Star Wars – Das Erbe der Jedi-Ritter 02: Die Schwarze Flut

Michael Stackpole war schon immer jemand, der gerne das Universum, in dem er sich gerade tummelte, bewegte. Berühmt dafür sind seine „BattleTech“-Romane, die lange Zeit den einzigen notwendigen Lesestoff darstellten, wenn man die großen Entwicklungen der Inneren Sphäre nachverfolgen wollte. Auch mit der „X-Wing“-Serie schrieb er „Star Wars“-Geschichte fort, statt einfach nur ein belangloses Kapitel hinzuzufügen, wie so manche anderen Autoren (etwa Barbara Hambly mit „Palpatines Auge“ oder Vonda McIntyre mit „Der Kristallstern“). Auch mit „Die schwarze Flut“, dem ersten Band seines neuen Zweiteilers, der die lang laufende „Das Erbe der Jedi Ritter“-Reihe fortsetzt, malt er am „big picture“ der Galaxis.

von Bernd Perplies

 

Die Handlung beginnt einige Zeit nach der ersten behutsamen Yuzzhan-Vong-Invasion im Äußeren Rand. Leia Organa-Solo versucht den Senat vor der schwelenden Gefahr der Besucher von jenseits der Galaxis zu warnen, erntet jedoch nur Missachtung. Daraufhin begibt sie sich auf eine Odyssee durch die Randgebiete der Republik, um auf eigene Faust Verbündete für ihre Sache zu finden. Luke Skywalker schickt derweil seine Jedi quer durch die Galaxis, um für die blinde Republik den Wächter zu spielen und nach Anzeichen weiterer Yuzzhan-Vong-Aktivitäten Ausschau zu halten. Und zu guter letzt macht sich auch das Rogue Squadron – mittlerweile unter Gavin Darklighter – auf den Weg, um einschlägige Erfahrungen mit der fremdartigen Bio-Technologie der Alien zu machen.

Damit wären alle Handlungslinien aufgedeckt: Es gibt eine Leia-Geschichte, in der sich auch Tochter Jaina und ExGal-Überlebende Danni Quee herumtreiben, es gibt eine Luke-und-Jacen-Geschichte, die Belkadan unsicher machen, es gibt eine Corran-Horn-Geschichte (natürlich, wie könnte Stackpole seinen persönlichen „main character“ vergessen), der sich mit dem arroganten Jedi Ganner auf die Suche nach einer Gruppe verschollener Archäologen begibt, es gibt eine Mara-Jade-und-Anakin-Geschichte, die eine Weile nix besseres zu tun haben, als auf Dantooine zu campen, und schließlich gibt es die besagte Rogue-Squadron-Geschichte mit Gavin und einer ganzen Reihe entbehrlicher Neuzugänge (was dringend nötig ist, denn natürlich erlebt man bei den ersten Gefechten gegen die Coralskipper der Yuzzhan Vong die zu erwartenden Verluste, und so trifft es wenigstens keinen alten Haudegen wie Wedge Antilles oder Tycho Celchu).

Die Yuzzhan Vong selbst spielen hierbei lange Zeit fast keine Rolle – einen Oberschurken wie Nom Anor findet man in „Die schwarze Flut“ nicht. Die Alieninvasoren stellen hier vielmehr „die dunkle Bedrohung“ hinter all der hektischen Aktivität der Helden dar, die nur in unpersönlicher Form – beispielsweise durch ihre Coralskipper oder als ferne Gestalten, die man von einem Hügel beobachtet – in Erscheinung treten. Doch Stackpole weiß, was er seinen Lesern schuldet und so lässt er diese ihren ganz eigenen Reiz entwickelnde Strategie sukzessive fallen und nähert sich den Feinden an. Zunächst sind es einzelne Kämpfe Mann gegen Mann, am Ende kommt es zum dramatischen Höhepunkt, der Schlacht um Dantooine, einem der beliebtesten Nebenschauplätze des „Star Wars“-Universums, der seinerzeit schon fast vom ersten Todesstern zerstört worden wäre. Hier führt Stackpole nun all die Handlungsfäden des Romans mehr oder minder elegant wieder zusammen, das Buch wird endlich dicht und dramatisch und die Bedrohung durch die extragalaktischen Sado-Maso-Krieger unmittelbar, die auf diese Weise die Kampfstrategien ihrer Gegner testen wollen.

