Classic BattleTech 1: Wahnsinn und Methode

BattleTech ist tot, es lebe BattleTech! Mit dem Ende der langjährigen BattleTech-Reihe beim Heyne-Verlag, das mit Feuer und Verdammnis einen Großteil des bekannten BattleTech-Universums samt seiner Protagonisten in Schutt und Asche legte, schien es für einen Moment, als seien die guten, alten Tage gezählt, da tapfere Männer und Frauen in lieb gewonnenen Maschinen wie dem Marodeur, Kriegshammer, Dunkelfalke und wie sie alle hießen über futuristische Schlachtfelder stapften. „Mechwarrior: Dark Age“ heißt die neu gestartete Buchreihe, über die ich zwar (noch) kein Urteil fällen will, doch wenn man das den Romanen zugrunde liegende Sammelfigurenspiel anschaut, scheint es eine Welt der Agro- und der ForstMechs zu sein. Naja, auch ´ne große Säge macht Schaden... Doch kaum werden bei Heyne die Machhangartore geschlossen, startet FanPro eine neue Buchreihe mit dem schönen Titel „Classic BattleTech“. Der erste Roman „Wahnsinn und Methode“ aus der Feder des jungen deutschen Autors Michael Diel ist soeben erschienen.

von Frank Stein

 

Ich betone diese beiden Attribute „jung“ und „deutsch“, weil FanPro damit für das BattleTech-Universum eine Praktik übernimmt, die der Verlag mit Shadowrun bereits getestet hatte: Newcomern und Rollenspielfans auf dieser Seite des Atlantiks die Chance zu geben, die Geschichte „ihres“ Universums weiterzuschreiben. Bei Shadowrun hat das, soweit ich es bisher beurteilen kann, nur solala funktioniert. Allzu sehr erinnern die Romane an verschriftlichte RPG-Spielrunden bei Cola und Pizza. Mit „Wahnsinn und Methode“ ist hingegen ein perfekter Einstand gelungen!

Back to the roots – dieses Motto wird nicht nur vom Reihentitel „Classic“ impliziert, es scheint auch das Programm von Michael Diels Geschichte zu sein. Im Gegensatz zu manch einem amerikanischen Autor, der mit BattleTech groß geworden ist und mittlerweile Romane für diese Reihe schreibt, die zwar unglaublich personen- und intrigenreich sind, dafür allerdings kaum noch eine Autokanone oder PPK im Einsatz sehen – sodass man sich fragt, ob man gerade einen BattleTech-Roman oder ein John-Le-Carré-Rip-Off liest –, geht Diel an die Anfänge aller Verwicklungen zurück und liefert eine solide, gradlinige Abenteuerhandlung ab, die harte Männers, eine (und bitte nur eine!) gemeine Intrige und zahllose, lebhaft heraufbeschworene Mechduelle bietet.

Wir schreiben das Jahr 2598 – und liegen damit ca. 450 Jahre vor der bisherigen Handlungslinie inmitten der strahlenden Zeit des Sternenbundes. Die 1. Kompanie des 3. Batallions des Royal Black Watch BattleTech Regiments, eine Eliteeinheit der SBVS und die Leibgarde des Ersten Lords, wird unter dem Kommando von Captain Jonathan MacNamara und seinem Stellvertreter Lieutenant Matthew Carmichael nach Icar in die Republik der Randwelten verlegt. Dort soll sie ein „Combined-Arms-Training“ durchführen, mit dem Ziel, die verschiedenen Waffengattungen zu einer effizienten und eingespielten Einheit zu verschmelzen.

Anfangs sind die größten Sorgen vor Ort, dass sich die Luft/Raumpiloten und die Mechjockeys lieber gegenseitig die Fresse polieren, als zusammenzuarbeiten. Dann jedoch wird die Stimmung unter der einheimischen Bevölkerung zunehmend schlechter. „Sternenbuch-Besatzer“, munkelt man unter der Hand und will die SBVS-Truppen lieber heute als morgen vom Planeten runter haben. Auch Herzog Marcus Benedict und seine unterkühlten Miliz-Offiziere kochen offenbar ihr eigenes Süppchen und wissen dabei, die aufkommende Antipathie gekonnt zu nutzen. Als MacNamara und Carmichael plötzlich miterleben müssen, wie BattleMechs in den Farben der Royal Black Watch auf harmlose Demonstranten schießen, wird auch ihnen klar, dass sie hier von irgendjemandem furchtbar hintergangen wurden.

