Star Wars Comic-Kollektion 44: Die Erben des Imperiums

Anfang der 1990er läutete Timothy Zahns Bestseller-Roman „Erben des Imperiums“ eine neue Zeit für „Star Wars“-Fans ein, denn erstmals sponn eine Geschichte im großen Stil die Saga nach „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ weiter. Der Roman ist zwar durch die neue Filmtrilogie hinfällig – beziehungsweise zur „Legende“ – geworden, dennoch gilt „Erben des Imperiums“ als Klassiker der „Star Wars“-Literatur, der von Dark Horse auch als Comic adaptiert wurde. Nachdem ältere Ausgaben nun Jahre zurückliegen, kommt die Geschichte im Rahmen der „Star Wars Comic-Kollektion“ zu neuen Ehren.

von Frank Stein

Es existieren kaum „Star Wars“-Figuren außerhalb der Kinofilme, die dermaßen zu eigenständigen Ikonen des „Star Wars“-Universums geworden sind, wie das von Autor Timothy Zahn erschaffene Ensemble aus der „Thrawn“-Trilogie, die nach „Erben des Imperiums“ mit den Bänden „Die dunkle Seite der Macht“ und „Das letzte Kommando“ fortgesetzt wurde. Der blauhäutige imperiale Großadmiral Thrawn, der Schurke Talon Karrde, die Ex-Assassine des Imperators Mara Jade: Dies alles sind Namen, die zumindest „Star Wars“-Fans älteren Semesters so geläufig sind wie Luke Skywalker, Han Solo und Leia Organa. Zahn hat sie damals so treffend charakterisiert, dass sie perfekt ins „Star Wars“-Universum passten (und passen, denn zumindest Thrawn hat den Disney-Wipe des alten Expanded Universe überstanden und spielt nun als Bösewicht der „Rebels“-Ära in der Kanon-Oberliga mit).

Dieses Universum erlebte mit dem Erscheinen von Zahns „Erben des Imperiums“ – das „Die“ steht nur beim Comic-Titel vor – eine spontane Ausdehnung von spektakulären Ausmaßen. Das Abenteuer, als Comic in sechs Teilen zwischen Oktober 1995 und April 1996 erschienen, ist fünf Jahre nach dem Sieg der Rebellion über den Imperator und seinen Todesstern angesiedelt, doch das Imperium ist bei Weitem nicht so schwach, wie es sich manch ein Fan bis dato angesichts der Ewok-Grillparty am Ende von „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ gedacht haben mochte.

Zwar hat die Rebellenallianz die Neuen Republik ausgerufen, die einstige imperiale Kernwelt Coruscant befreit und zu ihrem Regierungssitz gemacht sowie die Reste der imperialen Streitkräfte in den Außenrand getrieben. Dort jedoch hat ein aus den Unbekannten Regionen zurückgekehrter Meisterstratege, der Chiss-Großadmiral Thrawn, das Kommando übernommen, und er plant nichts Geringeres als den ultimativen Gegenschlag, um die Galaxis erneut unter die Kontrolle des Imperiums zu bringen. (Kennen wir das nicht irgendwie aus „Das Erwachen der Macht“? Man ersetze nur Thrawn durch Snoke und das Restimperium durch die Erste Ordnung.)

Dabei sind seine Vorgehensweisen deutlich subtiler als man es von Imperialen (auch von Snoke) gewöhnt ist. Er lässt sich nicht auf große Raumschlachten ein, die man mit den verbliebenen Schiffen nicht gewinnen kann, sondern plant geduldig voraus und baut seine Strategie auf eine Reihe wohl ausgeklügelter Punktangriffe auf, die seine Macht und seine Möglichkeiten Schritt für Schritt aufbauen sollen – sehr zur Irritationen seines direkten Untergebenen, Captain Pellaeon, eines Imperialen der alten Schule. Dazu stützt er sich auch auf ungewöhnliche Hilfsmittel und Verbündete, etwa die Macht verdrängenden Ysalamiri und den verrückten Jedi-Meister Joruus C’baoth, der sich nur bereiterklärt, dem Großadmiral zu helfen, wenn dieser ihm die neuen Jedi – Luke, Leia und Leias ungeborene Zwillinge – bringt.

