Star Wars Comic-Kollektion 26: Darth Vader und der neunte Attentäter

Darth Vader gilt als die perfekte Kampfmaschine, ein Mann, dem mit herkömmlichen Mitteln nicht beizukommen ist. Wer sich an ihm für ein selbst empfundenes Unrecht rächen will, braucht enorme Fähigkeiten – oder jemanden, der über enorme Fähigkeiten gebietet. Acht Attentäter hat ein zorniger Bergbau-Magnat dem Dunklen Lord bereits erfolglos nachgehetzt. Doch der neunte ist eine Legende …

von Frank Stein

Band 26 der „Star Wars Comic-Kollektion“ umfasst 6 Einzelhefte; zum einen den Fünfteiler „Darth Vader und der neunte Attentäter“, zum anderen den One-Shot „Imperium: Vader im Visier“. „Darth Vader und der neunte Attentäter“ ist im englischen Original als „Darth Vader and the Ninth Assassin“ erstmals zwischen April und August 2013 erschienen und gehört damit zu den letzten Comic-Werken, die bei Dark Horse Comics zum alten Expanded Universe erschienen sind. Auf Deutsch kam der Comic in der fortlaufenden Heftreihe der „Star Wars“-Comics bei Panini heraus und zwar in den Ausgaben #109 bis #111 zwischen November 2013 und Februar 2014. „Imperium: Vader im Visier“ ist deutlich älter. Im Original erschien der One-Shot als „Empire: Target: Vader“ im Mai 2004, auf Deutsch in „Star Wars #47“ im November 2004.

„Darth Vader und der neunte Attentäter“, geschrieben von Tim Siedell, erzählt eine sehr düstere Geschichte. Ein skrupelloser Bergbau-Magnat wird vom neu ausgerufenen Imperium gezwungen, in unvorteilhafte Verhandlungen mit ungeliebten Geschäftspartnern zu treten. Vader überwacht diese. Der brutale Sohn des Magnaten greift einen der Gegner mit der Waffe an – und wird von Vader getötet. (Eines der wenigen Opfer des Dunklen Lords, mit denen man kein Mitleid hat.) Vom Hass zerfressen schickt der Industrielle Vader einen Attentäter nach dem nächsten auf den Hals. Dabei ist er bereit, jeden Preis zu zahlen, wie der Leser mit leichtem Unbehagen feststellen muss. Vor allem der neunte Attentäter hat da seine ganz eigenen Vorstellungen.

Vader ahnt von all dem zunächst nichts. Stattdessen vereitelt er knapp einen Anschlag auf das Leben von Imperator Palpatine und gerät dann bei seinen Nachforschungen an Anhänger eines uralten, mächtigen Kults. Er folgt den Spuren zu einem abgelegenen Mond. Dort erwarten ihn nicht nur tödliche Gefahren, sondern auch ein irritierendes Geheimnis. Und natürlich … der neunte Attentäter.

Düsternis wird in dieser Story groß geschrieben. Neben einem fanatischen Industriellen, einem unmenschlichen Attentäter und missgestalteten, wahnsinnigen Kultanhängern wirkt der Dunkle Lord fast schon wie die Verkörperung von Vernunft und Ordnung. Fast. Jedenfalls gelingt es dem Autor geschickt, dafür zu sorgen, dass man als Leser mit Vader mitfiebert, obwohl er eigentlich als praktisch unantastbar gilt. Dass dabei seine Feinde und auch der Schauplatz namenlos bleiben, passt zu dieser Rachestory, denn obwohl völlig staubfrei, weht ein Hauch von Spaghetti-Western durch die Seiten.

Die Illustrationen von Iván Fernández und Stephen Thompson unterstützen die Atmosphäre sehr gut. Detailreich werden hässliche Fratzen böser Männer und tierischer Ungeheuer dargeboten, große Panels verstärken emotionale Effekte. Die Panelstruktur ist mal sehr gradlinig (mit weißen Zwischenräumen), dann wird stark verschachtelt. Möglicherweise spiegelt sich hier die Vorliebe der beiden Zeichner wider. Beim Lesen stört dieser Wechsel jedoch nicht. Zu sehr wird man durch die Handlung gezogen.

Der One-Shot „Imperium: Vader im Visier“ wurde von Ron Marz geschrieben und in großartigen Bildern von Brian Ching gezeichnet sowie von Brad Anderson koloriert. Die Handlung ist eine schlichte Momentaufnahme. Vader besucht den Informationshändler Jib Kopatha in seinem Asteroidenversteck, weil dessen Loyalität in letzter Zeit zu wünschen übrig lässt. Diese Gelegenheit wollen ein paar zornige Falleen, die sich nach Rache für tausende von Vader ermordete Mit-Falleen sehnen, nicht ungenutzt verstreichen lassen. Wie das ausgeht, kann man sich denken. Als Einzelstory, die in der zweiten Hälfte sehr viel Platz dem Kampf widmet, ist das kaum genug für den metaphorischen hohlen Zahn. Als B-Story kann man es mitnehmen und erfreut sich an den schönen Zeichnungen.

Die Ausstattung des Comic-Bandes entspricht dem Üblichen bei den frühen Ausgaben der „Comic-Kollektion“. Eine Einleitung und ein Informationsüberblick führen in die Handlung ein, ein einseitiger Artikel zur Evolution digitaler Charaktere in „Die dunkle Bedrohung“ sowie eine unvollständige Covergalerie (die zwei fehlenden Cover sind auf dem Titelbild und neben der Introseite zu sehen) bilden das Bonusmaterial.

Fazit: Wer die düstere Seite von „Star Wars“ mag, kommt bei diesem Comic voll auf seine Kosten. Einmal mehr steht Darth Vader im Fokus und er ist umgeben von Fanatikern, Killern und Kultisten. Das ist keine Familienunterhaltung, sondern richtet sich an Fans von alten EU-Werken wie „Der Todeskreuzer“ oder „In Eisen“. Als Teil der „Legends“ ist auch dieser Comic heutzutage natürlich nicht mehr Kanon, aber er könnte es sein, denn meines Erachtens kommt nichts darin vor, was aktuellen Entwicklungen widerspricht. Kaufempfehlung für alle, denen manche Young-Adult-Romane heutzutage zu wenig „Wars“ in „Star Wars“ bieten.

Star Wars Comic-Kollektion 26: Darth Vader und der neunte Attentäter
Comic
Tim Siedell, Ron Marz, Brian Ching u.a.
Panini Comics 2017
ISBN: 978-3-7416-0433-1
146 S., Hardcover, deutsch
Preis: EUR 1,99

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