Star Wars: Vader Down

Darth Vaders gilt als echter Bad-Ass-Bösewicht, ein Ruf, der aber gar nicht mal so sehr in den ursprünglichen Kinofilmen etabliert wurde. Klar, Vader ist eine Macht, eine dunkle Präsenz, vor der sich alle fürchten. Er scheint ein guter Pilot zu sein (wenn auch nicht so gut wie Han Solo), ein leidlich guter Schwertkämpfer (der beim Duell in der Wolkenstadt selbst von einem kaum ausgebildeten Luke eine ganze Weile beschäftigt wird) und er kann halt Leute erwürgen. Sein Mythos rührt allerdings vor allem von der schwarzen Panzerung her, die er trägt. Und aus Videospielen, Romanen und Comics, in denen er deutlich mehr auf dem Kasten hat als auf der Kinoleinwand gezeigt. Ein Beispiel dafür ist „Vader Down“.

von Frank Stein

Der Comic-Band läuft auch unter dem Namen „Star Wars Reprint 6 – Darth Vader – Vader Down“ und versammelt die US-Heftausgaben „US-Star Wars – Vader Down #1-#6“ von 2017. Obwohl dem Anschein nach als eigenständige Mini-Serie angelegt, ist die Handlung erneut extrem in die beiden Heftserien „Star Wars“ und „Star Wars – Darth Vader“ eingebunden. So schließt sie auf Vaders Seite nicht nur absolut unmittelbar an den Comic-Sammelband „Star Wars – Darth Vader: Schatten und Geheimnisse“ an, sondern widmet sich auch weiter der Suche von Luke Skywalker nach den Vermächtnissen der Jedi aus der Schwesterserie. Eine eigenständige Lektüre ist zwar Dank des erklärenden „Rolltextes“ zu Beginn möglich, allerdings wird man trotzdem die Beziehungen der Figuren – etwa zwischen Vader und Doktor Aphra oder Vader und Commander Karbin – nicht richtig begreifen.

„Vader Down“ ist fast ein Kammerspiel, das sich vollständig in einem unwirtlichen Landstrich rund um die Ruinen eines alten Jedi-Tempels auf dem Planeten Vrogas Vas abspielt. Dort glaubt Vader nach Informationen, die er in „Schatten und Geheimnisse“ gesammelt hat, Luke aufzuspüren, den Zerstörer des Todessterns (und sein Sohn). Was er stattdessen vorfindet, sind mehrere Staffeln X-Flügler, die dort gerade eine Übung abhalten. Schon im entbrennenden Raumkampf zeigt sich, was für ein übernatülich guter Kämpfer Vader ist. Erst ein selbstzerstörerisches Manöver der Rebellen bringt seinen Jäger zum Absturz. Doch damit ist die Schlacht nicht geschlagen. Gegen Dutzende, ja vielleicht sogar hunderte Rebellen zeigt Vader, was ein dunkler Lord der Sith so drauf hat.

Das wirkt bisweilen schon etwas übertrieben. Vaders Fähigkeit, sich zahlloser Gegner zu erwehren, kommt zweifellos echt bad-ass-mäßig daher, aber man fragt sich schon gelegentlich, ob es denn für Machtanwender wirklich keinen Gegner gibt außer einem anderen Machtanwender. Wenn man sich dann allerdings vor Augen hält, wie sich Jedi wie Mace Windu oder Kit Fisto in den Klonkriegen durch Heere von Kampfdroiden gemäht haben, steht Vaders Gabe, sich die Widerständlerarmee erfolgreich vom Leib zu halten, ja sie sogar im Dutzend zu dezimieren, wieder in Relation. Es ist halt auch seine Serie, in der dieser Sechsteiler angesiedelt ist, und in seiner Serie ist er nunmal der Held, wenn auch ein mörderischer, düsterer Held.

Neben dem Kampf, den Vader sage und schreibe sechs Heftausgaben lang ausficht (es geht um nichts anderes in „Vader Down“ als um diese Mega-Konfrontation auf Vrogas Vas), treiben sich auch Luke, Han, Leia, Chewie, C-3PO und R2-D2 auf der einen sowie Doktor Aphra, 0-0-0, BT-1, ein Wookiee-Kopfgeldjäger namens Black Krrsantan, das fiese Mon-Calamari-Cyber-Experiment Commander Karbin und ein Haufen spät eingetroffener Sturmtruppen auf der anderen Seite in der staubigen Einöde herum. Dabei findet jeder seinen dunklen Widerpart, mit dem er zu ringen hat, und zwischenzeitlich verschieben sich auch die Bündnisse, denn der Imperiale Karbin und seine Truppen sind keineswegs auf Vaders und Aphras Seite, sondern vielmehr Rivalen mit einer eigenen Agenda. Das führt zu interessanten Rettungen in mancher letzten Sekunde, aber auch zu Verrat und erzählerischen Wendungen, die das Drama  aus der Feder von Jason Aaron und Kieron Gillen auf knapp 150 Seiten hoch halten.

Am Zeichenstift ist diesmal neben Salvador Larocca noch Mike Deodato aktiv. Laroccas feinliniger Stil weiß nach wie vor zu gefallen. Deodato jedoch setzt nochmal ein ganzes Level drauf. Allein die ersten beiden Seiten des Comics sind ein optischer Leckerbissen und Comic-Kunst vom Feinsten. Auch im weiteren Verlauf ist das qualitative Niveau echt hoch und wird durch mitunter ganzseitige und doppelseitige Schlachtengemälde aufgewertet. Die Farbstimmungen und die spektakulären Feuereffekte von Frank Martin Jr. und Edgar Delgado sind daran nicht unwesentlich beteiligt.

Mit einer schönen Bildergalerie, die posterreife Cover von Mark Brooks präsentiert, wird der Comic abgeschlossen.

Fazit: Mit „Vader Down“ zieht Marvel alle Register. In großartigen Illustrationen wird eine dramatische, wendungsreiche Story erzählt, die für jeden der Protagonisten seine eigene Herausforderung bietet. Dabei gelingt es den Machern erstaunlicherweise, sowohl Vader als auch Luke und seinen Freundem am Ende einen Teilsieg zu gönnen. Damit wird der Comic-Reihe „Star Wars – Darth Vader“ ein weiteres, absolut lesenswertes Kapitel hinzugefügt.

Star Wars: Vader Down
Comic
Jason Aaron, Kieron Gillen, Salvador Larroca, Mike Deodato u.a.
Panini Comics 2017
ISBN: 978-3-7416-0270-2
142 S., Softcover, deutsch
Preis: EUR 16,99

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