Star Wars – Darth Vader: Das erlöschende Licht

Wir befinden uns in der Zeit des noch jungen galaktischen Imperiums. Anakin Skywalker ist soeben zur Dunklen Seite der Macht übergetreten und jagt nun im Auftrag des Imperators die letzten Jedi. Dabei wird er gleichzeitig durch die neu ins Leben gerufene Einheit der Inquisitoren unterstützt und misstrauisch vom imperialen Militär beäugt, das diesen schwarzen Vollstrecker an der Seite Palpatines noch überhaupt nicht einschätzen kann. Es ist eine Zeit des Umbruchs – und Vader muss seinen Platz darin finden.

von Bernd Perplies

„Das erlöschende Licht“ („Star Wars“ Reprint 14) ist der zweite Sammelband der zweiten Comic-Staffel „Darth Vader“, die mit „Der Auserwählte“ ihren Anfang nahm und Vaders Zeit unmittelbar nach „Episode III: Die Rache der Sith“ schildert. Enthalten sind die US-Einzelbände „US-Star Wars: Darth Vader #7-12“, die auch hierzulande bereits in Form von Panini-Comic-Heftchen (im Doppelbandformat) erschienen sind, genau genommen in den Comic-Ausgaben #37-39, die  zwischen August und Oktober 2018 herauskamen und die Storys „The Dying Light 1-4“ sowie „The Rule of Five 1-2“ enthielten.

Die Handlung führt mehr oder weniger unmittelbar das Geschehen des Vorgängerbandes fort, das daher auch in einer detaillierten „Was bisher geschah“-Einleitung dem Comic vorangestellt ist. Vader ist mit der Ausbildung der Inquisitoren beschäftigt, gefallenen Jedi, die ihm bei der Jagd nach ihren ehemaligen Brüdern und Schwestern helfen sollen. Diese Ausbildung treibt er mit aller Brutalität voran. Man merkt, dass er mit sich selbst und seinem Maschinendasein nicht im Reinen ist – und diese Unausgeglichenheit sucht sich ein Ventil in Zorn und Gewalt.

Vom Imperator erhalten Vader und der Großinquisitor (man kennt ihn als nosferatu-ähnlichen Bösewicht aus der TV-Serie „Rebels“) eine Liste mit möglicherweise noch lebenden Jedi. Darauf ganz oben: Jocasta Nu, die ehemalige Wächterin des Jedi-Archivs im Tempel, die der Imperator unbedingt lebend haben will, denn sie hütet nach wie vor das Wissen um die größten Schätze der Jedi. Nun könnte man meinen, dass Nu schlau genug ist, sich von Coruscant fernzuhalten, doch die alte Jedi plant bereits die Zukunft des Jedi-Ordens – und dafür braucht sie noch etwas, das im Tempel liegt. In den Trümmern des einstigen Ordenssitzes kommt es zur Konfrontation.

Die zweite Geschichte – „Rule of Five“ –, die übrigens irritierenderweise nicht extra eingeleitet wird, sondern die Handlung einfach fortsetzt, sodass man zwei, drei Seiten braucht, um zu merken, dass man jetzt in einer komplett neuen Geschichte ist, beginnt mit einem Mordanschlag auf Vader. Der setzt sich auf die Fährte seiner unsichtbaren Feinde und macht dabei die beunruhigende Entdeckung, dass seine Position an der Seite des Imperators noch keineswegs so etabliert ist, wie er es gerne hätte. Ein Umstand, der sich ändern muss.

Obwohl die erzählten Episoden das Rad in Sachen „Star Wars“-Abenteuer jetzt wahrhaftig nicht neu erfinden – gefühlt hat Vader schon unzählige Male Jedi gejagt –, macht es Spaß, diese frühesten Wochen in Vaders neuem Leben zu verfolgen. Mit Jocasta Nu wurde auch ein bislang wenig genutzter Charakter ausgegraben, wenngleich die kampfstarke, ältere Dame im Comic sowohl visuell als auch vom Charakter her so gar nichts mit der nannyhaften, zierlichen Oma aus „Episode II“ zu tun hat. Ohne den Namen würde man sie nicht erkennen. Aber wie sie genutzt wird, ist sehr hübsch, auch wenn ihre geheime Schule, an der sie gearbeitet hat, kanonisch meines Erachtens eher problematisch ist. (Es ist nur ein Panel am Ende, aber das stellt einiges auf den Kopf, was bisher bekannt war.)

Gelungen finde ich auch den Umstand, dass Vaders Stellung noch völlig ungesichert ist. Soldaten schießen versehentlich auf ihn, weil sie ihn für einen Jedi halten, Eliteoffiziere fühlen sich von dem Emporkömmling zur Seite gedrängt, und weil sein Mentor Palpatine offenbar noch ein paar andere Eisen im Feuer hat, sieht sich Vader sogar gezwungen, seine Stellung aktiv zu verteidigen, um sie zu festigen. Das schließt auch Tote in den eigenen Reihen mit ein. Wenn man weiß, wie legendär Darth Vader in späteren Jahren ist, liest es sich beinahe erheiternd, einen Vader zu erleben, der nur ein Junge in einer schwarzen Rüstung ist, dessen Namen bislang kaum jemand kennt und dessen Autorität sich noch arg in Grenzen hält.

Visuell konnte mich der Comic leider nicht vollends überzeugen. Giuseppe Camuncoli, der die Reihe bislang komplett betreut (was an sich ja gut ist), hat einen eher ruppigen, schmutzigen Zeichenstil, der gerade bei den Figuren für eine etwas eigene Optik sorgt. Beim Großinquisitor funktioniert das ganz gut, bei Jocasta Nu, wie gesagt, weniger. Zudem wirkt Vader gelegentlich sehr hager und der Imperator sieht mitunter arg untot aus, beinahe einem Mike-Mignola-Comic entsprungen. Stark fand ich die Visualisierung von Vaders Innenleben während seiner Meditationen, die ihn als finster brodelnden Körper mit weißen, weil fehlenden Gliedmaßen in einer apokalyptischen Landschaft zeigen, in der dunkle Ranken nach den letzten, flatternden Überresten aus Licht zu greifen versuchen, um sie zu zerfetzen.

Fazit: „Das erlöschende Licht“ setzt auf interessante Weise die Schilderung der ersten Wochen im Leben von Darth Vader im noch jungen Imperium fort. Die Jagd auf Jedi mag keineswegs neu sein, aber gerade die Probleme und Konflikte, mit denen Vader als noch völlig unbekannte Größe an der Seite Palpatines zu kämpfen hat, sind spannend zu verfolgen. Hoffentlich wird das Potenzial, das hier angedeutet wird, in Zukunft weiter ausgereizt.

Star Wars – Darth Vader: Das erlöschende Licht
Comic
Charles Soule, Giuseppe Camuncoli u.a.
Panini Comics 2019
ISBN: 978-3-7416-1036-3
136 S., Softcover, deutsch
Preis: EUR 15,00

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