Die Textstruktur ist fast etwas mechanisch angelegt. Sie ist in Prolog, 36 Kapitel und Epilog unterteilt, wobei bis zur letztlichen Zusammenführung auf Dantooine jeder Abschnitt sozusagen einer Sequenz entspricht, in der eine der zahlreichen Gruppierungen, die das breite Panorama der Post/Prae-Yuzzhan-Vong-Invasion zeichnen, ein kurzes Erlebnis hat. Bereits nach ein paar Kapiteln entwickelt man ein Gespür dafür, welche dramaturgische Funktion jeder einzelne, soeben gelesene Abschnitt haben sollte, und man beginnt unbewusst, einzelne Kapitel nach dem Bedeutungsgrad des Kerns, um den sie gesponnen sind, zu bewerten, was zwangsläufig die Banalität des einen oder anderen vor Augen rückt. Vielleicht wäre Stackpole besser gefahren, wenn er sich auf zwei oder drei statt fünf (und mitunter sogar mehr, wenn sich die Kleingruppen nochmal aufteilen) Handlungsstränge beschränkt hätte.

Zuletzt ist schade, dass Han Solo, nach dem Tod von Chewbacca der vielleicht interessanteste Charakter des Ensembles, kaum eine Textzeile gewidmet wird. Er darf einmal kurz betrunken und zynisch in der gemeinsamen Wohnung Leia und dem Senator von Caamas erscheinen, ansonsten kommt er nicht vor. Das ändert sich natürlich in späteren Bänden, es kann also einfach sein, dass verschiedene Autoren für verschiedene Aspekte der „Das Erbe der Jedi-Ritter“-Serie angeheuert wurden. Insofern ist dies nicht wirklich Stackpole anzulasten, sondern dem großen Plan der LucasBooks-Macher, nichtsdestoweniger schauen Han Solo-Fans in die Röhre, während sie sich durch all die Jedi-Geschichten arbeiten. Roboterfreunde werden zudem den guten C-3PO vermissen – die Spekulation liegt nahe, dass er Han auf seiner Selbstfindungsreise zurück zum heldenhaften Schurken begleitet.

Fazit: Als Präludium des auf zig Bände angelegten Epos der Yuzzhan-Vong-Invasion macht „Die schwarze Flut“ durchaus Sinn, als Einzelroman empfiehlt es sich kaum. Mit breiten Strichen zeichnet Stackpole das Panorama der Galaxis und vermittelt sowohl ein Gefühl des „Tages danach“ als auch „der Ruhe vor dem Sturm“. Nichtsdestoweniger hat das Buch in Struktur und Spannungsdramaturgie ein paar Mängel, und auch das Übergewicht an Jedi-Protagonisten wird manchem Leser aufstoßen. Insgesamt erreicht der Roman nicht ganz die atmosphärische Dichte von Salvatores erstem Band, liefert aber eine solide Fortsetzung. Als Teil der „Das Erbe der Jedi-Ritter“-Reihe ist er in jedem Fall um einiges interessanter als die Kinderbücher der Prequel-Ära und somit regelrecht ein „Muss“, wenn man sich auf erstere einlassen will.

Star Wars – Das Erbe der Jedi 02: Die schwarze Flut Film/TV-Roman Michael Stackpole Blanvalet 2001 ISBN: 3442356733 377 S., Taschenbuch, deutsch Preis: EUR 8,50 bei amazon.de bestellen