HackMaster Player's Handbook

Ja! Endlich mal wieder ein Spiel für die Veteranen unter den Spielern, für die alten Freaks mit den Rauschebärten und den ergrauten Frauen in der Kostümierung auf der Spielmesse, die man noch als kleiner Osel immer argwöhnisch beäugt hatte und die solch legendäre Spiele wie "Midgard" zockten. Nun, da man selbst zu einem solchen "alten Kerl" mutiert ist, darf man sich freuen: "HackMaster" ist da!

von schiz

 

Das Wichtigste und zugleich Beste vorweg: Es ist für Rollenspiel-Neulinge absolut ungeeignet! "Alten Säcken" sei jedoch empfohlen, die Rezension bis zum Ende weiterzulesen.

So, nachdem ich (bereits vor geraumer Zeit) das "Player's Handbook" durch unsere nachsichtige *g* Ulrike erhalten hatte, musste ich es erst mal gewaltsam aus dem Briefkasten sezieren, war es doch ein unglaublich dickes Paket, das mir da zugestellt worden war.

Optik und Gestaltung

Schade eigentlich, ist die "dicke Schwarte" doch nach einigem Hin-und Hergeblättere recht schnell im labbrigen Softcover zerknuddelt und an den Ecken abgenutzt.

Angenehm witzig, gefällt das ­jedoch enorm blutige Hack'n'Slay-Splatter-Farb-Cover. Im Impressum wird nebenbei erwähnt, dass es die "typische Vorgehensweise einer Heldengruppe zeigt, die einen Tempel des Bösen aushebt" ;-). Nun ja, eine ziemlich blutige Angelegenheit. ­ Wieder gilt: nichts für Rollenspiel-Neulinge!

Ein erster Blick ins Innere versetzt den Leser in ein Zeitalter zurück, in dem das Wort "Layout" noch nicht existierte, denn die Blicke sind einer gnadenlosen eng bedruckten Bleiwüste ausgesetzt, die nur spärlich von einigen, ­ wenngleich sehr lustigen, ­ Zeichnungen durchbrochen wird. Die Zeichnungen sind im Stile des Covers gehalten und sind von ähnlichem satirischen Inhalt.

Art und Aufmachung des Buches erinnern mich doch sehr stark an die guten alten "Grimmzahn"-Quellenbücher, die satirischen Fallenbücher (bei Games-In in deutsch erschienen), die sicherlich auch sehr gut in einer "HackMaster"-Kampagne verwendet werden können (da ebenfals Hack'n'Slay).

AD&D ( ? - jawohl AD&D!)

Tjaaaaa, was hat es nun mit "HackMaster" auf sich? Ein gewöhnliches Fantasy-Rollenspiel? Nein! Das Buch erklärt sich selbst in einem Disclaimer im Vorwort, in dem die Autoren versichern, das der Inhalt des Buches nichts mit Okkultismus etc. zu schaffen hat, und betonen, dass es sich bei dem Spiel um eine Satire auf das Rollenspiel, die Rollenspieler und Autoren an sich handelt. Um dies zu verstehen, muss man sich ein wenig mit der Vorgeschichte von "HackMaster" auskennen. Denn lange vor Erscheinen von "HackMaster", dem Rollenspiel, publizierte der heutige Verlag Kenzer & Company die Comicserie "Knights of the Dinner Table", eine Satire mit einer durchgedrehten Rollenspielrunde, die dem ­damals noch fiktiven Rollenspiel "HackMaster" frönte. "HackMaster" war eigentlich nur ein Synonym für das Spiel "AD&D" mit all den regeltechnischen Absurditäten, die es beinhaltete, und den bizarren Monsterkompendien (watschelnder Komposthaufen sag ich nur), nur halt noch eine Spur überspitzter. Wie die Autoren des Comics seinerzeit "AD&D" als Kult betrachteten, so taten dies im Comic auch die Mitglieder der Rollenspielrunde. Immer wieder erhielt der Verlag Anfragen, wann es denn zu einer Veröffentlichung dieses "HackMasters" kommen würde. Wie die Autoren auch im Vorwort erläutern, machte eine Veröffentlichung zum damaligen Zeitpunkt keinen Sinn, denn "HackMaster" war ja im Grunde eine "übertriebenere Form" des "AD&D"-Rollenspiels. Doch als "AD&D" vom Markt veschwand, um der 3. Edition von "D&D" zu weichen, bot sich die Gelegenheit: Kenzer & Company wandte sich an Wizards of the Coast (der Linzenzinhaber von "AD&D" / "D&D") und erhielt eine Lizenz für die Nutzung der guten alten (verschrobenen) "AD&D"-Regeln.

