Star Wars – Das Erbe der Jedi-Ritter 04: Der Untergang

Harrison Ford war es damals, der in der klassischen Trilogie den unwiderstehlich-schurkenhaften Draufgänger Han Solo verkörperte (ältere Semester unter uns erinnern sich sicher noch an diese unschuldige Pre-Prequel-Zeit). Durch sein Charisma wurden lässige Schmuggler für mich zum Inbegriff von „Star Wars“ – zusammen mit Sternenzerstörern, aber das ist eine andere Geschichte. Seitdem haben übermenschliche Jedi und unmenschliche Droiden die Bildfläche betreten und für sich erobert. Der – allzu menschliche – Schmugglertyp wurde zum Statist degradiert. Auch in der „Das Erbe der Jedi-Ritter“-Reihe (nomen est omen) war das bisher der Fall: Han Solo durfte gerade noch seinen treuen Sidekick Chewbacca verlieren und dann versumpfte der Charakter für zweieinhalb Bücher in irgendwelchen Spelunken. Doch jetzt ist er in James Lucenos „Der Untergang“ triumphal zurück – Vorhang auf und Solo für Solo!

von Bernd Perplies

 

„Der Untergang“ ist der vierte Band der lang laufenden Buchreihe und gleichzeitig das erste von zwei inhaltlich miteinander verknüpften – wenngleich durchaus auch einzeln lesbaren – Abenteuern, die in Band 5 „Die letzte Chance“ fortgeführt werden. Die Handlung setzt über Obroa-skai ein, dem Planeten, der zum jüngsten Opfer der Yuzzhan-Vong-Offensive geworden ist. Doch die fanatischen Alien-Invasoren, die als dunkle Bedrohung über die Galaxis hereingebrochen sind, verspüren einen Dorn im Auge: die Jedi-Ritter. Solange diese seltsamen galaktischen Friedenswächter und Symbole für Recht und Ordnung, die sich auf eine Macht berufen, die den Yuzzhan Vong fremd ist, existieren, glüht die Flamme der Hoffnung unter den unwürdigen Völkern. Und so plant der perfide Agent Nom Anor, die Priesterin Elan und ihr „Haustier“ Vegere (siehe Greg Bears „Planet der Verräter“) überlaufen zu lassen, auf dass sie in die Nähe der Jedi kommen und ein Attentat auf diese verüben können, das der Galaxis zeigt, dass auch seine Helden nicht unsterblich sind.

Auf Kashyyyk verabschiedet sich derweil Han Solo von seinem langjährigen Freund und Weggefährten Chewbacca, der bei der Rettung von Flüchtlingen auf Sernpidal umkam. Wie nie zuvor in seinem Leben fühlt sich der ehemalige Schmuggler und jetzige Held der Republik entwurzelt und orientierungslos. Er kann den Verlust nicht verkraften – und er will Rache. So kommt es ihm mehr als Recht, als ihn auf Coruscant Roa, ein alter Bekannter aus Schmugglertagen, auffordert, ihn auf einen privaten Kreuzzug zu begleiten. Ein früherer Kontakt von beiden, Reck Desh, hat sich als Söldner an die Yuzzhan Vong verkauft und muss gestoppt werden.

Was als parallele Handlung beginnt – Spionagethriller links, Rachefeldzug rechts –, findet bald über Ord Mantell zusammen, als Roa und Han auf ihrer Suche nach Reck Desh in einen Angriff der Yuzzhan Vong geraten, der Elans Glaubwürdigkeit als Verräterin untermauern soll. Bei diesem Zwischenfall gerät Roa in Gefangenschaft und Han trifft auf Droma, einen männlichen Ryn, der als Gaukler und Kartenleser sein Brot verdient, dem Corellianer aber vom Wesen her in vielerlei Dingen gleicht – eine Hassliebe auf den ersten Blick, wie sich schon bald zeigt. An Bord der „Queen of Empire“, einem heruntergekommenen Luxusliner, kommt es schließlich über Bilbringi zum großen Showdown, während dem Han Solo nicht nur einmal mehr über sich hinauswächst, sondern auch sein charakteristisches Grinsen wiederfindet.

