Star Wars – Darth Vader: Schatten und Geheimnisse

Darth Vaders Kampf um Anerkennung und seine Stellung im Imperium geht weiter. Noch immer wird der Sith-Lord bevormundet, man unterstellt ihn einem Großgeneral und gibt ihm einen Aufpasser mit auf seine Missionen. Aber insgeheim arbeitet er konsequent an seinem Aufstieg zur Macht weiter. „Schatten und Geheimnisse“ begleiten ihn im zweiten Sammelband der „Star Wars – Darth Vader“-Reihe.

von Frank Stein

Der Comic-Band läuft auch unter dem Namen „Star Wars Reprint 4“ und versammelt die US-Heftausgaben „US-Star Wars – Darth Vader #7-#12“ von 2016. Damit schließt er direkt an den Sammelband „Darth Vader“ an, der die ersten sechs Heftausgaben versammelt. Außerdem verweist er mehrfach auf die Schwesterserie „Star Wars“, etwa gleich zu Beginn auf Geschehnisse aus der Story „Star Wars: Skywalker schlägt zu!“, in der es Luke auf Tatooine mit Boba Fett zu tun bekommt, eine Konfrontation, die Vader später in der Macht spürt, als er sich auf der Suche nach dem Jungen, der den Todesstern zerstört hat, an den gleichen Ort begibt.

Diese Suche und die entgültige Auslöschung jeder Erinnerung an Obi-Wan Kenobi bilden jedoch nur den Auftakt. In Wahrheit treibt Vader seinen privaten Aufstieg zur Macht voran. Dazu bedient er sich einmal mehr der schurkischen Archäologin Doktor Aphra, die sich in einer Art unheilvoller Beziehung zu Vader befindet. (Einerseits droht er ständig damit, sie umzubringen, andererseits tut er es dann doch nie. Ob das nur daran liegt, dass sie ihm nützlich ist – und ihm ehrlich dienen will –, oder ob er doch widerwillige Gefühle für sie hegt, ist etwas, das Fan-Diskussionen klären müssen.)

Im vorliegenden Band schickt Vader Aphra auf Raubzug, um Credits für seine Suche nach Luke Skywalker und für seine Privatarmee zu beschaffen. Ironischerweise wird er kurz darauf von Großgeneral Tagge (der etwas uneinheitlich auch mal Großadmiral genannt wird) beauftragt, den Dieb aufzuspüren und dingfest zu machen. Dafür bekommt er einen professionellen Ermittler, Inspektor Thanoth, zur Seite gestellt, der unerfreulich effektiv zu Werke geht. Es wird ein heikles Spiel für Vader, seinen Herren scheinbar treu zu dienen und gleichzeitig seine eigene Agenda zu verfolgen.

Neben der starken Story sind erneut die Nebenfiguren echte Pfründe der „Darth Vader“-Comic-Reihe. Die skrupellose, aber im Vergleich zu Vader trotzdem irgendwie verletzlich wirkende Schurkin Doktor Aphra beweist ebenso ihre fragwürdigen Talente, wie das als düsteres Spiegelbild von C-3PO und R2-D2 dienende Droidenpaar 0-0-0 (gesprochen: Triple-Zero) und BT-1 (gesprochen: Beetee), ein ebenso sarkastischer wie sadistischer Verhördroide und eine kleine, hochaggressive Waffenplattform. Sie passen einfach auf diese dunkle Seite des „Star Wars“-Universums, auf der es keinen einzigen „Guten“ gibt, sondern nur Bosheit in verschiedenen Abstufungen. Gelungen ist auch das Debüt von Inspektor Thanoth zu nennen, eines distinguierten dunkelhäutigen Ermittlers, der mit seinem viktorianischen Backenbart und dem Gehstock ohne Zweifel Assoziationen an Sherlock Holmes wecken soll (obwohl er eher wie ein Doktor Watson aussieht). Kenner freuen sich zudem über einen Cameo des Kopfgeldjägers Bossk, der kurioserweise mit einem IG-90 unterwegs ist (in „Das Imperium schlägt zurück“ wird er dann ja den berühmteren IG-88 treffen).

Ganz nebenbei hat mich der Comic auf einen seltsamen Aspekt im Werdegang Vaders aufmerksam gemacht. Zeitlich ist er ja kurz nach der Zerstörtung des ersten Todessterns angesiedelt. Vader hat zwar bereits den Ruf, ein unbarmherziger Killer zu sein, dennoch ist er Leuten wie Großgeneral Tagge unterstellt und muss sich einen Aufpasser gefallen lassen. Das verweist natürlich auf seinen Status in „Episode IV: Eine neue Hoffnung“, in der er auf Großmoff Tarkins Befehle hören musste. Drei Jahre später, in „Das Imperium schlägt zurück“ wird Vader dagegen die unangefochtene Nummer Eins sein, die sogar ungestraft Admiräle ermorden kann. Ein ziemlicher Aufstieg in kurzer Zeit, wenn man bedenkt, dass er zur Zeit von „Episode IV“ bereits seit 19 Jahren Darth Vader ist und in dieser ganze Zeitspanne offenbar immer nur ein Lakai des Imperators und seiner höchsten Offiziere war. Aber gut, diesen „Fehler“ hat letzten Endes George Lucas schon vor vielen Jahren gemacht. (Andererseits wissen wir ja auch, wie viel Freude es dem Imperator immer bereitet hat, Vader auszunutzen, zu demütigen und auf die Probe zu stellen. Hass zu schüren, ist halt doch eine Eigenschaft der Sith.)

Auch visuell weiß der Comic zu gefallen. Vor allem Aphra und – natürlich – Vader werden von Salvador Larocca (Illustrator) und Edgar Delgado (Farben) sehr schön in Szene gesetzt. Der Detailgrad der Bilder ist hoch, die Farbstimmung passend düster. Sturmtruppler sind nicht unbedingt Laroccas Stärke, aber ansonsten gibt er sich mit seinem feinlinigen, klaren Zeichenstil keine Blöße. Besonders gut gefallen mir die Panels, in denen Darth Vader kaum mehr als ein bedrohlicher Schatten ist und Teile seiner Rüstung im Schwärze versinken. So bedrohlich muss ein Lord der Sith aussehen!

Eine vollständige Covergalerie rundet wie so oft den Sammelband ab.

Fazit: Die „Darth Vader“-Comic-Reihe ist wirklich großes „Star Wars“-Kino. Ja, die Handlung ist düster und unmoralisch und stellenweise sogar ziemlich brutal, außerdem ist keiner der Protagonisten auch nur ansatzweise ein netter Mensch (oder Nichtmensch oder Droide), aber das passt hier einfach. Eine Geschichte aus dem Herzen des Imperiums muss so sein. Die Handlung ist spannend, die Beziehung zwischen Vader und Aphra interessant und auch die Optik ist gelungen. Kurz gesagt: absolut lesenswert. (Allerdings ist der Kauf der vorhergegangenen Sammelbände fürs Verständnis praktisch Pflicht. „Darth Vader: Schatten und Geheimnisse“ ist kein Einzelband, sondern Teil einer fortlaufenden Handlung.)

Star Wars – Darth Vader: Schatten und Geheimnisse
Comic
Kieron Gillen, Salvador Larroca, Edgar Delgado
Panini Comics 2016
ISBN: 978-3-95798-921-5
136 S., Softcover, deutsch
Preis: EUR 14,99

bei amazon.de bestellen