Struktur & Inhalt

Natürlich erschien "HackMaster" als Parodie auf das "Old School Gaming", propagiert Hack'n'Slay und Abenteuerpunktehatz und ist sicherlich kein Erzählrollenspiel wie sie heutzutage in Mode sind ("Vampire").

Dies ist auch in der Struktur recht deutlich: Von rund 400 Seiten sind allein rund 250 Seiten Regel- und Tabellen-Anhang! (Allerdings inklusive der Zauberlisten.)

Die Regeln entsprechen in weiten Teilen den alten "AD&D"-Regeln der Second Edition und sind noch um viele Spezial- und Sonderregeln ergänzt worden. So gibt es spezielle satirische Hack-Charakterklassen wie die "HackFighter", "HackMages" mit aberwitzigen Fähigkeiten etc. und neue witzige Rassen wie die Gnome Titans (eine Art Berserker) und die Pixies (Feen). Aber auch in der Rassen- und Klassenauswahl dominieren die alten Klischees wie sie auch in "AD&D" eingesetzt werden: Elf, Zwerg, Mensch bzw. Magier, Priester, Dieb, Kämpfer...

Die Regelmechanismen weichen ein bischen vom "alten" "AD&D" ab (ist meines Erachtens auch besser). Die Fertigkeitswerte beispielsweise werden aus einem Mittelwert diverser Eigenschaften errechnet. Das "alte" "AD&D" beruhte noch auf einem sehr seltsamen Punkteverteilungssystem, das von der Charakterklasse des Spielers abhing. Auch gibt es solch modernere Regelmechanismen wie Vor-und Nachteile eines Helden bei der Charaktererschaffung. Die Zauberlisten beinhalten ähnliche Sprüche wie die Magielisten der "AD&D"-Vorlage. Als nettes Handout gibt es für den Spielleiter spezielle Bonuskarten aus Pappe, die er den Spielern aushändigen kann (die so genannten "HackMaster"-Coupons). Prinzipiell wird bei "HackMaster" strikt zwischen der Stellung des Spielleiters und des Spielers unterschieden. Die "HackMaster"-Regel Nr. 2 lautet z. B.: "The GameMaster is always right".

Fazit: Das Spiel ist witzig geschrieben und ein Genuss für jene, die ein bisschen mit "AD&D" und seinen "Auswüchsen" (Regelwerk ­z. B. Stärke 18/99 und ähnlichen Kuriositäten, Monsterkompendium etc.) vertraut sind. Für absolute Neulinge muss man sagen, lohnt sich der Kauf nicht sonderlich, da man mit den vielen "HackMaster"-Besonderheiten und Wortschöpfungen (Gawd=Gott) nicht viel anfangen kann. Eine Kenntnis der Comic-Reihe "Knights of the Diner Table" ist gewiss von Vorteil, da einem ansonsten jede Menge versteckter Gags und Anspielungen entgehen. Alles in allem ein Spiel, das den Origins Award als "Bestes Rollenspiel des Jahres 2001" zu Recht verdient hat und Kenzer & Companys Zusammenarbeit mit Wizards of the Coast begründete. Diese hat ja nunmehr mit der Veröffentlichung der "D&D"-Welt Kingdoms of Kalamar eine Fortsetzung erfahren.


HackMaster Player's Handbook
Grundregelwerk
Diverse
Kenzer & Company
ISBN: 1-889182-36-2
400 S., Softcover, englisch
Preis: $ 29,99

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