Wie oben bereits erwähnt, war ich schon immer ein Freund des „schurkischen“, schmutzigen Teils der „Star Wars“-Galaxis. Insofern hebt sich dieses Buch erfreulich von den bisherigen Bänden der „Das Erbe der Jedi-Ritter“-Reihe ab, die sich vor allem um Jedi-Ritter und X-Wing-Piloten drehten. Hier steht Han Solo voll und ganz im Mittelpunkt, und Autor James Luceno schafft es mit stilsicherer Eleganz, den klassischen Harrison-Ford-Typ zum Leben zu erwecken. Dabei wird nicht nur ein Best-Of bekannter Solo-Oneliner geschickt eingeflochten („Manchmal übertreffe ich mich noch selbst ...“), es finden sich auch ein paar nette Varianten berühmter Filmszenen in der Handlung wieder (Hans und Dromas Flucht vor den Yuzzhan-Vong-Jägern über Ord Mantell erinnert sicher nicht zufällig an ein gewisses Asteroidenfeld am Rande des Hoth-Systems.) und zuletzt werden diverse Erinnerungen an frühe Abenteuer des Schmugglers geweckt, wenn der alte Roa auftaucht oder Han an Bord der „Queen of Empire“ geht, auf der auch schon seine verflossenen Liebe Bria Tharen so ihre Probleme gehabt hatte (nachzulesen in der „Han Solo“-Trilogie von A. C. Crispin).

Doch auch abgesehen von der Figur des Han Solo selbst ist „Der Untergang“ eindeutig ein Roman mit hohem „Star Wars“-Feeling. Die Yuzzhan Vong als extragalaktische Bedrohung bleiben angenehm im Hintergrund und reduzieren sich praktisch auf eine Gruppe Verschwörer sowie eine Flotte gesichtsloser Raumschiffe und Jäger. Ihre irritierende „Religion der Schmerzen“ wird nicht so zelebriert, wie noch in den Stackpole-Romanen zuvor. Auf Seiten der Allianz scheint Luceno eine direkte Umkehrung der Stackpole-Begeisterung für menschliche Militärs zu suchen, wenn er praktisch ausschließlich Alien auftreten lässt, die sowohl als Botschafter als auch Geheimdienstler fungieren. Die Handlung ist eine gute Mischung aus Action, trockenem Humor und gefühlvollen Szenen, die endlich Bewegung in so manches eingekrustete Problem bringen – wie Hans Beziehung zu seinem Sohn Anakin oder Maras andauernde Krankheit. Selbst den Droiden R2-D2 und C-3PO gedenkt Luceno und schenkt ihnen ein paar wundervolle Streitgespräche.

Fazit:
Es mag an der dankbaren Handlung liegen, die ihm die Verantwortlichen bei LucasBooks überantwortet haben, oder an James Lucenos intuitivem Gespür für das „Star Wars“-Universum, in jedem Fall ist sein Beitrag „Der Untergang“ zu der „Das Erbe der Jedi-Ritter“-Reihe meines Erachtens der bislang beste Roman der Serie. Action, Humor und Remineszenzen an klassische „Star Wars“-Situationen tragen eine Story, in der Han Solo endlich sein Draufgängertum wiederfindet, während den Yuzzhan Vong gerade genug Platz eingeräumt wurde, um sie als Bedrohung funktionieren zu lassen, ohne dass sie durch ihre Fremdartigkeit (nicht nur innerhalb der „Star Wars“-Galaxis, sondern auch innerhalb des „Star Wars“-Franchises) irritieren. Die episodenhafte Natur der Geschichte sowie ihre geschickt geschlossene Struktur machen den Roman auch durchaus verständlich und lesenswert für Fans, die sich bislang nicht für die Yuzzhan-Vong-Invasion erwärmen konnten. Auf jeden Fall eine Empfehlung!


Star Wars – Das Erbe der Jedi 04: Der Untergang
Film/TV-Roman
James Luceno
Blanvalet 2003
ISBN: 3442358221
349 S., Taschenbuch, deutsch
Preis: EUR 8,00

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