Star Wars: Das Gefängnis der Rebellen

Frauen in „Star Wars“, das war lange ein leidiges Thema. Mit Prinzessin Leia schuf George Lucas 1977 eine ikonische Filmheldin. Ansonsten konnte man die weiblichen Figuren, die auch nur einen Satz sagen, an einer Hand abzählen. In den Prequels wurde das nur bedingt besser. Seit Disney heißt es in „Star Wars“ sowohl hinter als auch vor den Kulissen: Frauen an die Macht! In „Das Gefängnis der Rebellen“ schlagen gleich drei Heroinen kräftig zurück.

von Frank Stein

Der Comic-Band läuft auch unter dem Namen „Star Wars Reprint 7 – Das Gefängnis der Rebellen“ und versammelt die US-Heftausgaben „US-Star Wars #15-19“ sowie das „Star Wars Annual #1“ von 2017. Enthalten sind die Hauptstory, das Kurzabenteuer eines Rebellenagenten als Vorgeschmack sowie der nächste Eintrag von Obi-Wan Kenobis Tagebuch auf Tatooine zum Nachtisch. Die Hauptstory ist in sich abgeschlossen, aber dennoch für sich genommen nur mit halber Freude genießbar. Eigentlich sollte man auch die vorherigen Bände der „Star Wars“-Reihe kennen und optimalerweise noch die Geschwisterserie „Star Wars – Darth Vader“, denn die Handlung führt direkt die Geschichte aus „Star Wars: Vader Down“ weiter.

Die Vorgeschichte schildert den Versuch des auf Coruscant eingeschleusten Rebellenagenten Eneb Ray, einige Senatoren zu befreien, die hingerichtet werden sollen, weil sie dem Imperator nicht mehr genehm sind. Dabei ergibt sich die Gelegenheit, Palpatine selbst anzugreifen. Natürlich ist dem Agenten nicht klar, mit welchem Feind er sich da anlegt. – Die Geschichte ist kurz, in meinen Augen nicht ganz schlüssig (wer lässt eine Gruppe Kapuzenleute ungeprüft und unbewacht zum Imperator?) und mit erwartbarem Ausgang. Ein Appetithappen, nicht mehr.

In der Hauptstory überführen Prinzessin Leia und die harte Schmugglerin Sana Starros die gefangene Schurkin Doktor Aphra zu einem geheimen Rebellengefängnis namens Sunspot, das sich in einem abgelegenen System in unmittelbarer Umgebung einer Sonne verbirgt. Dorthin kommen nur die übelsten Verbrecher des Imperiums, die Sicherheitsvorkehrungen sind (angeblich) entsprechend stark. Doch kaum sind die drei Frauen dort angekommen, ereignet sich ein Angriff auf die Einrichtung und ein maskierter Rächer übernimmt die Station. Leia, Sana und Aphra müssen ein fragwürdiges Bündnis eingehen, um den gemeinsamen Feind zu bezwingen.

Die Geschichte hat ein interessantes Thema, geht sie doch der Frage nach, wie man als „Guter“ mit den richtig Bösen umgehen sollte. Gewährt man auch „Monstern“ Menschenrechte oder macht man die Galaxis nicht zu einem besseren Ort, wenn man sie stattdessen einfach tötet? Weniger gut hat mir der Umgang mit den Geschlechtern in diesem Comic gefallen. Es zieht sich neuerdings wie eine nebelhafte rote Linie durchs „Star Wars“-Universum, dass Frauen stark und klug sind, diejenigen, die den Durchblick haben, das moralische Oberwasser und die coolsten Nahkampf-Moves, während Männer entweder als kurzsichtige Hotshots oder scheiternde Möchtegernhelden präsentiert werden. Hier merkt man das deutlich an den beiden Teams Leia, Sana und Aphra links und Han Solo sowie Luke Skywalker rechts. Während die einen zynische One-Liner raushauen und gleichzeitig Fäuste und Blaster sprechen lassen, werden Han und Luke allein zum Comic-Relief eingebaut. Sie tragen nichts zur Handlung bei, außer ein paar Lacher auf ihre Kosten, denn alles, was sie großspurig angehen wollen, scheitert natürlich kläglich. Ich finde es gut, dass sich „Star Wars“ um ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis bemüht. Und gerade Doktor Aphra ist ein wunderbar düsteres, weibliches Gegenstück zu Han Solo. Doch wenn ein Autor – hier Jason Aaron – nichts mit den männlichen Protagonisten der Saga anzufangen weiß, sollte er sie meines Erachtens einfach weglassen.

Zu guter Letzt erleben wir einmal mehr Obi-Wan Kenobi, der im Exil auf Tatooine auf den jungen Luke aufpasst. Als er ihm nach einem Unfall mit dem T16-Skyhopper unter die Arme greifen will, gerät er mit dem Onkel des Jungen, Owen Lars, aneinander. – Auch diese Geschichte ist eher eine kleine Episode der großen Saga. Sehr gelungen finde ich allerdings den Versuch von Illustrator Mike Mayhew, die Figuren als Mischung aus ihren jeweiligen Schauspielern in den Prequels beziehungsweise der klassischen Trilogie zu zeichnen. So glaubt man beispielsweise in Obi-Wan sowohl Züge von Ewan McGregor als auch Alec Guiness zu erkennen. Auf diese Weise findet eine langsame Transformation der Figur statt, die eine schöne Brücke zwischen den Trilogien schlägt.

Die obligatorische Covergalerie schließt den Band ab.

Fazit: Ich muss gestehen, ich finde die „Vader“-Schwesterreihe aktuell stärker als ihr Rebellen-Pendant. Während mit der Suche von Vader nach seinem Platz im Imperium (und Luke Skywalker) ein starker roter Faden die Richtung weist, bleibt die Rebellen-Reihe episodisch und komischerweise auch überhaupt nicht auf die Flucht der Rebellen nach dem Verlust der Basis auf Yavin IV fokussiert (oder die Suche nach einer neuen Heimat). Es fühlt sich an, als würde die Reihe nur der anderen zuarbeiten. Eine interessante moralische Frage auf der Habenseite und eine Verschwendung der Figuren Han und Luke auf der anderen platzieren diesen Comic für mich im Mittelfeld. Sehr gelungen ist allerdings die weitere Episode aus dem Leben von Obi-Wan auf Tatooine.

Star Wars: Das Gefängnis der Rebellen
Comic
Jason Aaron, Kieron Gillen u. a.
Panini Comics 2017
ISBN: 978-3-7416-0269-6
144 S., Softcover, deutsch
Preis: EUR 16,99

bei amazon.de bestellen