Star Wars: Wächter der Macht 5: Opfer

Der Titel lässt es schon vermuten. Im fünften Band des „Wächter der Macht“-Zyklus werden Menschen sterben. Und, ja, es handelt sich um wichtige Menschen. Während der Krieg zwischen der Galaktischen Allianz und der neu ausgerufenen Konföderation leise vor sich hin schwelt, arbeitet Jacen Solo an seinem Aufstieg zum Sith-Lord, Ben Skywalker steht vor einer schweren Prüfung seines Glaubens und Luke und Mara verlieren endlich die Geduld.

von Frank Stein

Einen ganz schön schweren Brocken hat Karen Traviss, die selbst ernannte „Mutter der Mandalorianer“, mit „Opfer“ hingelegt. 550 Seiten umfasst die Haupthandlung, und man argwöhnt – aus leidvoller Erfahrung – schon vor dem Anlesen, dass sich die Fortentwicklung des Krieges zwischen Coruscant und Corellia sowie ihren jeweiligen Verbündeten hinziehen wird (das war leider bisher in beinahe jedem Band der Reihe der Fall). Tatsächlich wird diese Ahnung auch bestätigt werden. Nichtsdestoweniger kommt es zu einigen wichtigen und dramatischen Wendungen innerhalb des Buches, auf dass es seinen Platz in der Mitte des neunbändigen Romanprojekts redlich verdient.

Wie schon in den vorherigen Bänden der Reihe, zieht sich das Thema des Buchtitels – „Opfer“ – schön durch die ganze Handlung. Jacen Solo arbeitet mittlerweile unaufhaltsam an seinem Aufstieg in die höchsten Ränge der Macht, und um sich selbst auf den Platz des Staatschefs zu putschen, muss zunächst der bisherige Führer der Galaktischen Allianz – Cal Omas – als Bauernopfer herhalten. Jacens Vorgehen dabei ist im Übrigen kaum weniger perfide als seinerzeit das Handeln Palpatines, wenngleich die vor allem aus juristischen Spitzfindigkeiten bestehenden Tricks doch ein wenig schlicht im Gegensatz zu dem intriganten Masterplan des einstigen Imperators wirken.

Zugleich will Jacen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, und nicht nur die Corellianische Regierung ins Chaos stürzen, sondern auch Ben Skywalker erneut auf die Probe stellen. Daher schickt er den Jungen als Attentäter nach Corellia, um eine hochrangige Persönlichkeit umzubringen. Im Verlauf der Mission geht allerdings etwas schief und es kommt zu einem weiteren Opfer, das einen Bewusstseinswandel in dem rebellischen Sohn von Luke Skywalker und Mara Jade anstößt. Wie schon in den Bänden zuvor bleib Ben eine der spannendsten Figuren.

Boba Fett, der sich in einem Traviss-Buch wohl nicht vermeiden ließ, auch wenn sein ausufernder Handlungsstrang lange Zeit gar nichts mit den sonstigen galaktischen Geschehnissen zu tun hat, muss – im Sterben liegend – selbst ein Opfer bringen, um seinem Leiden möglicherweise ein Ende setzen zu können. Er muss sein Einzelgängertum aufgeben und sich als der Mandalore seinem Volk und seiner Welt öffnen, die seiner bedürfen, um zu neuer Größe zu finden, während der Rest der Galaxis vor die Hunde geht. (War ja klar, dass Frau Traviss ihren Mandos ein Happy End schenkt, auch wenn mittlerweile viele Leser das Wort „mando“ nicht mehr hören können.)

Zu guter Letzt geht es um Jacens Weihe zum Sith-Lord und um die letzte Prüfung, die er – einer befremdlichen Prophezeiung folgend – bestehen muss, um zum Sith zu werden. Er muss, so glaubt er, das töten, was er am meisten liebt. Worum es sich dabei handelt, wird er erst im Nachhinein erkennen (eine in meinen Augen übrigens etwas holprige Auslegung), aber dann hat er schon ein Opfer gebracht – das direkt danach ein weiteres Opfer nach sich zieht –, das ausnahmsweise dazu angetan ist, die „Star Wars“-Gemeinde zu erschüttern. Ich will nicht verraten, wen es trifft, aber es ist ein Hauptcharakter, und nach dessen Tod, so viel kann man schon sagen, wird sich der Tonfall in der „Wächter der Macht“-Reihe sicher spürbar verändern. Die Guten werden zusammenrücken. Die Fronten werden klarer und härter.

Das Buch enthält viele spannende Momente und treibt die Handlung der ganzen Reihe endlich mal spürbar weiter. Allerdings fühlt man sich ein wenig an eine Kurzgeschichtensammlung erinnert, denn die Momente bleiben für sich isoliert. Ein kontinuierlicher Spannungsbogen ist auch hier – wie schon in „Exil“ – nicht zu finden. Wir haben Bens Reise nach Corellia, Jacens Staatsstreich, Boba Fetts Suche nach einem Heilmittel und seine spätere Aufbauarbeit auf Mandalore. Dazwischen rennen Figuren wie Luke, Mara und Jaina etwas planlos umher, bis sie sich endlich – nach viereinhalb Romanen – eingestehen, dass Jacen der Böse ist. Und dann geht im Finale plötzlich alles ganz schnell …

Etwas enttäuscht ist man durch das weitgehende Fehlen von Han Solo und Leia. Überhaupt fehlt die ganze Corellianer-Fraktion, mit der wohl ausschließlich Aaron Allston spielen darf. Auch der Krieg geht nicht entscheidend weiter. Dass irgendwo eine Konföderation gegen die Galaktische Allianz kämpft, nimmt kurioserweise weniger Raum ein, als die „Aufsehen erregenden“ Nachrichten, dass die Mandos irgendeinen neuen Sternenjäger gebaut haben.

Neben der Hauptstory befindet sich noch die 90-seitige (!) Bonusstory „Boba Fett – Ein Pragmatiker“ in dem Buch, die erfreulicherweise aus der US-Taschenbuchausgabe mitübersetzt wurde und die zur Zeit des Yuzzhan-Vong-Kriegs spielt.

Fazit: Die halbe Wegstrecke des „Wächter der Macht“-Zyklus’ ist bewältigt und in Karen Traviss’ Roman „Opfer“ entwickelt sich auch genug, um der zweiten Hälfte neuen Schwung zu verleihen. Der Roman mag zwar seine Längen haben, er mag auch mit Jacen juristischen Winkelzügen unbefriedigende und mit Boba Fetts Lebensleid uninteressante Momente beinhalten, doch alles in allem wird die titelgebende Opfer-Thematik vielschichtig und mit zum Teil dramatischen Folgen umgesetzt. Der Tod einer wichtigen Hauptfigur erschüttert dabei sowohl Leser als auch unsere Helden. Die Auswirkungen wird man aber wohl erst in den Folgeromanen zu spüren bekommen, auf die ich nun gespannter blicke, als noch zuvor!


Star Wars: Wächter der Macht 5: Opfer
Film/Serien-Roman
Karen Traviss
Blanvalet 2009
ISBN: 978-3-442-26597-8
640 S., Taschenbuch, deutsch
Preis: EUR 9,95

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