Auf der Flucht vor der planetaren Miliz müssen sie nicht nur einen Weg finden, den Sternenbund zu kontaktieren, sondern auch, die Wahrheit hinter diesem unfassbaren Zwischenfall herauszubekommen. Es wird ein Rückzugsgefecht, das vielleicht erreicht, wo das „Combined-Arms-Training“ versagte, doch der Preis dafür ist hoch.

„Wahnsinn und Methode“ bietet, wie gesagt, klassische BattleTech-Unterhaltung. Diels Schreibe ist wirklich gut zu lesen und braucht sich hinter den Veteranen des Universums nicht zu verstecken. Vor allem die Mechkämpfe sind plastisch in Szene gesetzt und wirken – auch im Hinblick auf das Brettspiel – realistischer als die „Spaziergänge“, die man von manch anderem Heroen der BattleTech-Reihe her kennt. Und von diesen Kämpfen gibt es reichlich – fast so viele, dass man sagen könnte, die Figurenzeichnung kommt im Gegenzug ein bisschen kurz. Nun erwartet man von einem BattleTech-Roman nicht gerade Charakterstudien, aber ich finde, man hätte aus der einen oder anderen Figur noch mehr herausholen können. Es sind eher Namen, Ränge und Funktionen (die Panzerführerin, der Kampfpilot) als Personen aus Fleisch und Blut – okay, sieht man von gelegentlichen Schlägereien ab. Vielleicht (ich würde sogar sagen: hoffentlich) ergibt sich in einem Folgeroman um die Royal Black Watch die Möglichkeit, hier etwas nachzubessern.

Wenn man noch ein bisschen meckern wollte, könnte man einwenden, dass die Story natürlich nicht ausgesprochen originell ist, dass sich hier und da kleine Continuity-Fehler eingeschlichen haben, dass das Buchcover eigentlich kaum mit dem Buchinhalt korrespondiert (weil es nämlich einem Rollenspiel-Sourcebook entstammt) und dass Northwind nicht wirklich... aber das haben schon zwei Dutzend Kritiker vor mir bemängelt. All das – ich gebe es offen zu – hat mich irgendwie nicht gestört. Die Story nenne ich gradlinig, die Fehler habe geflissendlich überlesen (das geht ganz gut, wenn man Bücher abends nach der Arbeit im Zug rezipiert), das Cover ist hübsch und mit einem fassungslos dreinschauenden Soldaten vor einem zerrissenen Sternenbund-Plakat so abwegig gar nicht und wo Northwind liegt, war mir ehrlich gesagt völlig entfallen. (Wird Northwind in dem Buch überhaupt erwähnt...? Ich sollte abends im Zug keine Bücher mehr lesen...)

Fazit: Ein gelungener Debut-Roman, der mir persönlich tatsächlich mehr Spaß gemacht hat, als der Einstand eines anderen (und weitaus erfahreneren) BattleTech-Romanautors namens Michael mit der neuen „Mechwarrior: Dark Age“-Reihe. Gelegentlich stolpert man mal über die eine oder andere Formulierung oder Handlungswendung, insgesamt ist dieser BattleTech-Roman aus deutschen Landen jedoch durchaus lesenswert geworden. Für Freunde der humanoiden Kampfkolosse zu empfehlen, wenngleich – das muss am Ende einfach angemerkt sein – der Preis von 9 Euro für etwas über 300 Seiten deutlich über den Heyne-Bänden liegt, die im Moment etwa bei 8 Euro für 400 Seiten rangieren. Nichtsdestoweniger wünsche ich mir mehr Romane: nicht nur von Michael Diel, sondern auch aus der Zeit des Sternenbunds, die noch über 200 Jahre spannende Unterhaltung im klassischen BattleTech-Universum verspricht.


Wahnsinn und Methode (Classic BattleTech-Roman Nr. 1)
Rollenspiel-Roman
Michael Diel
Fantasy Productions 2004
ISBN: 3-89064-592-5
315 S., Taschenbuch, deutsch
Preis: EUR 9,00

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