Star Wars – Legacy II.1: Zwischen den Welten

Wir befinden uns 138 Jahre nach der Schlacht um Yavin. Die Galaxis ist ein anderer Ort als noch zu Luke Skywalkers Zeiten. Nach einem langwierigen Krieg gegen die Sith unter Darth Krayt herrscht nun ein sogenanntes Galaktisches Triumvirat, dem unter anderem Imperatorin Marasiah Fel, eine Nachfahrin des berühmten imperialen Flieger-Asses Baron Soontir Fel, angehört. Als Teil der neuen Bemühungen, einen dauerhaften Frieden in der Galaxis zu gewährleisten, werden Randwelten durch ein Kommunikationsnetz verknüpft. Doch im Carreras-System kommt es dabei zu Problemen.

von Bernd Perplies

Die „Star Wars – Legacy“-Reihe war eines der großen Experimente von Dark Horse in der zweiten Hälfte der 2000er Jahre. 130 Jahre nach der Schlacht von Yavin angesiedelt, sollte die ferne Zukunft des „Star Wars“-Universums erforscht werden, in der die Nachfahren bekannter Helden ihre ganz eigene Saga erleben. Der erste große Handlungsbogen der Reihe, aus der Feder von John Ostrander, erschien in Deutschland zwischen 2007 und 2011 in zehn Sonderbänden („Legacy I“ bis „Legacy IX“ und „Legacy: Krieg“) und handelte von Cade Skywalker, dem Erben der Skywalker-Linie, der in Kämpfe mit neuen Sith und einem neuen Imperium verstrickt wurde.

Mit „Zwischen den Welten“ beginnt in Sonderband 78 jetzt ein neuer Handlungsbogen in der „Legacy“-Reihe. Er wird von dem Autorenehepaar Corinna Bechko und Gabriel Hardman geschrieben und gezeichnet und stellt Ania Solo in den Mittelpunkt, die Erbin der Solo-Linie. Diese lebt zu Beginn als Schrotthändlerin auf einem Planet am Außenrand. Eines Tages erhält sie in einer Schrottlieferung einen überraschend hoch technisierten Droiden. Als sie ihn ihrem Freund, dem Mon-Cal-Ingenieur Sauk, zeigt, fällt dem bei der Untersuchung ein Lichtschwert in die Hände. Richtig übel wird die Geschichte, als Ania versucht, das wertvolle Fundstück loszuschlagen. Auf einmal wird sie von Soldaten gejagt und von einem imperialen Ritter und irgendwie hängt auch ein Sith in der Angelegenheit drin. Der Boden wird heiß für die kleine Gaunerin – und als sie dem Rätsel auf die Spur kommen will, wird alles noch schlimmer.

Der Reiz der „Legacy“-Reihe liegt zu einem nicht geringen Grad in der Betrachtung des namhaften Erben einer berühmten „Star Wars“-Familie, dessen Leben ganz anders und doch so ähnlich wie das seiner berühmten Ahnen verläuft. Cade Skywalker bewegte sich im Spannungsfeld zwischen seinem Kopfgeldjäger-Dasein und seinem Jedi-Erbe. Ania Solo kommt als Draufgängerin und Schurkin mehr nach ihrem Ururgroßvater. Schön ist in diesem Fall die Variation des Heldenduos. Waren Han und Chewie das ursprüngliche Team aus Draufgänger und nichtmenschlichem Techniker, sind es hier Ania und der Mon-Cal Sauk, der übrigens mit Kämpfen überhaupt nichts am Hut hat. Auch der „weise“ Attentäterdroide AG-37 als Mentor und der junge farbige imperiale Ritter als Machtanwender sind interessante Variationen von bekannten Figuren (hier Ben Kenobi und Luke Skywalker aus „Episode IV“).

Verbindungen zu den früheren „Legacy“-Abenteuern werden nur in Form von im Hintergrund agierenden Nebenfiguren hergestellt. So steht Imperatorin Marasiah Fel hinter dem Projekt eines Kommunikationssystems für den Außenrand, in dessen Umfeld sich die Geschehnisse um einen neuen Sith und Ania Solo abspielen. Auch der ihr stets zur Seite stehende Antares Draco ist eine Mitnahme aus den Cade-Skywalker-Geschichten. Doch im Grunde braucht man nicht viel Vorwissen um die früheren „Legacy“-Abenteuer mitzubringen. „Zwischen den Welten“ beginnt eine neue Geschichte mit neuen Helden, die gut zu verstehen ist, wenngleich einem die Galaxis nicht aufs Neue erklärt wird und Unwissende vielleicht an ein oder zwei Begrifflichkeiten (wie beispielsweise dem regierenden Triumvirat und überhaupt den politischen Verhältnissen) anecken werden.

Optisch ist der Comic von Gabriel Hardman fantastisch in Szene gesetzt. Sein Pinselstrich ist leicht abstrakt und doch wundervoll detailliert und atmosphärisch. Die Figuren sind perfekt umgesetzt, schön anzusehen und in ihrer Mimik gut getroffen. Wer sich Hardmans Lebenslauf anschaut, wundert sich nicht über die Qualität. Der Mann hat schon fast alles gezeichnet, von „Avengers“ bis „X-Men“ und auch als Filmillustrator an diversen Superheldenfilmen mitgewirkt. Mich hat er mit seinem fast europäisch wirkenden Graphik-Novel-Stil jedenfalls überzeugt.

Fazit: „Zwischen den Welten“ beginnt eine neue Geschichte aus der „Legacy“-Ära, spannend erzählt und fantastisch illustriert. Unter den vielen „Kindergeschichten“, die „Star Wars“ in den letzten Monaten so zu bieten hatte, ragt dieses Werk wohltuend erwachsen hervor. Eine Empfehlung, auch für Leute, die den Abenteuern von Cade Skywalker keine Aufmerksamkeit geschenkt haben. Die Geschehnisse um die draufgängerische Ania Solo versteht man auch mit wenig Hintergrundwissen gut. (Sofern man bereit ist, manche Dinge – gerade politischer Natur – einfach hinzunehmen.)


Star Wars – Legacy II.1: Zwischen den Welten
Comic
Corinna Bechko, Gabriel Hardman
Panini Comics 2014
ISBN: 978-3-86201-819-2
124 S., Softcover, Deutsch
Preis: EUR 14,99

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