Star Wars Comic-Kollektion 21: Die Rebellenbraut

In Band 21 der äußerst erfolgreich laufenden „Star Wars Comic-Kollektion“ steht die Frau im Zentrum, deren Auftritt im „Krieg der Sterne“ eine ganze Generationen von Fans ins Schwärmen brachte: Prinzessin Leia Organa. In einem längeren und einem kürzeren Abenteuer stellt sie sowohl ihre Führungsqualitäten als auch ihre Empathie unter Beweis.

von Frank Stein

Ein paar Hintergrundinformationen zu Beginn: Die beiden Geschichten in diesem Band wurden erstmals in den letzten sechs Ausgaben der zwanzig Hefte umfassenden Comic-Serie „Star Wars“ abgedruckt, die zwischen Januar 2013 und August 2014 von Dark Horse veröffentlicht wurde. Der titelgebende Vierteiler „Die Rebellenbraut“ erschien zwischen März 2014 und Juni 2014, der Zweiteiler „Eine trügerische Hoffnung“ bildete dann im Juli und August 2014 den Schlusspunkt – ohne dass man es der Story allerdings anmerken würde. (Ich weiß es nicht mit Sicherheit, aber ich nehme an, dass die Serie schlichtweg abgesetzt wurde, womöglich im Zuge der Übernahme des Franchises durch Disney.) Beide Abenteuer – die nicht zum Disney-Kanon gehören, sondern „Legenden“-Status haben – sind in der Zeit nach der Zerstörung des ersten Todessterns über Yavin IV angesiedelt und erzählen im Metaplot von der Suche der Allianz nach einer neuen Basis.

In „Die Rebellenbraut“ glaubt Leia in der Welt Arrochar eine neue Heimat für die Flüchtenden gefunden zu haben. Die Welt liegt weitab vom Würgegriff des Imperiums und eignet sich daher gut als Versteck. Es geht jedoch eine ziemlich ungewöhnliche Bedingung mit der Aufnahme der Rebellen einher. Die Prinzessin von Alderaan soll den Prinzen von Arrochar ehelichen. Begeistert ist Leia von der Aussicht nicht, zumal der Prinz recht konservativ zu sein scheint und mit ihrer Rolle als Soldatenanführerin nicht gut klarkommt. Aber für die Allianz ist sie bereit, jedes Opfer zu bringen. Was nicht alle ihre Kameraden gut finden. Und natürlich wird die Hoffnung, dem Imperium auf Dauer zu entgehen, schon bald enttäuscht.

Die Geschichte beginnt macht es einem nicht leicht, sie zu mögen. Sie beginnt in extrem gereizter Stimmung. Luke, Leia, Han, Wedge, Mon Mothma … alle scheinen ziemlich mies gelaunt zu sein. Man könnte sagen, dass die Nerven nach der langen Flucht durchs All blank liegen. Aber so ganz passt das nicht zu den Charakteren.  Auch die Bewohner von Arrochar sind angefressen, weil sie keine Fremden auf ihrer Welt haben wollen. Zorn, Missgunst und Intrigen beherrschen die Geschichte von Brian Wood. Das wird noch durch die Zeichnungen von Stéphane Créty verstärkt, der den Protagonisten ein extrem übellauniges Auftreten beschert. So viele verächtlich verzogene Lippen und kalt blickende Augen konnte man unseren Helden noch nie sehen. Erkennen kann man die meisten Figuren dabei nur an ihrer Kleidung. Wirklich gut getroffen sind Leia, Luka und Co nicht. Auf der Habenseite ist der Comic sehr schön detailreich gezeichnet. Maschinen kann Créty besser als Menschen – zumindest besser als „Star Wars“-Charaktere.

„Eine trügerische Hoffnung“ erzählt von der Deep-Cover-Agentin der Rebellenallianz Seren Song. Diese hat jahrelang Daten im Imperium gesammelt, jetzt will sie nach Hause. Doch der Kopfgeldjägerdroide IG-88 ist ihr auf den Fersen. Also wendet sie sich an die einzige Freundin, die sie noch hat: Leia. Die stellt sofort eine Rettungsmannschaft zusammen – im Wesentlichen aus Luke, Han und Chewie bestehend – und macht sich auf den Weg, um Seren zu suchen.

Das kurze Abenteuer ist extrem gradlinig erzählt. Es gibt zwar kleinere Hürden bei dem Versuch der beiden Frauen, sich zu finden, zu überwinden, aber alles in allem handelt es sich eher um einen Sonntagnachmittagsspaziergang für unsere Helden. Daran ändert auch der selbstbewusste Attentäter IG-88 nichts. Die Zeichnungen von Carlos D‘Anda wissen zu gefallen. Zwar ist nicht jeder Gesichtsausdruck oder jede Raumschiffperspektive ein Treffer, aber grundsätzlich gelingen ihm die Protagonisten ziemlich gut; gerade die Emotionen der Frauen – Trauer, Hoffnung und auch mal ein sehnsuchtsvolles Lächeln – sind perfekt eingefangen.

Im Anhang werden die Notizen zum Dreh von „Episode I“ fortgesetzt. Diesmal geht es auf einer Seite um die neuen, modernen Lichtschwertduelle, die mit den Prequels eingeführt wurden. Außerdem darf man sich wieder über eine Covergalerie freuen (oder ärgern, denn sie ist schon wieder unvollständig).

Fazit: „Die Rebellenbraut“ erzählt kleine Abenteuer auf dem Weg der Rebellen von Yavin IV nach Hoth. Ich muss gestehen, dass sie mich nicht ganz überzeugt haben. Die Arrochar-Story hat eine durchaus gelungene Geschichte, die aber unter ihrer furchtbar übellaunigen Atmosphäre leidet. Die Suche nach Seren Song trifft den Geist von „Star Wars“ wieder besser, ist aber extrem kurz geraten. Unterm Strich verpasst man wenig, wenn man diesen Band der „Comic-Kollektion“ auslässt. Wer also nicht sowieso auf komplett sammelt, kann seine knapp 13 Euro in gelungere Ausgaben der Reihe investieren.

Star Wars Comic-Kollektion 21: Die Rebellenbraut
Comic
Brian Wood, Stéphane Créty, Carlos D‘Anda
Panini Comics 2017
ISBN: 978-3-7416-0428-7
146 S., Hardcover, deutsch
Preis: EUR 12,99

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