Star Wars – The Clone Wars 6: Schlacht um Khorm

Die Comic-Reihe zur populären „Star Wars – The Clone Wars“-TV-Serie geht in die sechste Runde. Diesmal verschlägt es die Jedi-Meister Kit Fisto und Plo Koon auf den Eisplaneten Khorm, wo sich die Republik mit den Separatisten anlegt, um die Einheimischen vor Tyrannei zu bewahren und um seltene Rohstoffe für die Waffenproduktion zu sichern. Soweit alles beim Alten. Witzig wird diese „Episode“ durch den Auftritt eines alten Bekannten: Ein Offizier namens Ozzel verdient sich hier ein paar frühe Sporen (oder auch nicht).

von Frank Stein

Ich möchte nicht zynisch klingen, aber manchmal kommen mir die Geschichten zu den Klonkriegen vor, wie aus einem W20-Storygenerator für Rollenspiele. Man nehme 1W6 Protagonisten, darunter Jedi und Klonsoldaten, würfle deren Namen in Liste A aus und bringe sie dann nach Planet X (siehe Liste B), damit sie gegen Gegner Y (Liste C – eher kurz, weil es fast immer General Grievous oder Asajj Ventress sind) antreten und dadurch Einheimische retten, Rohstoffe sichern, eine Fabrik zerstören oder ein Bündnis schmieden können (Liste D). Das fiel mir schon in der Vergangenheit auf, und in diesem Comic bemerkt man es extrem, weil nach der Hauptstory eine Bonusstory zu finden ist, die genau den gleichen Konflikt erzählt, nur heißt der Rohstoff einmal Agrozit und einmal Exonium. Gut, die Comics richten sich an Kinder, aber merken selbst die nicht irgendwann das Schema F?

Na gut, genug der Spielereien mit einzelnen Großbuchstaben. Kommen wir zum Inhalt. Der Comic erzählt von einer Spezialmission, auf der sich Kit Fisto und Plo Koon befinden, der dreiste Jungspund unter den Jedi-Meistern und der geheimnisvolle Atemmaskenträger, dessen Alter niemand so genau kennt (ein Running Gag im Laufe der Story). Begleitet werden sie von ein paar beinharten Klonsoldaten, die ihre Mission über alles stellen und erstmal lernen müssen, dass es nicht nur darum geht zu siegen, sondern auch darum, wie man siegt. Anführer der militärischen Streitkräfte ist ein gewisser Major Ozzel, den die älteren Semester unter uns als glücklosen Admiral kennen, der in „Das Imperium schlägt zurück“ den Angriff auf Hoth beinahe versaut und von Darth Vader dafür in einer wirkungsvollen Demonstration der Dunklen Seite der Macht erwürgt wird.

Auch hier zeichnet sich Ozzel durch eine eher unbedachte Vorgehensweise aus. Blind reinstürmen ist seine Devise, schnell abhauen, um das eigene Leben zu retten, wenn der Vorstoß schiefgegangen ist, sein Plan B. Er tut einem fast leid, denn während Ozzel im Film eher Pech hat und dafür bitter bezahlt, wird er hier als inkompetente Null, als Witzfigur präsentiert. Andererseits erzählt die „The Clone Wars“-Serie durch die Bank in grellen Farben und überzeichneten Figuren, insofern ist diese Darstellung des zukünftigen Imperialen wohl die legitime Übertreibung.

Diese ganze Truppe verschlägt es nach Khorm, wo walroßartige Aliens in Steampunk-Anzügen mit integrierter Dampfheizung leben und einen wertvollen Rohstoff namens Agrozit abbauen, den natürlich sowohl die Republik, als auch die Separatisten gerne hätten. Es kommt zu den typischen Schlachten zwischen Klonen und Droiden. Währenddessen leisten sich Kit Fisto und Plo Koon ein Katz-und-Maus-Spiel mit der Attentäterin Asajj Ventress. Und am Ende steht alles auf Messers Schneide. Das Ganze wird von Henry Gilroy flott inszeniert und macht eigentlich, obwohl die Handlung das Rad nicht neu erfindet, durchaus Spaß zu lesen.

Es ist vielleicht wichtig anzumerken, dass der Comic nicht dem Grafikstil der Fillbach Brothers folgt, deren kantiges Action-Painting die Reihe bislang dominiert hat. Stattdessen bietet Zeichner Scott Hepburn weitgehend typische Comic-Ware, die das Kantige nur noch andeutet. Es gibt sicher schönere „Star Wars“-Comics, aber dennoch liegt dieser hier qualitativ deutlich über den Bildergeschichten der Fillbach Brothers.

Die achtseitige Bonusstory spielt auf Rishi, wo erneut Kit Fisto gefragt ist, der eine Stellung der Geonosioner einnehmen muss, um deren Exodium-Abbau zu stören. Diese Story liefert übrigens auch das Titelbild, was auf den ersten Blick etwas seltsam erscheint, aber optisch besser in die Reihe passt als die Originalcover der „Schlacht um Khorm“-Story (im Englischen der Dreiteiler „In the Service of the Republic“). Es soll auch noch angemerkt werden, dass die „Schlacht um Khorm“ ein Reprint eines Panini-Comic-Heft-Dreiteilers von 2009 ist. Die Ausgaben 76, 77 und 78 sind hier erstmals versammelt. „Spießrutenlauf“ erschien erstmals beim Gratis-Comic-Tag 2010.

Fazit: Im Grunde bietet „Schlacht um Khorm“ fast alles, was man von „Star Wars“ erwartet: Klonkrieger gegen Kampfdroiden, einen draufgängerischen und einen weisen Jedi, exotische Aliens, intrigante Offiziere und Asajj Ventress als wiederkehrende Gegnerin-der-Woche. Leider beschleicht einen das Gefühl, solcherlei Stories schon wiederholt gelesen zu haben. Es fehlt an der Charaktertiefe und der Dramatik anderer „Star Wars“-Reihen, die nicht rein episodisch, sondern seriell erzählen (etwa „Knights of the Old Republic“). Junge Leser mag das weniger stören. Ältere Semester beginnen sich langsam zu wünschen, dass die Klonkriege ein Ende finden und andere Epochen (etwa „Legacy“ oder „Old Republic“ oder gerne auch die Ära der Yuuzhan Vong) stärker in den Fokus rücken.


Star Wars – The Clone Wars 6: Schlacht um Khorm
Comic
Henry Gilroy, Steven Melching, Scott Hepburn
Panini Comics 2012
ISBN: 978-3-86201-388-3
96 S., Softcover, deutsch
Preis: EUR 9,95

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