Star Wars – Darth Vader: Der Shu-Torun-Krieg

Es ist nicht leicht, ein Günstling des Imperators zu sein. Da Hass von den Sith als Quelle von Stärke verstanden wird, gibt sich Palpatine wenig Mühe, Darth Vader das Leben einfach zu machen. Tatsächlich fordert er einen Beweis nach dem anderen, dass Vader ein würdiger Schüler ist. Und nach der Schlappe mit dem ersten Todesstern steht der Dunkle Lord mehr als sonst auf dem Prüfstand. Da kommt Vader eine Krise auf dem Planeten Shu-Torun gerade recht, um zu zeigen, was er sowohl militärisch als auch als Machtanwender drauf hat.

von Frank Stein

Der Comic-Band läuft auch unter dem Namen „Star Wars Reprint 8 – Der Shu-Torun-Krieg“ und versammelt die US-Heftausgaben „US-Star Wars – Darth Vader Annual #1“ sowie „US-Star Wars – Darth Vader #16-18“ von 2017. Obwohl die Geschichte somit in die Comic-Reihe „Darth Vader“ eingebunden ist – sie ist einige Wochen nach „Episode IV – Eine neue Hoffnung“ und unmittelbar nach seinem Vorgängerband „Vader Down“ angesiedelt –, funktioniert sie halbwegs eigenständig, ist sie doch komplett als „planetares Abenteuer“ mit einem in sich abgeschlossenen Konflikt angelegt. Einzig das auftretende Personal, zuvörderst der fragwürdige Doktor Cylo und seine „Schöpfungen“, die Geschwister Morit and Aiolin Astarte, kann man nur vollständig einordnen, wenn man auch die Vorgänger-Comics gelesen hat.

Die Handlung ist auf dem Minenplaneten Shu-Torun angesiedelt, einer feudal geordneten Welt, auf der ein König mit dem Willen der Erzfürsten regiert. Auf höfische Etikette wird Wert gelegt, Intrigen sind an der Tagesordnung. Diese Gesellschaft ist es nicht gewohnt, zu dienen, und daher widersetzt sie sich dem Imperium. So muss Darth Vader – der sich übrigens beharrlich weigert, mit den Adligen zu tanzen – gleich zwei mal nach Shu-Torun reisen, um dort für Ordnung zu sorgen. Dabei wird er natürlich von dem destruktiven Droidengespann 0-0-0 und BT-1 begleitet, beim zweiten Mal zudem von Doktor Cylo und dem Geschwisterpaar Morit and Aiolin Astarte, die alle zu den Günstlingen des Imperators zählen und doch ihre eigene Agenda haben.

Der Comic bietet viele Gefechte und Lichtschwertaction und einen Darth Vader, der sich einmal mehr als praktisch unbezwingbare Macht präsentieren darf. Er dominiert das Geschehen deutlich, trotz aller Gefahren, weswegen sich die Sorge des Lesers um seine Person sehr in Grenzen hält. Wie bisher auch in den „Darth Vader“-Comics interessiert es einen tatsächlich mehr, wer nun wen wann und warum hintergeht. Und Verrat wird, gerade gegen Ende, satt geboten. Dabei kommt es auch zur weiteren Ausdünnung des reiheneigenen Personals.

Das Setting ist interessant gewählt. Schmutzige Bergbauindustrie in einer von Lava erhellten, an Mustafar erinnernden Gluthölle wird hier mit dem Pomp und dem Zeremoniell eines höfischen Lebens gepaart. Vor allem dem rituellen Tanz, dem Reigen, der sowohl das Bewegen innerhalb festgelegter Umgangsformen und Hierarchien als auch das Umkreisen eines Gegners symbolisiert, wird hier große Bedeutung zugedacht, und es ist doppelt bezeichnend, dass Vader sich dem verweigert. Der Vollstrecker des Imperators agiert allein nach eigenen Regeln. Er ordnet sich weder ein noch unter, und wenn er aktiv wird, dann ohne jede Raffinesse, sondern gradlinig und mit aller Macht.

Für Kenner der „Darth Vader“-Reihe wird nebenbei der Plot um die von den Rebellen entführte Doktor Aphra weitererzählt. Außerdem hat der allzu schlaue Inspektor Thanoth einen Cameo.

Visuell bietet der Comic annehmbare, aber nicht überragende Kost. Lenil Yu weiß hier mehr zu überzeugen als Salvador Larocca. Während Vader meist sehr gut getroffen wird, stößt man gerade bei Larocca immer wieder auf verzerrte Gesichtszüge. Der Schauplatz ist dagegen mit vielen Gluteffekten von Edgar Delgado, der einmal mehr für die Farben verantwortlich zeichnet, atmosphärisch in Szene gesetzt.

Eine Covergalerie rundet den Band ab.

Fazit: „Der Shu-Torun-Krieg“ erzählt ein planetares Einzelabenteuer über Darth Vader, der für den Imperator auf Strafexpedition ist und sich zugleich weiter im Netz imperialer Intrigen bewegt. Das liest sich nett, ragt aber nicht heraus. Wer der Reihe „Darth Vader“ folgt, kommt an diesem Band natürlich nicht vorbei, zumal die globale Handlung mit ein paar schönen kleinen Momenten punkten kann. Wer einen starken Solo-Comic sucht, sollte vielleicht nicht zu diesem Band greifen, denn zum einen sind die forterzählten Nebenhandlungen dann nicht verständlich, zum anderen gibt es bessere Einzelwerke.

Star Wars Darth Vader: Der Shu-Torun-Krieg
Comic
Kieron Gillen, Salvador Larroca, Leinil Yu
Panini Comics 2017
ISBN: 978-3-7416-0313-6
120 S., Softcover, deutsch
Preis: EUR 14,99

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