht“ nicht nur als Roman ein Klassiker der „Star Wars“-Literatur, sondern auch als Comic ein wirklich lesenswertes, wenn auch etwas anstrengendes Vergnügen. Die Story ist stellenweise sehr dicht gepackt, was ein genaues Lesen erfordert. Dafür passiert einfach eine Menge. Und die stimmungsvollen Illustrationen erfreuen das Herz des Fans. Ein Leckerbissen für alle Nostalgiker unter uns, denen das Expanded Universe am Besten gefiel, als es noch offen für galaxisverändernde Geschichten war – und für Einsteiger in die Materie ein kleines Stück Geschichtsunterricht in Sachen „Star Wars“.

Star Wars Comic-Kollektion 47: Die dunkle Seite der Macht
Comic
Mike Baron, Terry Dodson, Kevin Nowlan
Panini Comics 2018
ISBN: 978-3-7416-0564-2
162 S., Hardcover, deutsch
Preis: EUR 13,99

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