Star Wars: Darth Vader und Sohn

Sie gehört zu den vielleicht berühmtesten Familienbeziehungen der Filmgeschichte: Die Verbindung zwischen Darth Vader und Luke Skywalker als Vater und Sohn. Vaders Eröffnung in den zugigen Eingeweiden der Wolkenstadt über Bespin ist legendär: „Ich bin dein Vater!“ Selten wurde ein so lapidarer Satz so dramatisch überhöht. Wie es nun wäre, wenn sich der Dunkle Lord wirklich als Vater um einen jungen Luke hätte kümmern müssen, kann man nun in „Darth Vader und Sohn“ nachlesen.

von Bernd Perplies

Gleichzeitig zu dem anarchistischen „Star Wars“-Büchlein „Spass Wars“ von Matthias Kringe hat Panini Books vor einer Weile ein zweites Buch herausgebracht, das sich mit Humor dem „Star Wars“-Universum nähert. Ebenso wie ersteres ist „Darth Vader und Sohn“ ein quadratisches, 64-Seiten dünnes Hardcover-Büchlein; ganz anders als „Spass Wars“, das alle Episoden und alle Figuren gleichermaßen durch den Kakao zieht, hat „Darth Vader und Sohn“ eine sehr klare thematische Vorgabe und baut auf einer einzelnen Prämisse auf. Wie wäre es, fragt sich Comic-Künstler Jeffrey Brown, wenn Darth Vader sich nicht erst einem erwachsenen Luke als Vater zu erkennen gegeben hätte, sondern wenn er ihn hätte „ganz normal“ aufziehen müssen.

Aus dieser Frage heraus entwickelt Brown lustige Situationen, die überwiegend in Einzelbild-Momentaufnahmen präsentiert werden und nicht selten bekannte Sprüche des Dunklen Lords der Sith in leicht abgewandelter Form enthalten. Wir erleben einen vierjährigen Luke und Vader beim Lichtschwert-Baseball, den Vater bei der Hetzjagd nach seinem übereifrigen, BMX-Wing fahrenden Sohn, „kleine Änderungen von Abmachungen“ in der Frage, ob man nach dem Mittagsschlaf noch zur Tosche-Station geht oder nicht, und einen erstaunlich kleinen Sturmtruppler zu Halloween.

Mit viel cleverem Witz (Wer hat zuerst geschubst? Greedo oder Luke?) und vor allem regelrecht herzerwärmend wird die Beziehung zwischen einem bemüht düsteren, oft überforderten, aber insgeheim doch mächtig stolzen Vater zu seinem Filius erzählt. Browns Illustrationen sind dabei wirklich schön anzusehen. Der eigene Stil des Künstlers harmoniert angenehm mit dem „Star Wars“-Universum; er prägt es, ohne es völlig zu verfremden. Insgesamt ist das Büchlein so rund und gelungen, dass man sich wünschen würde, es gäbe einen weiteren Teil unter einem thematisch anderen Schwerpunkt (etwa der Freundschaft zwischen Han und Chewie oder R2-D2 und C-3PO, die sicher ähnlich heiter und „liebevoll“ beleuchtet werden könnten).

Fazit: Mit „Darth Vader und Sohn“ ist Jeffrey Brown ein wunderschöner kleiner Bildband gelungen, der nicht nur durch seine Situationskomik punkten kann, sondern auch durch das Herz, das in all den Bildern steckt. Hier wird nicht über die Figuren gelacht, sondern mit ihnen. Jedem „Star Wars“-Fan (besonders natürlich denen mit eigenen Kindern) sei dieses Buch wärmstens empfohlen! Der einzige Wermutstropfen: Die 64 Seiten sind leider viel zu schnell durchgeschaut. Mister Brown, wir hoffen auf eine Fortsetzung!


Star Wars: Darth Vader und Sohn
Comic
Jeffrey Brown
Panini Books 2012
ISBN: 978-3-8332-2539-0
64 S., Hardcover, deutsch
Preis: EUR 9,95

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