Star Wars Comic-Kollektion 35: Crimson Empire II: Das Blutsgericht

Kir Kanos, ehemaliger Ehrengardist aus der Leibwache des Imperators, hat Rache geschworen. Nachdem er seinen ehemaligen Kameraden Carnor Jax, der die Macht nach dem Tode des Imperators an sich gerissen hatte, getötet hat, ist das Imperium nun ohne Führung. Ein provisorischer Rat soll zunächst einspringen. Doch es gibt Streit unter den Ratsmitgliedern. Und als eine Mordserie unter diesen beginnt, fällt der Verdacht auch hier auf Kir Kanos. Wer kann ihn stoppen?

von Ansgar Imme

Mit der Übernahme durch Disney und die neuen „Star Wars“-Filme sind die bisherigen Bücher und Comics als Teil des „Erweiterten Universums“ (Expanded Universe) zwar in den Bereich der „Legenden“ (Legends) verschoben worden und damit nicht mehr Teil des offiziellen „Star Wars“-Kanons, aber trotzdem erscheinen weiterhin regelmäßig Reprint-Comics aus der früheren Zeit, die von der Leserschaft gut angenommen werden.

Die Handlung des vorliegenden Bandes spielt nach „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“. Nachdem Carnox Jax im ersten Teil durch Kir Kanos zur Strecke gebracht wurde (die Handlung des vorhergehendes Bandes ist hilfreich, aber nicht notwendig zum Verständnis dieses Bandes), will Letzter nun den provisorischen imperialen Rat stürzen. Die Geschichte spielt dabei auf mehreren Ebenen.

Einerseits erfährt man von den Plänen Grappa des Hutten, welcher Beziehungen zum Verbecher-Syndikat „Die Schwarze Sonne“ pflegt und seine Piraten und Kopfgeldjäger Jagd auf Schiffe machen lässt. Doch er hat Probleme mit einem kleinen, unbestechlichen Zollbeamten. Wie gut, dass ein Fremder ankommt, der für Geld alles tut. Doch Grappas Versuche, herauszufinden, wer der Fremde ist, werden durch diesen immer wieder vereitelt. Gleichzeitig kommt eine Offizierin der Neuen Republik an Grappas Hof – Mirith Sinn. Sie half einst Kanos, doch jagt ihn jetzt, da er einen Freund von ihr tötete. An Grappas Hof erhofft sie sich Hinweise auf Kanos? Aufenthaltsort. Doch als sie sich dort genauer umsieht, bekommt sie noch ganz andere Informationen, die Grappa als viel gefährlicher erscheinen lassen, als sie vorher dachte.

Im provisorischen Rat des Imperiums werden unterdessen Pläne geschmiedet, wie man die Rebellion besiegen kann.  Intrigen und Misstrauen untereinander erschweren allerdings ein Vorankommen. Als es zum Mord am Vorsitzenden kommt, ernennt man mit dem Bürokraten Xandel Carivus einen vermeintlichen Strohmann als neuen Ratsvorsitzenden. Doch dieser schmiedet insgeheim andere Pläne und hat einen düsteren Verbündeten. Als weitere Mitglieder des Rates sterben und man einen Hinweis auf die imperiale Garde findet, ist allen klar, dass Kir Kanos zurückgekehrt ist, um auch an den Ratsmitgliedern Rache zu nehmen.

Grappas gefährliche Pläne haben auch die mysteriöse Rasse der Zannibar auf den Plan gerufen. Die Geschäfte mit ihnen verlaufen für beide Seiten jedoch nicht zur Zufriedenheit. Mit den Zannibar geraten schließlich auch Mirith Sinn und Kir Kanos in Kontakt. Hilfe ist nötig, und Kir Kanos hat unerwartete Verbündete gewonnen. Doch können Mirith und er Grappas Geheimnis rechtzeitig zum imperialen Rat bringen, ehe es zu spät ist?

Bei diesem Comic merkt man, dass er schon etwas älter ist. Das ist gar nicht negativ gemeint. Mit einem Erscheinungsdatum von 1998/1999 liegt die Veröffentlichung noch vor den Prequel-Filmen um die Entwicklung von Anakin zu Darth Vader. Da nur die drei Ursprungsfilme als offizielle Quelle vorlagen und Lucasfilm noch recht freie Hand ließ, konnte man bei der Story mit viel Fantasie mehrere spannende Handlungsstränge konstruieren. Da es sich auch nicht um eine der bekannten Figuren der Filme handelt, kann man sich bei keinem der Protagonisten sicher sein, was sein Schicksal ist und ob dieser überlebt. Es ergibt sich eine hohe erzählerische Dichte, Spannung, Nervenkitzel, aber es finden sich trotzdem an wenigen Stellen auch Szenen zum Schmunzeln. Durch Schnitte und Sprünge zu anderen Handlungsfäden ergeben sich zudem mehrfach dramatische Cliffhanger, die erst später wieder aufgelöst werden.

Viele der Figuren finden sich in einem grauen Spektrum wieder, sind also weder wirklich böse noch strahlend gut. Die Motive sind fast immer nachvollziehbar, auch wenn sie natürlich deswegen nicht richtig sein müssen. Einzig der Verbündete von Xandel Carivus bleibt im wahrsten Sinne im Dunkeln, sodass man nicht erkennen kann, was er eigentlich bezweckt und wer auch dahinter steckt. Aber dies wird vielleicht im Folgeband „Crimson Empire III“ aufgelöst.

Die Illustrationen sind sehr gut gelungen, sowohl was die Farbgebung in helle und dunkle Töne wie auch die verschiedenen Farbe betrifft, aber auch was Details im Hintergrund oder Genauigkeit im Vordergrund angeht. Toll sind dabei auch Szenen sowohl aus der Entfernung als Übersichtsszenen bis zu sehr nahen Betrachtungen wie mit einem Zoom-Objektiv. Das schafft verschiedene Perspektiven, die unterschiedliche Betrachtungen der Handlungen ermöglichen und sich einem Film etwas annähern. Sowohl die Raumschiffe, die Umgebung als auch Figuren sind gut getroffen, wobei Nicht-Menschen und Droiden gefühlt noch etwas besser dargestellt werden als die Menschen, deren Gesichter teils etwas mimiklos sind (das betrifft vor allem Szenen im Rat des Imperiums).

Fazit: Als Leser bekommt man einen rundum gelungenen Comic, der eine abwechslungsreiche Handlung mit tollen Bildern kombiniert. Sowohl die unbekannten, aber interessanten Figuren mit ihren Motiven als auch die spannende Geschichte bieten einen großartigen Ausschnitt aus dem „Star Wars“-Universum, welcher ohne bekannte Figuren auskommt und nur durch die neuen Protagonsten die Handlung trägt. Wer also nicht nur auf Leia, Luke und Han setzt, sollte unbedingt einen Blick in diesen Band (und vielleicht auch seinen Vorgänger) werfen.

Star Wars Comic-Kollektion 35: Crimson Empire II: Das Blutsgericht
Comic
Mike Richardson, Randy Stradley, Randy Emberlin, Paul Gulacy
Panini Comic 2018
ISBN: 3741604429
156 S., Hardcover, deutsch
Preis: EUR 13,99

bei amazon.de bestellen