Star Wars: Das Vermächtnis der Jedi

Yoda, Count Dooku, Qui-Gon Jinn, Obi-Wan Kenobi und Anakin Skywalker: Das sind die Namen der Jedi, die die Prequel-Trilogie bisher geprägt haben. Während die ersten beiden sozusagen die Feldherren der zwei im Konflikt befindlichen Parteien sind, entwickelt sich am Schicksal der letzten drei die Geschichte, die vom Aufstieg und Fall eines jungen Mannes in der Macht erzählt. Sie alle sind die Protagonisten in dem neuen Roman von Star-Wars-Jugendbuchautorin Jude Watson „Das Vermächtnis der Jedi“.

von Bernd Perplies

Genau genommen handelt es sich nicht um einen geschlossenen Roman, sondern um eine Sammlung von vier Kurzgeschichten, die sich über einen Zeitraum von 68 Jahren erstreckt und deren verbindendes Element einerseits das Weitertragen der Lehre der Jedi von Generation zu Generation ist, andererseits die fragwürdige Persönlichkeit von Lorian Nod, dessen Geschichte hier eigentlich erzählt wird, auch wenn er immer nur als Reibungsfläche für die oben aufgeführten „Helden“ dient.

In der ersten Episode sind Lorian und Dooku beides junge Padawane im Jedi-Tempel. Während Dooku ein Vorzeigeschüler ist, der auch bereits einen eigenen Meister erhalten hat, fürchtet Lorian um seine Zukunft als Jedi, denn niemand will ihn als Schüler annehmen. Eine unbedachte Lüge führt zum Vertrauensbruch zwischen den beiden Freunden und während eines sportlichen Wettkampfs entwickelt sich aus Rivalität eine regelrechte Feindschaft. Am Ende muss Lorian für seinen jugendlichen Leichtsinn bezahlen.

13 Jahre später begleiten Meister Dooku und sein Padawan Qui-Gon einen Senator als Leibwache auf seinem Flug nach Coruscant. Ein Pirat treibt sein Unwesen, der Senatoren entführt und Lösegelder für sie kassiert. Tatsächlich wird auch ihr Raumschiff angegriffen und der Pirat kann auf wundersame Weise mit dem Senator fliehen. Die beiden Jedi nehmen die Verfolgung auf und treffen dabei auf einen alten Bekannten.

32 Jahre später machen Meister Qui-Gon Jinn und sein Padawan Obi-Wan Zwischenstopp auf dem Planeten Junction 5, der sich in einer Art kaltem Krieg mit seinem Mond Delaluna (sehr fantasievoller Name... de la luna ...) befindet, leben seine Bewohner doch in ständiger Angst vor einer ominösen Superwaffe des Feindes. Dieses Klima der Paranoia hat sich eine repressive Gruppierung namens „Die Wächter“ zunutze gemacht, um praktisch alle Lebensbereiche der Bevölkerung zu kontrollieren. Qui-Gon und Obi-Wan nehmen sich der Problematik an. Und dreimal dürft ihr raten, wer Chef dieser fragwürdigen Vereinigung ist ...

Und nochmal 23 Jahre später – jetzt endlich erreichen wir die Passage, die als Entschuldigung für die Herausgeber herhalten muss, um den verkaufsfördernden Untertitel „Ein Klonkriegsroman“ auf das Cover zu drucken. Lorian Nod taucht im Jedi-Tempel in Coruscant auf, um sich als Spion für die Republik anzubieten. Nach einem langen Leben voller Fehler will er endlich mal was Gutes tun und wenn er dabei gleichzeitig gegen seinen alten Rivalen Dooku vorgehen kann, der Nod und seine Allianz aus Planeten des Mittleren Rands für sich gewinnen will, umso besser. Natürlich traut man dem gefallenen Padawan von einst nicht wirklich und so werden Meister Obi-Wan Kenobi und sein Padawan Anakin als geheime Beobachter nach Null geschickt, wo die Verhandlungen zwischen dem Separatistenführer und den Allianzvertretern stattfinden sollen. Dann geschieht ein Mord und alles Misstrauen scheint sich zu bestätigen.

„Das Vermächtnis der Jedi“ ist ein Kinderbuch, das zeigt sich schon daran, dass es von Jude Watson, der Autorin der Jedi-Padawan-Reihe, geschrieben wurde und bei Panini erschienen ist. Entsprechend darf man keine Vergleiche mit aktuellen Star-Wars-Highlights wie etwa Mace Windu und die Armee der Klone ziehen. Isoliert betrachtet sind die vier Episoden ganz nett zu lesen, sind allerdings inhaltlich relativ schlicht, wenn sie auch ein nicht unbedeutendes Vorwissen um Ereignisse und Figuren anderer SW-Romane aus der Feder Watsons vielleicht nicht zwingend erfordern, aber doch eindeutig belohnen. Man könnte „Das Vermächtnis der Jedi“ als eine Art Klammerroman um die verschiedenen Buchreihen rund um die Abenteuer des jungen Obi-Wan und des jungen Anakins verstehen. Oder als Gestalt gewordenen Wunsch der Autorin, alle namhaften Jedi zwischen den Buchdeckeln eines Einzelwerks zu versammeln. Nichts, was die Galaxis irgendwie weiterbewegt und somit auch nichts, was man unbedingt gelesen haben müsste. Junge Fans sollten sich da lieber an die Padawan-Reihe oder – im Falle einer Affinität für die Classic-Charaktere – die „Young Jedi Knight“-Romane von Kevin J. Anderson und Rebecca Moesta halten.

Ein lobendes Wort zur Aufmachung: Die Buchseiten bestehen aus stabilem, griffigen Papier und der Einband ist erfreulicherweise so weich und gleichzeitig widerstandsfähig, dass man auch nach beendeter Lektüre keine Abnutzungserscheinungen erkennen kann. (Für Buchliebhaber wie mich seeehr wichtig!) Das Cover zeigt in einer netten zeitlichen „Zickzacklinie“ vier Generationen von Jedi, vom jungen Dooku über Qui-Gon Jinn und Obi-Wan bis hin zu Anakin, wobei als alter Übervater von allen der gute Yoda natürlich nicht fehlen darf.

Fazit: „Das Vermächtnis der Jedi“ von Jude Watson ist eher eine Kurzgeschichtensammlung als ein durchgängiger Roman – und ein Klonkriegsroman ist er schon gar nicht (dafür ist die Passage am Ende des Buches zu kurz und eigentlich auch zu unbedeutend). Von der Aufmachung her sehr hübsch, inhaltlich aber mehr oder minder unbedeutend, ist das Buch eigentlich nur für Komplettisten unter den SW-Lesern interessant.


Star Wars: Das Vermächtnis der Jedi
Film/TV-Roman
Jude Watson
Dino 2004
ISBN: 3-8332-1073-7
236 S., Taschenbuch, deutsch
Preis: EUR 6,95

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