Die Neue Republik weiß derweil noch nichts von ihrem Glück. Man hat mit im Rat mit enervierenden Querelen zu kämpfen, Han Solo soll alte Schmugglerkontakte aufwärmen, um die tolldreisten Piloten als Händler in die Dienste der Republik zu stellen, Luke versucht unterdessen, Leia zur Jedi auszubilden, die wiederum mit Zwillingen von Han schwanger ist. Alltag im All. Doch dann kommt es zu Attentaten auf die Helden der Allianz und zu Angriffen auf einzelne Planeten und es zeigt sich: Das Imperium ist noch nicht am Ende.

„Die Erben des Imperiums“ tritt eine wahre Lawine an Handlungsbögen los, die unsere Helden quer durch die Galaxis verstreuen. Luke wird von Talon Karrde gefangen genommen, wo er mit Mara Jade eine Frau kennen lernt, die noch jahrelang sein Leben bestimmen wird. Leia flieht vor den Noghri-Killern und tritt plötzlich ein unerwartetes Erbe Darth Vaders an. Im neu gebildeten Rat ringen Mon Mothma und Admiral Ackbar mit dem machthungrigen Bothaner Borsk Fey’lya. Und Han düst derweil mit dem Millennium Falken von galaktischem Brennpunkt zu galaktischem Brennpunkt, mal von Wedge Antilles, mal von Lando Calrissian unterstützt. Coruscant, Tatooine, Bimmisaari, Kashyyyk, Nkllon, Dagobah, Abregado-Rae, Myrkr … auch an exotischen Schauplätzen ist die actionreiche Handlung nicht arm.

Vom Inhalt her weiß „Die Erben des Imperiums“ also voll zu überzeugen, nicht nur in Romanform, sondern auch im gezeichneten Ableger, der die Action noch einmal verdichtet, ohne aber wichtige Elemente auszulassen. Der Zeichenstil von Olivier Vatine und Fred Blanchard ist indes etwas gewöhnungsbedürftig. Die Figuren sind relativ roh gezeichnet, mit groben Pinselstrichen, „europäisch“, wie es im Vorwort heißt. Interessanterweise stören die leicht abstrahierten Gestalten – Luke und Leia würde man in einem Einzelpanel vermutlich kaum erkennen – aber nicht. Die Stimmung von „Star Wars“ wird dennoch überzeugend eingefangen (was natürlich auch an den zahlreichen typischen Raumschiffen und Örtlichkeiten liegen kann).

Produktionstechnisch entspricht der 44. Band der „Star Wars Comic-Kollektion“ seinen Vorgängern: ein schicker Hardcoverband mit 162 Seiten zum Preis von 13,99 Euro. Neben der sechsteiligen Hauptgeschichte befindet sich wie immer eine einordnende Einleitung am Anfang und etwas Bonusmaterial am Ende. Das beschäftigt sich diesmal auf zwei höchst interessanten Seiten mit dem Ausnahmekünstler Ralph McQuarrie, der wie kaum einer sonst die Optik der frühen „Star Wars“-Saga beeinflusst hat. Den Abschluss bildet wie immer eine Covergalerie, die – Danke! Danke! - diesmal vollständig ist.

Fazit: Die Story von „Die Erben des Imperiums“ ist großartig und über jeden Zweifel erhaben. Obwohl mittlerweile „Legende“ ist Timothy Zahns „Thrawn“-Trilogie noch heute ganz großes „Star Wars“-Kino. Die Comic-Adaption macht kaum weniger Spaß zu lesen, auch wenn man sich an den Zeichenstil etwas gewöhnen muss. Im Zweifel würde ich persönlich zwar die Buchvorlage vorziehen, doch alles in allem ist den Machern eine treffliche Umsetzung gelungen, ohne die die „Star Wars Comic-Kollektion“ schlichtweg unvollständig wäre.

Star Wars Comic-Kollektion 44: Die Erben des Imperiums

Comic
Mike Baron, Olivier Vatine, Fred Blanchard
Panini Comics 2018
ISBN: 978-3-7416-0561-1
162 S., Hardcover, deutsch
Preis: EUR 13,99

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