Tarean 2 – Erbe der Kristalldrachen

Die Welt gerettet! Und dann? – Tarean ist zurück und hat nicht sonderlich viel Zeit, um seinem Müßiggang zu frönen. Nach einem ihm zugetragenen Hilferuf, der ihn zurück nach At Arthanoc lockt, beginnt für Tarean in „Erbe der Kristalldrachen“ abrupt ein neues Abenteuer mit alten Freunden und neuen Weggefährten.

von Lars Jeske

Burnout-Syndrom ist etwas anderes. Sechs Monde vor Beginn seines zweiten Abenteuers hat Tarean die westlichen Reiche Endars vom Hexer Calvas befreit und dessen Refugium At Arthanoc schleifen lassen. Seitdem lebt er mit der frustrierenden Gewissheit, die größte Tat seines Lebens schon vollbracht zu haben – als Jugendlicher. Er beginnt über seine Zukunft zu sinnieren und was er mit dem noch vor sich liegenden, weitaus längeren Teil seines Lebens anfangen soll. Dabei schweifen seine Gedanken auch immer wieder zu seiner ehemaligen Kampfgefährtin Auril. Mittlerweile von der Albin (zumindest räumlich) getrennt, weiß Tarean noch immer nicht, ob ihre gegenseitig nicht offen eingestandene Liebe eine Zukunft haben könnte. Der ausgestoßene Sohn des Fluchbringers und die Albin von hohem Stand. Aber will Tarean überhaupt so ein ruhiges Leben?

Durch einen via Irrlicht Moosbeere übermittelten Hilferuf begibt er sich zurück an den alten Kampfschauplatz At Arthanoc. Dort gilt es den Hilferufenden zu finden, der ihn auf eine neue Mission schicken will. Eine grausige Entdeckung lässt ihn schließlich die Herausforderung annehmen. Bei diesem Abenteuer wird er von seinen alten Freunden begleitet, findet neue und lernt mehr über seine Welt. Dieses Mal verschlägt es ihn an die andere Grenze des Reiches. Sein Bestimmungsort sind die Dunkelreiche jenseits der Glutlande, in denen er sich beweisen muss, um diese neue Mission zu erfüllen. Ziel ist es, das magische Siegel zu finden, zu brechen und dadurch die Kristalldrachen zu befreien. Doch die Zeit läuft davon.

Für Leser wie mich, die sich schon immer gefragt haben, was ein Held nach bestandenem Abenteuer eigentlich macht, hat das Buch den perfekten Anfang. Aber auch die Action kommt im Verlauf der Geschichte nicht zu kurz. Gegenüber dem Debütroman „Sohn des Fluchbringer“, welcher den Auftakt zur „Tarean“-Trilogie bildet, ist die überaus gelungene Fortsetzung „Erbe der Kristalldrachen“ noch einmal deutlich umfangreicher ausgefallen. Mit über 500 Seiten sind uns jetzt 150 Seiten mehr Lesespaß von Seiten des Autors gegönnt. Aber keine Angst: Es wird auf diesen nicht einfach nur in langatmiger Form auf die Geschehnisse der Vergangenheit (also des letzten Buches) eingegangen.

Denn während andere Autoren durch diesen Kunstkniff gern einmal in ausufernder Form ein paar zusätzliche Seiten schinden, rekapituliert Bernd Perplies auf angenehme Weise lediglich die Fakten kurz und bündig. Es erfolgen, so nötig und angebracht, an der richtigen Stelle knappe Zusammenfassungen der bisherigen Ereignisse als Erinnerungsfetzen der Protagonisten. Dies hat zur Folge, dass nicht nur ein echter Mehrwert an Handlung gegenüber gleich gelagerten Fortsetzungen anderer Autoren besteht, sondern auch der Spannungsbogen gehalten wird. Das spürbare Resultat ist eine kompakte und einnehmende Geschichte, in welcher jetzt sogar für die Liebe Platz ist. Stilistisch schreibt der Autor dabei erneut in schönen, selbstredenden Vergleichen, sodass man sich alles sehr gut vorstellen kann.

Neben der formalen Güte gelingt es somit auch inhaltlich die Geschichte voranzutreiben. Die nach dem Zug gegen At Arthanoc anfänglich getrennte Gemeinschaft findet erneut für ein Abenteuer zusammen. Dieses passiert nachvollziehbar, wodurch die Geschichte um Tarean konsequent und glaubwürdig weitergeschrieben wurde. Als Überraschung wartet diese sogar mit einem nicht alltäglichen, fantasymäßig coolen Plottwist auf.

Fazit: Meiner Meinung nach ist Bernd Perplies seinem Selbstanspruch gerecht geworden und hat sich mit diesem Roman sogar noch verbessern können. Wer „Sohn des Fluchbringers“ mochte, den wird die Fortsetzung „Erbe der Kristalldrachen“ begeistern. Sinnvollerweise sollte man Band 1 zuvor gelesen haben, dies ist jedoch keine Voraussetzung, da man auch so die Geschichte versteht – es vergrößert das Lesevergnügen jedoch ungemein. Es gibt ein Widersehen mit den lieb gewonnenen Charakteren, die sogar noch weiter differenziert neue Nuancen erhalten. Die Geschichte an sich ist erneut abgeschlossen, in sich stimmig und ausgereift. Dieses Mal wird jedoch auch etwas in Richtung Zukunft angedeutet, sodass man schon gespannt sein kann, wie sich Tarean zum Abschluss der Trilogie schlagen wird. Und wer weiß, die stetig wachsende Fangemeinde wäre bestimmt nicht enttäuscht, in dieser Qualität weitere Fortsetzungen miterleben zu dürfen…


Tarean 2 – Erbe der Kristalldrachen
Fantasy-Roman
Bernd Perplies
Egmont-Lyx 2008
ISBN: 978-3-8025-8184-7
512 S., Paperback, deutsch
Preis: EUR 12,95

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