Cthuloide Welten #1

Die Überraschung im Bereich professioneller Magazine war 2001 sicherlich das Erscheinen der Erstnummer von "H. P. Lovecrafts Cthuloide Welten", dem "Cthulhu"-Hausmagazin von Pegasus Spiele. Das Magazin geht auf eine Initiative von Fans zurück, bis "Pegasus Spiele" dem entstehenden Magazin auf die Beine half. Chefredakteur ist Frank Heller, der bereits mit einem Szenariobeitrag in "In Labyrinthen - Dunkle Pfade im Osten" hervorgetreten ist. Doch auch andere namhafte Autoren sind in "Cthuloide Welten" zu finden. Rezensionen werden keine veröffentlicht, da es diesen wegen der halbjährlichen Erscheinungsweise an Aktualität mangeln würde.

von Markus Kolbeck

 

Das Magazin ist mit einem Layout versehen, wie man es vom "Cthulhu"-Regelwerk her kennt: Die Seitenränder wirken angebrannt und die Überschriften sind verschnörkelt - zeitgenössische Fotos bebildern das Ganze.

In der Reihe "Aus den dunklen Zwischenreichen" werden Wesen aus dem Cthulhu-Mythos vorgestellt. Den Auftakt macht der erste Teil einer Serie über den Götterboten Nyarlathotep von Wolfgang Schiemichen, in der er sich mit dem Wesen des Unsterblichen befasst. In zukünftigen Teilen wird über die verschiedenen Erscheinungsformen von Nyarlathotep berichtet.

Es folgt ein interessanter Artikel von Stefen Schütte über die Jugendzeit und das Heranwachsen von Abenteurern. Der Autor geht davon aus, das "Cthulhu"-Charaktere meist nicht jünger als 30 oder 35 Jahre sind und folglich schon etwas erlebt haben beziehungsweise schon mit dem Mythos in jungen Jahren konfrontiert wurden. Dazu gibt er einige Abenteuer an, die man mit heranwachsenden Charakteren spielen kann. Angepasste Regeln werden auch aufgeführt.

Der Artikel "Katzulhu" von Ingo Ahrens stellt eine nette Regelerweiterung dar. In dem Artikel wird das Spielen von Katzen als Charaktere ganz nach dem Motto von "Die Katzen von Ulthar" und "Die Traumsuche nach dem unbekannten Kaddath" vorgestellt. Katzen können im Cthulhu-Mythos die Sprache der Menschen verstehen und lesen. In den Traumlanden können sie sogar mit den Menschen sprechen. Charaktererschaffung und Fertigkeiten werden genannt. Ein Charakterblatt für Katzen vervollständigt den Artikel. Es kann sicherlich reizvoll sein, einmal eine Katze mit ihren Vorteilen und Einschränkungen zu spielen.

"Die Bucht der Toten" ist ein 24-seitiges Abenteuer für "Cthulhu" von Jan Christoph Steines. Schauplatz des Abenteuers ist die Halbinsel Hela in Westpreußen im Sommer 1918. Die Spielercharaktere sollten auf Hela Urlaub machen. Bei der Erkundung der Halbinsel werden sie auf eine malerische Bucht stoßen, wo der Einsiedler Epave wohnt. Er warnt die Charaktere vor dem Meer und erzählt eine schauerliche Geschichte von Wesen aus eben diesem, die in der Bucht herumlaufen und tanzen würden. Die Bewohner von Hela sind seltsam verschwiegen, was die Bucht anbelangt. Forschen die Charaktere weiter, werden sie vielleicht das Geheimnis der Bucht aufdecken und schon spitzen sich die Ereignisse dramatisch zu. Das Abenteuer ist mit Karten und Spielhilfen versehen. Mir persönlich hat das Abenteuer gefallen.

"Für eine Handvoll Investigatoren" ist ein Artikel, der vielleicht erst auf den zweiten Blick seinen Reiz entwickelt. Der Artikel von Frank Heller kombiniert nämlich "Cthulhu" mit Wild-West-Regeln. So werden neue Fertigkeiten vorgestellt wie "Glücksspiel" und "Schnellziehen" sowie neue Berufe wie "Revolverheld" und "Scheriff". Wild-West-Nahkampf- und Feuerwaffen dürfen ebenso wenig fehlen. Wem das Auftauchen von Mythoskreaturen in einem Wild-West-Setting zu weit geht, kann natürlich darauf verzichten und in klassischer Wild-West-Manier spielen. Es steht sicherlich der Spaßfaktor im Vordergrund.

Es folgen eine "Delta Green"-Kurzgeschichte, ein Interview mit John Tynes, dem Gründer von Pagan Publishing, sowie Webseitenvorstellungen von Arkham Chronicle (dt.) und Nyarlathotep.de. Als Spielleitertipp werden Bücher aus dem Dover-Verlag vorgestellt, die historische Häuseransichten und Grundrisse zum Thema haben. Als Bonbon gibt es die Hauspläne zu "Der Fluch des Siebten Mondschattens". Die haben nämlich im Abenteuerband Wales gefehlt. Abgerundet wird das Magazin durch News und Weblinks.

Fazit: Das Magazin hat größtenteils meine Erwartungen erfüllt, hat aber noch Spielraum, um besser zu werden. Es bietet erstaunlich viel spielbares Material. Den Machern des Magazins kann zu ihrer Nr. 1 gratuliert werden. Für "Cthulhu"-Spielleiter ist "Cthuloide Welten" sicherlich ein Muss.


Cthuloide Welten #1
Offizielles Magazin für H. P. Lovecrafts Cthulhu
Pegasus Spiele 2001
ISSN 1610-5362
80 S., geheftet, A4, deutsch
Preis: EUR 4,50