Cthuloide Welten #5

Das Titelbild der "Cthuloide Welten #5" (CW) von Jeff Remmer ist erste Sahne; es zeigt eine cthuloide "Dame", wie "sie" scheinbar mit einem Griffel etwas schreibt oder zeichnet. Die #5 präsentiert insgesamt 13 Artikel plus die Namenlose Seite. Es werden auch die sechs Gewinner des "Cthulhu"-Zeichnerwettbewerbs samt ihren Werken veröffentlicht.

von Markus Kolbeck

 

Los geht es mit den "Cthuloiden News", wo man Produktneuigkeiten von Pegasus Spiele (einschließlich der Planung für das Jahr 2004 und zur Neuauflage des Regelwerks), Chaosium, Pagan Publishing, Fantastische Spiele, Festa-Verlag usw. erfährt.

Weiter geht es mit der altbekannten Reihe "Aus den dunklen Zwischenreichen" mit "In nächtlichen Winkeln" von Wolfgang Schiemichen. Darin wird geschildert, wie ein Arzt im Massachusetts-State-Hospital auf eine Reihe sonderbarer Todesfälle stößt und nachforscht, wobei er Zusammenhänge erahnt. Dieser Artikel macht Lust auf den Monsterhammer, das "Malleus Monstrorum", in dem die Ursache für die Todesfälle, die Adumbrali, nachtschwarze Vampire aus einer anderen Dimension, näher beschrieben sind.

Um minoische Mysterien auf Kreta geht es in dem 26-seitigen Abenteuer "Das Geheimnis von Knossos" von Günther Dambachmair unter Mitwirkung von Matthias Oden. Die Charaktere werden nach Kreta auf eine Hochzeit eingeladen. Auf die Hochzeitsgesellschaft wird ein Anschlag verübt, bei dem es zu Toten kommt. Auf der Suche nach den Hintergründen des Attentats kommen die Charaktere in ein Fischerdorf, wo der Kult der Feuerbringer, der den Großen Alten Cthughua verehrt, sein Unwesen treibt. Schnell werden die Abenteurer zu den Gejagten und gelangen schließlich nach Knossos, wo im Labyrinth des Minotauers der Höhepunkt des Abenteuers stattfindet. Das Abenteuer vermischt die griechische Sagenwelt gekonnt mit dem "Cthulhu"-Mythos, wobei dann etwas viel Schrecklicheres herauskommt, als die Mythen vermuten lassen. Im Anhang des Szenarios befindet sich auch eine kleine Griechisch-Spielhilfe.

Als nächstes wird von Stefan Geisler und Eva Ponick der Harz in der Reihe "Cthulhu Regionalia" als Schauplatz ausführlich vorgestellt. Geografisches, Geschichtliches, Berufe im Harz und natürlich die lokale Sagenwelt werden erwähnt. Eine Rundreise durch den Harz erschließt dem Spielleiter diesen Urlaubs- und Kurort. Diese Rundreise ist fast etwas zu lang geraten für meinen Geschmack.

"Über Autos der 20er Jahre: Deutschland" schreibt Gero "Zodiak" Pappe. Die Situation in Deutschland, deutsche Automarken, ausgewählte Modelle und eine Zeitlinie findet man hier. Sehr informativ und reich bebildert. Leider wurde der Artikel um einige Detailberichte gekürzt, die man auf der Website von CW nachlesen kann. Was man hier eingespart hat, hätte man lieber bei "Der Harz" weggelassen.

"Eine kleine Kulturgeschichte der Cigarette in den 1920er Jahren" wird von Sebastian Weitkamp präsentiert. Der Artikel geht auf das Rauchen, Trends und Marken sowie deren Preise ein. So kann der Spielleiter seinen Spielern verfügbare Marken nennen, wenn diese Raucher spielen wollen bzw. er kann seine NSCs entsprechend ausstaffieren. Dieser Artikel liefert einen Vorgeschmack, was einen an Lebensart-Artikeln in der "Deutschland-Box" erwartet.

