DSA 85: Roter Fluss

Die Stadt Myrburg liegt tief im Land der Orks. Ihre Bevölkerung teilt sich auf in die Anhänger der Zwölfgötter und die eher raubeinigen Thorwaler. Bedingt durch die kulturellen Unterschiede, kommt es immer wieder zu Konflikten. Doch diese Konflikte steuern ausgerechnet dann auf einen neuen Höhepunkt zu, als die Orks damit beginnen, die umliegenden Siedlungen zu überfallen. Doch es bleibt nicht bei diesen Übergriffen, denn die Orks haben ein größeres Ziel: Sie wollen alle Menschen in ihren Landen versklaven oder vernichten. Und so zieht eine ganze Orkarmee gegen die Stadt Myrburg.

von Chris Sesterhenn

 

Klappentext: "Die Orkschädelsteppe im Jahr 597 BF – ein Heer von Orks stürmt los, um die menschlichen Siedler in ihrem Land ein für alle Mal auszulöschen. Im belagerten Myrburg, dem späteren Phexcaer, brechen die alten Spannungen zwischen den raubeinigen Thorwalern und ihren zwölfgöttergläubigen Mitbürgern wieder auf, obwohl alle Kräfte für den verzweifelten Kampf gegen die Schwarzpelze gebraucht werden. Hjalgar Herjulfsson, ein Ausgestoßener, der aus Groll auf die Menschheit die Orks mit Waffen beliefert, wird unversehens mit alten und neuen Feinden, aber auch mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert ..."

"Roter Fluss" ist ein weiterer Roman zum Fantasy-Rollenspiel "Das Schwarze Auge" (DSA). Die Autorin Daniela Knor greift dabei ein historisches Ereignis auf und verpackt es geschickt in ihre Erzählungen über die Schicksale der Hauptpersonen. Die zentrale Figur in dem Roman ist Hjalgar Herjulfsson, ein so genanntes Kind Swafnirs. Nach dem Glauben der Thorwaler sind diese mit der Gabe ihres Gottes Swafnir gesegnet, der Walwut. Diese Gabe versetzt den Betroffenen bei der kleinsten Aufregung in einen wahren Blutrausch. Solche Berserker können dann nicht mehr zwischen Freund und Feind unterscheiden. Obwohl als Auserwählte angesehen, führen die Walwütigen ein Leben außerhalb der Gesellschaft, da ihre Raserei eine unkontrollierbare Gefahr für alle darstellt. Darunter hat auch Hjalgar zu leiden, der als Ausgestoßener sogar Handel mit den Orks treibt. Durch diese Aktivitäten erfährt er aber frühzeitig von dem aufmarschierenden Orkheer und der Gefahr für Myrburg.

Doch wie es die Götter wollen, verliebt er sich im Lager der Orks in die Sklavin Lysmina und entschließt sich, diese zu befreien. Dabei erhält er überraschend Unterstützung durch den Praios-Geweihten Gorwin, welcher aufgrund vergangener Ereignisse bei den Thorwalern als Cantererpriester einen sehr schlechten Stand hat. Doch auch weitere Personen tragen mit ihren Schicksalen zu der Erzählung bei. So muss sich beispielsweise der Hersir der Garsvidra-Sippe Aigur Beornsson gegen seine Konkurrentin die Hetfrau von Myrburg Sveidis Karvasdottir behaupten. Was in Anbetracht der drohenden Gefahr durch die Orks eine schwierige Aufgabe darstellt. Die einzelnen Erzählstränge vereinen sich gegen Ende des Romans wieder in Myrburg und führen gemeinsam zum Höhepunkt der Erzählung.

Die zahlreichen Charaktere und die damit verbundenen unterschiedlichen Spielorte lockern auf der einen Seite die Geschichte auf, aber die daraus resultierende Namensvielfalt (beispielsweise die Namen der Thorwaler) sorgt insbesondere zu Beginn für etwas Verwirrung. Doch die gelungene Erzählweise vermag sehr schnell davon abzulenken. Einige der Kapitel sind aus der Sicht von Hjalgar in Ich-Form geschrieben, was dem Roman an diesen Stellen eine stärkere Erzählwirkung verleiht. Eine besondere Note wird dem Historienroman durch den Einsatz von entsprechenden Elementen der Sprache der Thorwaler und die Beachtung deren güldenländischer Abstammung verliehen.

Die Ereignisse rund um die Belagerung Myrburgs wurde vor einigen Jahren in einer Publikation zu "Das Schwarze Auge" kurz geschildert (DSA-Fans seien hier an die Beschreibung der Stadt Phexcaer in der Orkland-Box verwiesen). Trotz der gelungenen Umsetzung der historischen Vorgaben, ist die Schlacht um die Stadt Myrburg im Roman schon nach kürzester Zeit vorüber und das große Finale fällt damit eher dürftig aus.

Neben den Vorgaben aus oben erwähnter Publikation hat "Roter Fluss" auch noch mit dem üblichen Problem zu kämpfen, dass er auf schon bestehenden Hintergrundbeschreibungen aufbaut. Die ist für unbedarfte Leser in den meisten Fällen eine enorme Herausforderung, da gerade das verfügbare Material zur Welt des "Schwarzen Auges" sehr umfangreich ist. Hier wäre ein Abschnitt mit zusätzlichem Hintergrundwissen sehr hilfreich.

Fazit: Mit "Roter Fluss" ist es Daniela Knor gelungen, ein eher nüchternes historisches Ereignis aus der Welt des "Schwarzen Auges" geschickt in einen Roman mit persönlichen Schicksalen zu verwandeln. Auch wenn einige kleinere Kritikpunkte angeführt werden können, so ist "Roter Fluss" für alle DSA-Fans und solche, die es noch werden wollen, empfehlenswert.


Roter Fluss (DSA-Roman Nr. 85)
Rollenspiel-Roman
Daniela Knor
Fantasy Productions 2004
ISBN: 3-89064-514-3
354 S., Taschenbuch, deutsch
Preis: EUR 9,00

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