Malleus Monstrorum

„Malleus Monstrorum – Kreaturen, Götter und verbotenes Wissen“ ist vom Titel her an den „Malleus Maleficarum“, den Hexenhammer angelehnt. Während der Hexenhammer der Dingbarmachung von Hexen diente, beschreibt der „Malleus Monstrorum“ (kurz: Malleus“) über 140 Götter, Dienerrassen und unabhängige Wesenheiten aus dem „Cthulhu“-Mythos aus der Feder zahlreicher Autoren.

von Markus Kolbeck

 

Dem „Malleus“ liegt das amerikanische „Creature Companion“ zu Grunde, wurde aber stark erweitert und überarbeitet, wie man es von Pegasus Spiele fast schon gewohnt ist. So findet man zusätzlich alle cthuloiden Wesenheiten der bei Pegasus Spiele erschienen Abenteuer und einige greuliche Kreaturen, die in „Cthulhu“-Geschichten deutscher Autoren eine Rolle spielen.

Was aber besonders der Hervorhebung bedarf und an sich schon ein kleiner Geniestreich ist, ist dass die Kreaturen und Götter mit Bildern von Gegenständen versehen sind, die es wirklich gibt. Da Zeichnungen von cthuloiden Wesenheiten oftmals alles andere als gruselig sind, manchmal sogar belustigend, hat man sich dazu entschlossen, reale Gegenstände für sich sprechen zu lassen: So wurden Plakate, alte Plattenhüllen, Statuetten, antike Münzen etc. herangezogen, das Grauen des Mythos zu dokumentieren. Die Ähnlichkeit zwischen den im Text beschriebenen Monstern und den Bildern ist oftmals frappierend.

Jeder Eintrag im „Malleus“ ist mit einem Quellenhinweis auf ein Abenteuer oder eine Geschichte, in der das Wesen auftaucht, und einer Klassifizierung versehen. Es folgt ein Intro, in dem in der Regel eine bemitleidenswerte Person Bekanntschaft mit aufgeführtem Wesen macht. Danach kommt der Datenteil, der dem Format entspricht, wie man es aus dem Regelwerk kennt. Zum Abschluss folgt noch ein Extro, das sich als Todesreport darstellt.

Bei den Göttern werden auch deren Avatare beschrieben; allein Nyarlathotep hat 13 Avatare. Intro und Extro gestalten das Ganze schon interessant, aber noch zusätzlich aufgelockert wird der „Malleus“ durch eingefügte Ausschnitte aus den Tagebuchaufzeichnungen des Sir Poplan, eines Mythosforschers. Der Spielwert wird noch durch zahlreiche Abenteuerideen, die sich durch den Band ziehen, gesteigert.

Der „Malleus“ ist in erster Linie ein Nachschlagewerk, aber Lesen sollte man es schon, um sich mit den Wesenheiten für den Anfang etwas vertraut zu machen, so dass man in etwa weiß, was einem zur Bevölkerung eines Abenteuers zur Verfügung steht. Eben dieses Lesen wird trotz der interessanten Intros, Todesreporte und Tagebuchaufzeichnungen über die gesamten 200 Seiten doch etwas zäh. Anfangs hielt ich es für Satire, dass am Anfang des Bandes eine Warnung steht, dass er nicht für Kinder, psychisch Kranke und Herzkranke geeignet ist. Aber nach der Lektüre denke ich anderes darüber; es wird schon reichlich starker Stoff in den Todesreporten geliefert.

Fazit: Der „Malleus“ ist als Ergänzung zu den cthuloiden Wesenheiten im Regelwerk gedacht. Da kann man sich natürlich fragen, ob man noch mehr Monster braucht. Aber alleine schon die sich daraus ergebenden Abenteuerideen sind meiner Meinung nach eine Anschaffung wert. Nur wer das „Creature Companion“ schon hat, braucht den Monsterhammer nicht unbedingt, wenn auch die neue Bebilderung einen echten Mehrwert darstellt. Gerade diese realistische Bebilderung lässt den „Malleus“ zu einer kleinen Perle werden, bedenkt man, wie schwierig und aufwändig es gewesen sein muss, all die Bilder von Gegenständen zu recherchieren, die zu den Kreaturen passen.

Nachträgliche Anmerkung: Wie ich in Mephisto #25 gelesen habe, sind die Bilder nicht wirklich authentisch, sondern nur authentisch wirkend; sie wurden extra von einem Künsterteam angefertigt.


Malleus Monstrorum
Quellenbuch
Scott David Aniolowski, Frank Heller u.a.
Pegasus Press 2003
ISBN: 3-930635-85-2
200 S., Hardcover, deutsch
Preis: EUR 29,95

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