"Humbug! Nichts als Humbug!" ist ein Artikel von Steffen Schütte in der Reihe "Berufe in den 20ern". Hier wird der professionelle Skeptiker oder Debunker vorgestellt. Der Skeptiker entlarvt Geisterfotos, Poltergeiste, Kontakte zum Jenseits etc. als das, was sie sind: Schwindel, oftmals aus Geltungssucht oder Habgier. Wer diesen Beruf amüsant findet, dem wird sicherlich auch der Artikel über Charles Fort gefallen. Dazu gleich mehr.

Vorher kommt noch "Katzenjammer und Scherbenschreck", in dem Marcus Johanus den Aberglauben in "Cthulhu"-Kampagnen einführt, falls man nicht eh schon abergläubische Charaktere hat. Es werden nicht nur Formen und Gegenstände des Aberglaubens wie Numerologie und Kleeblätter genannt. Es finden auch Erläuterungen statt, wie man den Aberglauben in einer "Cthulhu"-Kampagne verwenden kann. Was wenn Glücks- und Unglückszeichen "reelle" Auswirkungen hätten? Vielleicht wäre das dann aber zuviel des Unglaublichen. Der "Cthulhu"-Mythos ist ja auch in gewissem Sinne ein Aberglaube mit "realen" Auswirkungen.

Kommen wir zu "Charles Fort", der in der Reihe "Personen der 20er Jahre" von Holger Kutschmann vorgestellt wird. Charles Fort ist ein Chronist des Unerklärten (Blutregen, Engelssichtungen etc.), der auf Konfrontationskurs zur etablierten, "dogmatischen" Wissenschaft geht. In seinen Büchern beschreibt er Theorien, die das bisher Unerklärte erläutern sollen. So führt er u. a. die Teleportation als Theorieelement an. Fort betont mit sarkastischem Humor, dass man ihm aber nicht glauben solle. Den Spielercharakteren mag es in den Sinn kommen, Fort um Rat zu fragen, falls sie einmal im Mysteriösen stecken bleiben.

"Il Richiamo di Cthulhu" von Frank Heller und Ciro Alessandro Sacco informiert in kurzer Form über die "Cthulhu"-Szene in Italien, wo es um das "Cthulhu"-Rollenspiel nicht zum Besten steht.

Ein Interview ist auch wieder in dieser CW zu finden, diesmal mit dem" Cthulhu"-Urgestein Sandy Petersen, dem Erfinder des "Cthulhu"-Rollenspiels. Die Fragen richten sich nach dessen Berufsleben, seinen Lieblingsgeschichten, seine Rollenspielaktivitäten, Tipps für den Spielleiter usw.

Zum letzten Mal in CW findet man "Vernetzte Tentakel", das von cthulhulive.de handelt. Diese Website widmet sich dem "Cthulhu"-Liverollenspiel (LARP).

Unter "Spielend leiten, Spieler leiten" findet sich noch ein Artikel von Thomas Finn mit einer alternativen Charaktererschaffungsmethode, mit dem ich nicht soviel anfangen konnte, und auf der Namenlosen Seite findet sich abschließend ein Cartoon und das Moritat des gelben Königs von Kostja Kleye.

Fazit: CW #5 besticht auf ihren 100 Seiten vor allem durch eine Reihe gut recherchierter Hintergrundartikel (Harz, Automobile, Zigaretten, Aberglaube, …). Insgesamt gesehen möchte ich auf keinen dieser Artikel verzichten müssen, waren sie doch Lesespaß pur. Für angemessene 5 Euro bekommt dies alles und dazu noch ein ausgearbeitetes Abenteuer; da kann man nicht meckern.


Cthuloide Welten #5
Offizielles Magazin für H. P. Lovecrafts Cthulhu
Pegasus Spiele 2003
ISSN 1610-5362
100 S., geheftet, A4, deutsch
Preis: EUR 5,00