King of History

Korea ist auf der Weltkarte der Brettspiel-Erscheinungen hierzulande noch ein komplett weißer Fleck. Überhaupt ist Asien in der Spiele-Branche viel eher als Lieferant von Video-Spielen bekannt. Auf der SPIEL in Essen wagen sich aber jedes Jahr mehr Verlage aus dem Fernen Osten, ihre Kleinodien dem deutschen und internationalen Publikum bekannt zu machen. So auch die Firma Visionary mit ihrem farbenfrohen, im historischen Korea angesiedelten "King of History".

von Michael Wilhelm

 

 

Seit der Zeit um Christi Geburt bis um das Jahr 1000 unserer Zeitrechnung rangen die Königreiche Gogurye, Baekje, Shilla und Balhae als Vorläufer des modernen Korea um die Souveränität auf der Halbinsel. Das Hintergrund-Szenario des Spiels dürfte einschlägigen Filmfreunden aus Filmen wie "Musa" bekannt sein. Das Ur-Korea war gerade dabei, sich gegen die übermächtigen Nachbarn China und Japan zu emanzipieren, gleichzeitig herrschten rege innere Konflikte um die Vorherrschaft. Eine kriegerische und ereignisreiche Zeit. Diesem soll das vorliegende Brettspiel Rechnung tragen, und so erhebt schon der Klappentext den Anspruch, spielend die Geschichte Koreas kennen zu lernen.

Das Spielmaterial, teils „Made in Korea“, teils „Made in Vietnam“ macht einen guten Eindruck. Der Druck des Faksimile-ähnlichen Spielplans und des farbigen, leider komplett koreanischen, Handbuchs sind hervorragend. Die Illustrationen der Spielkarten, insgesamt 71 an der Zahl, sind durchweg farbig und erinnern an Manhwa, die koreanischen Spielart des populären Mangas. Die Spielsteine, welche Hauptstädte, Festungen und Mauern darstellen, sind aus bunt lackiertem Holz. Zwei bis vier Spieler ab 10 Jahren können sich ins Rennen um den Titel des "King of History" begeben. Die Spieldauer wird mit etwa 45 Minuten angegeben, wird aber eher darüber liegen.

Ziel ist es, die Landkarte der koreanischen Halbinsel mit eigenen Festungen zu überziehen und die Expansion des Gegners zu verhindern. Dabei spielt sich das ganze Geschehen fern des Spielplans als Kartenspiel ab. Der Sieger einer dem Rommee ähnlichen Kartenrunde darf dafür zur Belohnung eine oder mehrere, über Straßen mit der eigenen Hauptstadt verbundene, Festungen bauen oder sogar gegnerische übernehmen oder abreißen. Alternativ können Steinmauern gebaut werden, um die gegnerische Expansion aufzuhalten. Wer als erster eine je nach Spielerzahl vorgegebene Zahl an Festungen erbaut hat, gewinnt das gesamte Spiel.

Beim Kartenspiel, einem echten Spiel im Spiel, ist weitaus mehr Glück als Taktik gefordert. Hat man zur passenden Zeit die richtigen Karten auf der Hand, kann man ganz ordentlich abräumen und ist dem Rundensieg, und damit dem Bau neuer Festungen, näher. Die Karten haben Werte zwischen 1 und 12 und zeigen historische Ereignisse und Personen aus der Geschichte Koreas. Dabei gilt es, Karten gleichen Wertes auf der Hand zu haben, um in der Mitte ausliegende zu erobern. Bei den eroberten Karten ist es dann wichtig, Personen-Serien mit den Bezeichnungen Hero, King, Founder oder Master zu sammeln. Verschiedene Serien und Kombinationen geben unterschiedlich viele Punkte. Und die Punktsumme des Kartenspiel-Siegers entscheidet dann über die Zahl der zu bauenden Festungen.

"King of History" ist fast ein reines Glücksspiel. Lediglich beim Bau neuer Festungen können über deren Lage freie Entscheidungen getroffen werden. Dafür ist aber das Kartenspiel eine kurzweilige, wenn auch recht komplizierte, Sache. Einige Sonderregeln, aber auch Strafen und Fallstricke, die ein Spieler dem anderen oder das Spiel selbigen auferlegt, führen zu einer gewissen Komplexität, bei der leider das recht abstrakte Spielprinzip und die komplizierten Wertungsregeln nicht gerade fürs Verständnis förderlich sind. Glücklicherweise, für alle des Koreanischen nicht mächtigen, gibt es auf der Homepage von Visionary (www.vonline.co.kr/english/) die komplette Spielanleitung mit Beispielen in leicht verständlichem Englisch.

Fazit: "King of History" hat sicherlich nicht das Zeug, im hiesigen "Übersee" ein derartiger Klassiker zu werden, wie es "Die Siedler von Catan" in Asien oder Amerika wurden. Eine nette und unterhaltsame Abwechslung ist es aber dennoch, da es gleichzeitig mit dem exotischen Flair Asiens und gewohnten Brett- und Kartenspielmechanismen ausgestattet ist.


King of History
Brettspiel für 2-4 Spieler ab 10 Jahren
Donghoon Lee, Dongsoo Lee
Visionary 2005