Star Wars Comic-Kollektion 40: Schatten des Imperiums

Die 1990er Jahre waren für „Star Wars“-Fans eine Zeit des Staunens und des Aufbruchs. Zwischen 1991 und 1993 schlug Timothy Zahn mit seiner „Thrawn“-Trilogie ein neues Kapitel der Saga auf. Zur gleichen Zeit verführte Dark Horse Comics in „Dark Empire“ Luke zur Dunklen Seite der Macht. Und LucasArt schickte uns 1993 mit „X-Wing“ und ein Jahr später mit „Tie-Fighter“ auf spektakuläre Weise hinaus ins All. Der einstweilige Höhepunkt dann 1996: „Shadows of the Empire“, eine multimediale neue „Star Wars“-Episode – bloß ohne Film. Dafür mit Comic.

von Frank Stein

Das war schon ein verrücktes Projekt, was Lucasfilm da 1996 an den Start brachte. „Schatten des Imperiums“ (wie „Shadows of the Empire“ auf Deutsch folgerichtig hieß) sollte die Brücke zwischen „Das Imperium schlägt zurück“ und „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ schlagen und erzählen, was in dem Jahr passierte, das zwischen dem Debakel in der Wolkenstadt und dem erneuten Zusammentreffen aller Helden in Jabbas Palast auf Tatooine lag. „Episode 5 1/2“ wurde dabei richtig groß aufgezogen. Das Herzstück bildete der Roman von Steve Perry. Flankiert wurde er unter anderem von einem Videospiel und dem vorliegenden Comic-Sechsteiler, von Actionfiguren und einem Rollenspiel-Sourcebook sowie von den typischen Begleitprodukten eines Blockbuster-Films, nämlich einem Soundtrack und einem Making-of-Buch. Etwas in der Art hatte es noch nie gegeben – und das Projekt schlug im Fandom ein wie eine Bombe.

Die Handlung von „Schatten des Imperiums“ wird dabei vor allem in den drei Medien Buch, Videospiel und Comic erzählt. Generell geht es um zwei parallel verlaufende Erzählstränge. Auf der einen Seite stehen Luke Skywalker, Leia Organa, Chewbacca und Lando Calrissian, der zudem seinen Schmugglerkumpel Dash Rendar ins Spiel bringt. Gemeinsam versuchen sie, den in Karbonit eingefrorenen Han Solo zu retten. Auf der anderen verstrickt sich Darth Vader in Intrigen gegen den Prinzen des Verbrecherkartells der Schwarzen Sonne, Xizor, der ihm seinen Platz an der Seite des Imperators streitig macht. Spielball dieser Intrigen wird Luke Skywalker, den Vader für seine Zwecke nutzen will, während Xizor auf seinen Tod aus ist, um Vader zu ärgern. Während von Dash Rendar vor allem seine dicken Schulterpolster in Erinnerung blieben (er war als Typ Han Solo einfach irgendwie zu ähnlich), wurden gerade mit der Schwarzen Sonne und Xizor eine Organisation und eine Figur – beziehungsweise mit den Falleen eine Spezies – geschaffen, die noch bis heute im Kanon der Saga nachwirken.

Der Comic adaptiert im Prinzip die Geschichte des Romans, setzt aber – genau wie das Videospiel – einen anderen Fokus. Während man im Videospiel „Schatten des Imperiums“ als Dash Rendar die Handlung in eine Serie von Actionsmissionen aufgeteilt nacherlebt, legt die Comic-Reihe, die hier als 162-seitiger Hardcover-Sammelband vorliegt, einen Schwerpunkt auf Boba Fett und den Ärger, den er mit dem eingefrorenen Han Solo hat. Denn Solo ist eine Beute, die eine Menge Geld wert ist, und eine ganze Reihe Kopfgeldjäger würden sich die gern unter den Nagel reißen und selbst an Jabba verschachern.

Es passiert eine Menge in dem Comic, was zu einer mitunter gehetzten Erzählweise durch John Wagner führt. Mal ist der Leser bei den Rebellen, dann springt die Geschichte zu Xizor und dem Imperator auf Coruscant, Vader ist mit der Executor unterwegs, Boba Fett flieht vor seinen Konkurrenten – u.a. IG-88, Bossk, 4-LOM und Zuckuss – und Vaders Agent Wrenga Jixton schleicht sich auf Tatooine bei der Swoop-Gang von Big Jizz ein (der später noch in „Clone Wars“-Kinderbüchern zu spätem Ruhm kommen sollte), um zu verhindern, dass der Biker Luke in seinem zeitweiligen Versteck auf Tatooine aufspürt und umbringt. Diese Fülle an Material, die durch den Boba-Fett-Erzählstrang noch über den Roman hinausgeht, hat zur Folge, dass viele Momente zu schnell vorbei sind und eine gewisse Oberflächlichkeit haben. Ich bin mit „Shadows of the Empire“ aufgewachsen, kenne den Roman und das Videospiel. Daher kann ich die Lücken füllen, die der Comic stellenweise lässt. Ob das einem jungen Leser genauso gelingt, ist nicht ganz leicht zu beantworten.

Visuell bewegt sich der Comic leider auf einem höchstens mittelmäßigen Niveau. Raumschiffe treffen Kilian Plunkett und John Nadeau ganz gut, aber die Figuren, wenngleich man sie erkennen kann, sehen nicht besonders hübsch aus. Bei Droiden, Aliens und Gepanzerten wie C-3PO, Chewbacca oder Boba Fett fällt das noch nicht so ins Gewicht. Die sind durchaus ansehnlich. Doch Luke, Leia oder Lando haben oft ziemlich verzogene Gesichter. Auf einem ganz anderen Level bewegen sich die Cover von Hugh Fleming, die hinten in einer Covergalerie erfreulicherweise komplett dargeboten werden. Hier haben wir feinste Kinoplakatqualität vor uns.

Neben den Covern bietet die Comic-Kollektion das typische Bonusmaterial. Zu Beginn steht eine Einordnung des Comics von Marco Ricompensa. Am Ende folgt ein einseitiger Artikel von Angelo Ricata zu den verbesserten Szenen der „Star Wars Special Edition“, hier speziell von „Eine neue Hoffnung“. Wie so oft bleibt der Artikel aus Platzgründen aber sehr kursorisch.

Fazit: „Schatten des Imperiums“, obwohl heute nicht mehr kanonisch, sondern dem „Legends“-Bereich von „Star Wars“ zugeordnet, gehört zweifellos zu den ganz großen Kapiteln der Saga. Der Comic liest sich flott runter, ist aber doch spürbar ein Begleitwerk zum Roman, denn er verkürzt zwangsläufig die dortige Handlung. Dafür richtet er den Blick zusätzlich auf die Leiden des Boba Fett mit seiner Beute Han Solo. Für sich genommen würde ich das Werk nur bedingt empfehlen. Wer sich allerdings zuvor den Roman von Steve Perry gegönnt hat, wird hier ein paar schöne Ergänzungen zur Handlung vorfinden.

Star Wars Comic Kollektion 40: Schatten des Imperiums
Comic
John Wagner, Kilian Plunkett, John Nadeau
Panini Comic 2018
ISBN: 978-3-7416-0557-4
162 S., Hardcover, deutsch
Preis: EUR 13,99

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