Star Wars Comic-Kollektion 23: General Grievous

Er gilt als Proto-Darth-Vader der Prequel-Zeit: der röchelnde, Lichtschwerter schwingende, von einem langen Mantel umwallte Cyborg-General Grievous, ein Mann, der mehr Maschine als Mensch ist und den bloß noch ein paar letzte biologische Organreste von den Droiden unterscheiden, die er anführt. In der 23. Ausgabe der „Comic-Kollektion“ steht er im Fokus.

von Kurt Wagner

Hardcover, 146 Seiten, mit einer Einleitung, die die gebotene Story in den Kontext der Saga einordnet, einem sehr kurzen Bonusartikel zur Premiere von „Episode I“ sowie einer unvollständigen Cover-Galerie am Schluss. Auch der 23. Band der „Comic-Kollektion“ entspricht im Guten wie im Schlechten in jeder Hinsicht den anderen Bänden der Reihe.

Inhaltlich wird diesmal kein Einzelcomic geboten, sondern ein auf ca. 130 Comic-Seiten verteilter Kessel Buntes. Dabei liegt der Schwerpunkt zugegeben klar auf dem Vierteiler „General Grievous“, der erstmals zwischen März und August 2005 in den USA in Heftform publiziert wurde. In Deutschland wurden wie fast immer jeweils zwei Hefte zusammengefasst und in diesem Fall als „Specials“ zum Film „Episode III: Die Rache der Sith“ zeitnah im Mai und August herausgebracht.

Die Geschichte beginnt mit einer Rettungsmission der Jedi auf dem Planeten Vandor, die schwere Verluste zur Folge hat, weil es sich um eine Fall des berüchtigten General Grievous handelte. Der agiert seit Neustem als Jedi-Killer für die Separatisten und hat so das Gleichgewicht der Kräfte während der Klonkriege schon mehrfach erschüttert. Einige zornige junge Jedi wollen den Cyborg endlich aufhalten und begeben sich daher auf eine Tötungsmission, die sie gefährlich weit von den Prinzipien des Ordens wegführt. Auf Gentes im Anoat-System, der umkämpften Heimatwelt der schweinegesichtigen Ugnaughts (wir kennen sie als Minenarbeiter auf Bespin aus „Das Imperium schlägt zurück“) – beziehungsweise auf dessen Mond Belsus – kommt es zur Konfrontation. Und mittendrin findet sich auch noch eine Gruppe entführter Padawan-Schüler wieder.

Actionreich und ohne große Durchhänger erzählt, zeigt die Geschichte aus der Feder von Chuck Dixon schön die Skrupellosigkeit und Hinterhältigkeit des Cyborg-Generals, der vor nichts zurückschreckt, um so viele Jedi wie möglich zu töten. Für die Mission seiner jungen Gegenspieler hat man als Leser tatsächlich mehr Verständnis als der Jedi-Rat es aufbringt. Dass diese scheitern muss, liegt leider in der Natur der Sache, schließlich taucht Grievous ja noch in „Episode III“ auf. Insofern entsteht die Spannung weniger aus der Frage, ob die Jedi-Renegaten Erfolg haben, als daraus, unter welchem Umständen sie versagen.

Der Zeichenstil von Rick Leonardi ist Massenware. Hier und da gelingen mal sehr schöne, atmosphärische Panels, gerade im Inferno auf Gentes. Auch die Action gegen Ende ist gut inszeniert. Aber sowohl Figuren als auch Hintergründe bleiben eher grob und bekannte Figuren wie Mace Windu sehen ziemlich hässlich aus.

Es folgt der One-Shot „Blutige Fronten“ von John Ostrander, der als Ausgabe 64 der  „Star Wars Republic“-Reihe in den USA im April 2004 erstmals erschienen ist und auf Deutsch bereits im Rahmen von drei Klonkriegs-Sammelbänden (2004, 2006 und 2009) veröffentlicht wurde. An dieser Stelle verlässt der Comic-Band General Grievous und wendet sich stattdessen den Intrigen von Kanzler Palpatine zu. Hier geht es um den Jedi Ronhar Kim, der mit einem cleveren Plan den Sith enttarnen will, der sich in den Reihen des Senats verstecken soll. Als er seinen alten Freund Palpatine von dem Plan unterrichtet, ist der natürlich alles andere als begeistert. Doch die gemeinsame Geschichte von Kim und Palpatine reicht noch viel weiter zurück.

Der Comic erzählt seine Handlung in immer weiter zurückreichenden Rückblenden, manche davon Erinnerungen, andere tatsächliche Zeitsprünge. Diese Erzählstruktur ist höchst reizvoll und wird von Ostrander klug genutzt, um zu zeigen, wie weit die Intrigen des späteren Imperators zurückreichen und wie langfristig er Dinge plant. Wie eine Spinne webt Palpatine sein Netz, in dem sich seine Opfer verfangen, um von ihm fortan im Leben wie im Tod manipuliert zu werden.

Auch visuell weiß dieser Part des Sammelbandes zu überzeugen. Brandon Badeaux trifft die zentralen Figuren aus jeder Perspektive sehr gut, auch wenn man bei den kleinen, oft vollen Panels manchmal genau hinschauen muss, um alles zu erkennen, was dort gezeigt wird.

Den Abschluss bildet „Kampf ums Überleben“, ebenfalls vom Team Ostrander und Badeaux und ebenfalls ein One-Shot, der als „Star Wars Republic Nr. 61“ im Februar 2004 in den USA erschien und in Deutschland immer in direkter Nachbarschaft zu „Blutige Fronten“ veröffentlicht wurde (also auch bereits drei Mal). In dieser Geschichte versucht Senator Bail Organa von Alderaan vergeblich, zu verhindern, dass Kanzler Palpatine immer mehr Macht erhält. Als ihn der ehemalige Kanzler Finis Valorum vor Palpatine warnt, muss er einen schrecklichen Preis bezahlen. Und Organa erkennt, dass er mehr tun muss, als nur Reden im Senat zu halten, wenn er verhindern will, dass der Galaxis dunkle Zeiten bevorstehen.

Auch diese kurze, düstere Erzählung weiß zu gefallen, denn sie zeigt den zweiten Krieg innerhalb des Senats auf, der parallel zu den Klonkriegen geführt wird. Ostrander entführt uns erneut in eine Welt der Intrigen, in deren Zentrum Palpatine steht, deren Gefährlichkeit mancher zwar erahnt, aber niemand so recht beweisen kann. Zeichner Badeaux liefert eine gleichbleibend gute Leistung ab, die aber durch den Einsatz der Tusche von Armando Durruthy völlig anders und irgendwie flächiger wirkt als im Vorgängercomic (der in der Originalveröffentlichung später erschien).

Fazit: Unterm Strich bietet der Band „General Grievous“ zwei sehr gute, aber kurze Geschichten sowie ein längeres, aber eher mittelmäßiges Abenteuer. Dabei taucht der General nur in letzterem auf. Das hätten die Macher der Sammlung geschickter lösen können. Für Fans der Prequel-Zeit durchaus eine Empfehlung, aber wer nach ausgewählten Highlights der lang laufenden „Comic-Kollektion“ sucht, kann diesen Band auch durchaus links liegen lassen.

Star Wars Comic-Kollektion 23: General Grievous
Comic
Chuck Dixon, John Ostrander u.a.
Panini 2017
ISBN: 978-3-7416-0430-0
146 S., Softcover, deutsch
Preis: EUR 13,99

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