Star Wars Comic-Kollektion 22: Imperium: Hochverrat

Eine Verschwörung gegen Darth Vader und den Imperator. Kann ein Putsch von Großmoffs und Sturmtruppen gelingen, um die Herrschaft über die Galaxis zu übernehmen? Vader wird auf eine Mission geschickt, um ihn getrennt von seinem Meister zu halten. So will man beide beseitigen, denn durch die Auslöschung der Jedi benötigt man die beiden nicht mehr. Doch Verrat gelingt nicht immer, vor allem nicht gegen den Imperator, den Meister der Intrigen ...

von Ansgar Imme

Der Band besteht aus zwei Geschichten: einer längeren Haupthandlung (im Original vier Teile) und einer kürzeren zweiten Geschichte (im Original zwei Teile).

Die erste Geschichte „Hochverrat“ spielt einige Wochen vor „Star Wars IV: Eine neue Hoffnung“. Lord Vader wird vom Imperator zum Planeten Dargulli geschickt, da dort eine Gruppe Sturmtrumppen von einem geheimnisvollen Kämpfer mit einem Lichtschwert ermordet wurde. Der dunkle Sith-Lord nimmt die Jagd an Bord eines Sternenzerstörers auf. Doch er muss sich sowohl Verrätern auf dem Schiff als auch immer wiederkehrenden Gedanken und Träumen als junger Anakin Skywalker erwehren. Am Ziel seiner Reise erwarten ihn schließlich gleich zwei Überraschungen.

Zu gleicher Zeit will sich der Imperator zu Großmoff Tarkin begeben, um den Bau des Todessterns zu überwachen. Dabei lässt er sich von einer neu geschaffenen Eliteeinheit Sturmtruppen begleiten. Er ahnt jedoch nicht, dass mehrere Großmoffs Verrat an ihm planen und die beiden Siths ersetzen wollen. Doch Palpatine hat immer noch ein Ass im Ärmel, wie auch die besten Verschwörer erkennen müssen.

In der zweiten kürzeren Geschichte „Fünf Tage Sith“, welche nach der Schlacht von Yavin spielt, folgt man der neuen Assistentin von Darth Vader. Aus Leutnant Nandas Perspektive erlebt man, wie sich Vader auf eine nicht genehmigte Mission hinter dem Rücken des Imperators begibt. Es gilt einen Verräter aufzuspüren, Rache zu nehmen und gleichzeitig den imperialen Truppen Disziplin beizubringen. Doch auch Eingebungen seines ehemaligen Meisters machen Vader schwer zu schaffen. Vader verstrickt sich immer tiefer im imperialen Sumpf. Steckt etwa ein größeres Geheimnis hinter dem so einfachen Verrat?

Mit fast 150 Seiten und als Harcover wartet ein kleines Paket auf den Leser. Und beide Geschichten bieten mit Darth Vader im Mittelpunkt eine der spannensten und ambivalentesten Figuren des „Star Wars“-Kanons. Vor allem die erste Geschichte wird behutsam aufgebaut und steigert die Spannung geschickt. Der Leser erfährt im Gegensatz zu den Protagonisten Vader und dem Imperator bereits von den Plänen ihrer Gegner und fragt sich häufiger, wie es wohl ausgehen mag. Denn die spätere Handlung der alten Filme ist ja normalerweise bekannt. Zudem passt die Handlung durchaus als Vorgeschichte zu den Filmen, ohne groß zu widersprechen. Einzig die Auflösung – vor allem bei der Handlung des Imperators – ist etwas sehr schnell und dann doch zu schlicht. Zudem wird sie nicht verständlich genug erklärt, man bleibt als Leser etwas fragend zurück.

Dazu springt die Handlung zu oft und nach wenigen Bildern zwischen verschiedenen Teilen (Vader, Imperator, ihre Gegner, Träume) hin und her, sodass es zu hektisch wirkt. Hier wäre es besser gewesen, etwas länger einzelnen Passagen zu folgen. Insgesamt ist die Handlung trotzdem spannend und der Einblick in das Imperium interessant, aber es bleibt das Gefühl, dass man noch mehr daraus hätte machen können. Dass zudem einige interessante neue Personen recht schnell wieder verschwinden, ist schade. In den Zeichnungen bemüht man sich um Abwechslung: nahe und weite Betrachtungen, Personen, Schiffe und Planeten, Ruhe und Action – das passt grundsätzlich alles. Die Qualität ist aber sehr grob, farblich nicht immer passend und ebenso durch die schnellen Schnitte geprägt, was auch hier Platz nach oben lässt.

Bei der zweiten Geschichte fehlt ein wenig die Spannung und der Überraschungsmoment. Einzig ein kleiner Kniff mit der Auflösung am Ende lässt einen interessiert noch mal nachdenken. Die Handlung hangelt sich eher von einem Ort zum nächsten, wo sich kleine Konflikte auftun. Insgesamt ist die Story solide, ohne groß zu begeistern, aber auch nicht zu enttäuschen. Man hat sie schnell weggelesen (was ein gutes Zeichen ist), behält aber vieles nicht lange in Erinnerung. Die Teile um Vaders Eingebungen passen zudem nicht richtig in die Handlung. Ein künftiges Auftreten von Vaders Assistentin wäre interessant, allerdings wirkt das Ende so, als ob man sie nicht noch einmal sehen wird. Die Zeichnungen und Farben sind hier wesentlich feiner und genauer sowie farblich abgestimmter.

Die Boni in diesem Hardcover sind fast nicht der Rede wert: Eine Einleitung zur ersten Geschichte, eine halbseitige Anmerkung zu Dreharbeiten in Italien zu „Star Wars: Die dunkle Bedrohung“ sowie ein Teil der Cover der Originalausgaben.

Fazit: Insgesamt ein solider Band mit interessanten Ideen für die Handlung, durchaus spannenden Elementen und einer guten Mischung aus Dialogen, Nachforschungen und Action. Mit besseren Zeichnungen und vor allem in der ersten Geschichte konsequenterer Umsetzung hätte man insgesamt mehr herausholen können. Für „Star Wars“-Fans und auch Gelegenheitsleser aber ein Kauf, mit dem man auch nichts wirklich falsch macht, sondern ein wenig Abwechslung vom Alltag erleben kann.

Star Wars Comic-Kollektion 22: Imperium: Hochverrat
Comic
Scott Allie, Ryan Benjamin, Brian Wood, Facundo Percio u.a.
Panini Comics 2017
ISBN: 978-3-7416-0429-4
148 S., Hardcover, deutsch
Preis: EUR 13,99

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