Star Wars Comic-Kollektion 20: Episode I: Die dunkle Bedrohung

Die „Star Wars Comic-Kollektion“, die alte Comics aus der Ära Dark Horse im schicken Sammlergewand erneut für den deutschen Markt aufbereitet, hat einen weiteren Meilenstein in Form der 20. Ausgabe erreicht. In selbiger wird die Comic-Adaption des „Star Wars“-Ereignisses geboten, das wohl wie kein anderes die Fangemeinde erregt hat: Es geht um „Episode I: Die dunkle Bedrohung“. Da stellt sich die Frage, die sich bei allen Romanen und Comics zu einem Film stellt: Hat die Adaption mehr zu bieten als eine bloße Nacherzählung der Bewegtbildhandlung?

von Frank Stein

142 Seiten, Hardcover, knapp 13 Euro – das sind die Eckdaten der aktuellen Ausgabe der Comic-Kollektion, die damit im Wesentlichen den anderen Ausgaben der Reihe folgt. Enthalten sind neben einer kurzen Einführung und etwas Bonusmaterial fünf Comic-Einzelhefte, einmal die vier Heft-Einzelausgaben von „Die dunkle Bedrohung“ aus dem Jahr 1999 und dann noch die One-Shot-Bonusstory „Episode I: Die dunkle Bedrohung – Anakin Skywalker“, ebenfalls von 1999.

Die Comic-Adaption des Kinofilms erzählt dabei die bekannte Geschichte. 32 Jahre vor der klassischen „Star Wars“-Trilogie werden der junge Obi-Wan Kenobi und sein Meisters Qui-Gon Jinn zu dem idyllischen Planeten Naboo geschickt, um dort eine Blockade durch die Handelsföderation aufzulösen. Dabei geraten sie mitten in eine planetare Invasion, denn die neimodianischen Geschäftsleute und ihre Droidenarmeen stehen unter dem Bann des sinistren Darth Sidious, der seine ganz eigenen Pläne für die Galaxis hegt. Mit Mühe und Not (und ein wenig tollpatschiger Hilfe des eingeborenen Gungan Jar Jar Binks) gelingt es den beiden Jedi, Königin Amidala von Naboo zu retten und mit ihr zu fliehen. Allerdings wird ihr Fluchtschiff angeschossen und muss auf Tatooine notlanden.

Auf dem Wüstenplaneten verknüpft sich dann das Schicksal der beiden Jedi mit dem des Sklavenjungen Anakin Skywalker, der später als Darth Vader zu tragischer Größe heranwachsen soll. Im Rahmen eines spektakulären Podrennens gelingt es Qui-Gon Jinn, Anakin von seinem Besitzer Watto freizukaufen und den Jungen mit sich zu nehmen. Er soll nach Coruscant, in den Jedi-Tempel, um dort zum Jedi ausgebildet zu werden, denn der weise Jedi-Meister Qui-Gon glaubt in dem Jungen „den Auserwählten“ zu sehen, der die Macht ins Gleichgewicht bringt (selten wurde eine Prophezeiung so missverstanden ...). Auf Coruscant angekommen, versucht Amidala, im Senat Hilfe für ihren gebeutelten Heimatplaneten zu erhalten, leider erfolglos. Enttäuscht und zornig begibt sie sich nach Naboo zurück. Qui-Gon, Obi-Wan, Jar Jar und Anakin begleiten sie. Es kommt zur Schlacht von Naboo, während der die Weichen für die Zukunft des „Star Wars“-Universums gestellt werden.

Um die Frage aus der Einleitung zu beantworten: Der Comic bietet leider kaum Mehrwert, denn er erzählt die Filmhandlung praktisch wortwörtlich nach. Wortwörtlich stimmt dabei nicht ganz, denn die Dialoge im Comic entsprechen nicht wortgetreu den Dialogen im Film, was vermutlich daran liegt, dass er in seiner Erstauflage übersetzt wurde, bevor die deutsche Synchro fertig war. Die Abweichungen sind allerdings marginal und stören kaum. Bedauerlicher ist dagegen, dass man wirklich nichts aus der Lektüre herausziehen kann, was die Leinwandhandlung ergänzt oder vertieft. Genau genommen werden die Actionsequenzen sogar verkürzt, was man vor allem beim Podrennen sieht, aber auch an anderer Stelle. Insgesamt wirkt die Handlung noch stärker verdichtet, als sie im Film bisweilen schon wirkte. Hier wird die Chance vertan, zusätzliches Material anzubieten.

Für etwas Abhilfe sorgt immerhin die Bonusstory um Anakin, die unmittelbar vor der Filmhandlung angesiedelt ist und das Leben des Jungen auf Tatooine schildert. Es gibt keine richtige Handlung, sieht man von der Suche nach Bauteilen für seinen Podrenner ab. Stattdessen werden zahlreiche Figuren und Motive, die im Film nur im Vorübergehen gezeigt werden, noch einmal präsentiert, um dem Leser ein besseres Gefühl für Anakins Alltag als Sklave des mürrischen Watto zu geben. Das macht dem Fan Spaß, auch wenn es inhaltlich sehr belanglos bleibt.

Visuell sind beide Comics gute Durchschnittsware. Ich habe schon schöner gezeichnete gelesen, aber es herrscht ein netter Detailreichtum vor. In der Hauptstory gelingt es leider nicht ganz, die Dynamik, die der Film vor allem in seinen Actionsequenzen entwickelt, auf die Panels zu übertragen. Zu wenig mutig und explosiv kommt die Panelstruktur daher. Auch mit der rasanten Parallelmontage während der Endschlacht des Films hat der Comic leichte Schwierigkeiten. Die Bonusstory kommt etwas verspielter und – wie ich finde – mit besser getroffenen Figuren daher. Doch auch hier tritt der Stil des Künstlers nicht auffällig zutage.

Das Bonusmaterial besteht diesmal aus einer läppischen Seite, das sich mit den ersten Momenten der Entstehung von „Die dunkle Bedrohung“ beschäftigt und den Auftakt einer kleinen Reihe darstellt. Eine erfreulich vollständige Cover-Galerie schließt den Band ab.

Fazit: Das Multimedia-Projekt „Shadows of the Empire“ hat es 1996 vorgemacht: Man kann ein Abenteuer durchaus in mehreren Medien erzählen (etwa als Computerspiel, Buch und Comic) und dennoch spannend gestalten, indem man unterschiedliche inhaltliche Schwerpunkte setzt. Das ist im vorliegenden Fall leider nicht geschehen. Der Comic zu „Star Wars – Episode I: Die dunkle Bedrohung“ erzählt einfach – und stellenweise sogar noch verkürzt – die Filmhandlung nach, ohne ihr neue Aspekte hinzuzufügen. Gäbe es zu dem Comic keinen Film, wäre es ein nettes und unterhaltsames „Star Wars“-Abenteuer. Leider gibt es den Film. Und das macht diese Adaption ein wenig überflüssig. Punkten kann immerhin die Bonusgeschichte „Anakin Skywalker“. Comic-Leser, die die „Star Wars Comic-Kollektion“ nicht ohnehin komplett sammeln, sondern nur nach einzelnen Highlights suchen, können hier dennoch eine Ausgabe lang aussetzen, ohne viel zu verpassen.

Star Wars Comic-Kollektion 20: Episode I: Die dunkle Bedrohung
Comic
Henry Gilroy, George Lucas
Panini Comics 2017
ISBN: 978-3-7416-0295-5
142 S., Hardcover, deutsch
Preis: EUR 12,99

bei amazon.de bestellen