Star Wars – The Clone Wars 7: Die tödlichen Hände von Shon-Ju

Die Comic-Reihe zur erfolgreichen TV-Serie geht weiter. Im siebten Sammelband, der ein zuerst im Magazin „The Clone Wars“ (Ausgaben #23 bis #27) veröffentlichtes Abenteuer zusammenfasst, findet sich Jedi-Meisterin Aayla Secura alleine hinter feindlichen Linien wieder. Unerwartet stößt sie dabei auf Shon-Ju, einen verstoßenen Padawan, der seine eigene Vorstellung von der Macht entwickelt hat. Ist er ein Verbündeter oder wächst hier eine neue Bedrohung für die Jedi heran?

von Frank Stein

Der Comic beginnt mit einem Prolog, der für die meisten jungen Leser unverständlich sein dürfte, denn er bezieht sich auf eine Geschichte, die in Deutschland vor gut zehn Jahren, im Mai und Juni 2002, erschienen ist. Damals wurden Aayla Secura, der beliebten blauhäutigen Twi’lek-Jedi, durch Drogen die Erinnerungen geraubt, und sie machte auf dem Planeten Kiffex Jagd auf Quinlan Vos, den Helden der damaligen „Republik“-Comic-Reihe, zu der auch dieses Abenteuer gehörte. Zehn Jahre ist das zum Zeitpunkt der vorliegenden Klonkriegs-Handlung auch im „Star Wars“-Universum her, und noch immer hängen ihr Yodas weise Sprüche nach, der ihr damals riet, sich nicht von Vergangenheit und Zukunft blenden zu lassen, sondern nur darauf zu achten, wo sie heute steht.

Heute steht sie auf Cavamina Minor, einem keinen, kalten Mond, auf den es sie während der Wirren der Klonkriege verschlagen hat. Verfolgt von Söldnern des berüchtigten Kriegsgewinnlers Attuma Duum tritt sie auf eine Gruppe waffenloser Kämpfer, die den Schurken mit Handkante und Roundhouse-Kick den Spaß an der Jagd auf die verletzte Jedi nehmen. Die Gruppe nimmt Aayla mit sich, und so erfährt sie von Shon-Ju, dem ehemaligen Padawan, der seine eigene Vorstellung von der Macht entwickelt hat und diese nun an willige Schüler weitergibt. Das Ganze erinnert natürlich an eine asiatische Kampfsportschule, eine Variation des ebenso fernöstlich inspirierten Jedi-Daseins, die so naheliegend scheint, dass man sich wundert, warum noch kein anderer Autor bislang darauf gekommen ist.

Ansonsten ist die Story verhältnismäßig konservativ. Man verbündet sich, um dem Fiesling Attuma Duum das Handwerk zu legen, der seinerseits alles dafür tut, dass die Klonkriege mit unverminderter Heftigkeit fortgeführt werden – denn nur so wird er immer reicher. Schließlich, und das finde ich nun fast schon schade, zeigt sich dann doch, dass nur klassisch ausgebildete Jedi echte Jedi sein können. Den Außenseitern wird hier keine Chance eingeräumt. Das ist bedauerlich, weil das „Star Wars“-Universum im Grunde immer ein Herz für Außenseiter hatte – nicht zuletzt Luke Skywalker hat sich die Macht mehr oder weniger als Autodidakt erschlossen. Dieses Manko am Ende wird jedoch durch ein paar nette Ideen in der Handlung wettgemacht, sodass hier eine der interessanteren Ausgaben der „The Clone Wars“-Reihe vorliegt.

Visuell wird leider einmal mehr eher schnell dahingepinselte Ware geboten. Die Illustrationen von Brian Koschak orientieren sich zwar stärker an den gewöhnlichen Comics als an dem kantigen Action-Stil der Fillbach Brothers, doch er arbeitet mit groben Linien und bleibt oft detailarm. An manchen Panels kann man sehen, dass er durchaus Gesichter, Anatomie und szenisches Umfeld beherrscht. Aber offenbar verlangte diese Auftragsarbeit nicht wirklich danach.

Fazit: Eine Geschichte mit guten Ansätzen, die im Falle von Shon-Ju – wenn man genau darüber nachdenkt – auch den Jedi-Orden in etwas fragwürdigem Licht dastehen lässt. Der Kampf gegen den Bösewicht der Woche nimmt sich dagegen eher gewöhnlich aus, wenngleich die Figur wenigstens einen netten Twist aufzuweisen hat.  Ich würde das Ganze im Mittelfeld verorten. Visuell bekleckert sich der Comic leider einmal mehr nicht mit Ruhm.


Star Wars – The Clone Wars 7: Die tödlichen Hände von Shon-Ju
Comic
Jeremy Barlow, Brian Koschak
Panini Comics 2012
ISBN: 978-3-86201-389-0
80 S., Softcover, deutsch
Preis: EUR 9,95

bei amazon.de bestellen