Star Wars Comic-Kollektion 19: Imperium: Im Schatten des Vaters

Mit der Vollendung der „Star Wars“-Prequel-Trilogie im Jahr 2005 wurde es unter Autoren des Erweiterten Universums sehr beliebt, Verknüpfungspunkte zwischen dieser Zeit und jener der klassischen Trilogie zu suchen oder zu erzeugen. Ganz im Zeichen der Skywalkerschen Familiengeschichte steht daher der neunzehnte Band der „Star Wars Comic-Kollektion“, der mit „Im Schatten des Vaters“ ein Abenteuer aus dem Jahr 2005 präsentiert, das sowohl Luke Skywalker als auch Darth Vader auf den Planeten Jabiim führt.

von Frank Stein

Nach der kurzen Einführung, die den Comic zeitlich einordnet und auch auf die Verbindungen zu der Geschichte „Obi-Wan und Anakin: Das letzte Gefecht auf Jabiim“ (SWCK8) hinweist, geht es mit der fünfteiligen Hauptgeschichte los. In den Klonkriegen war Jabiim für die Republik nicht mehr als ein weiterer hässlicher Kampfschauplatz. Er wurde aufgegeben, als es die strategische Lage erforderte und kaum ein Offizier dürfte darüber mehr als zwei schlaflose Nächte verbracht haben. Doch für die Bewohner von Jabiim, die für die Republik und gegen die Separatisten gekämpft hatten, änderte sich an diesem Tag alles. Mit der von Kommandant Anakin Skywalker angeordneten Evakuierung verloren sie ihre Welt, erst an die Separatisten, dann an das Imperium, das Jabiim seiner Rohstoffe wegen erbarmungslos ausquetschte. Heute ist die Welt ein verbrauchter Brocken Fels im All, doch noch immer kämpfen die Nachfahren der Widerständler von einst gegen die Okkupation, um ihre Freiheit zurückzuerlangen.

Prinzessin Leia begibt sich mit Luke Skywalker und einer kleinen Gruppe Rebellen nach Jabiim, um für die Sache der Allianz zu werben. Allein droht jeder Welt die Niederlage gegen die Truppen des Imperiums. Nur gemeinsam ist man stark. Scheinen ihre diplomatischen Bemühungen anfangs von Erfolg gekrönt, entwickelt sich die Mission zu einem Desaster, als herauskommt, dass einmal mehr ein Skywalker die Planetenoberfläche betreten hat. Während sich Luke, Leia und die ihren mit hasserfüllten Ewiggestrigen herumschlagen müssen, taucht das Imperium auf, um alles militärische Material, die Minenausrüstung und alle arbeitsfähigen Sklaven abzuholen und dann den Planeten auf persönlichen Wunsch von Darth Vader auszulöschen ...

„Im Schatten des Vaters“, das die US-Ausgaben Empire #29-30 und #32-34 umfasst (erschienen von Februar bis September 2005), ist ein relativ gradliniges Planetenabenteuer, das sich allerdings nur zweitrangig für seinen Rebellen-vs.-Imperiums-Plot interessiert. Das eigentliche Thema ist das Erbe, das eine nächste Generation antritt, die im Schatten von Vätern steht, die durch extreme Maßnahmen im Guten wie im Schlechten von sich reden gemacht hat. Das betrifft auf der einen Seite natürlich Luke Skywalker, der nicht begreifen kann, warum er als Sohn Anakin Skywalkers den Zorn der Bewohner von Jabiim auf sich zieht, und irgendwie versucht, sein Bild von einem heldenhaften Anakin mit dem des Verräters von Jabiim in Einklang zu bringen. Weil sich dieses Dilemma nicht im Detail ergründen lässt, ohne den Kanon zu gefährden – Luke darf ja nicht zu viel über seinen Vater erfahren und nachdenken –, folgt die Geschichte auf der anderen Seite dem Widerstandsanführer Nolan, der als Sohn des in den Klonkriegen zum verbitterten Extremisten gewordenen Captain Gillmunn ein schweres Erbe antritt und versucht, mit seiner Vergangenheit ins Reine zu kommen. Damit ähnelt seine Situation der Lukes, nur dass er um die Fehler seines Vaters weiß. Geschickt verknüpft der Comic hierbei die aktuelle Geschichte mit der Klonkriegs-Episode, die in dem Comic „Obi-Wan und Anakin: Das letzte Gefecht um Jabiim“ erzählt wird (früher schon mal als Sonderband „Star Wars – Klonkriege 3: Das letzte Gefecht um Jabiim“ erschienen).

Dieses Suchen und Schaffen von Bezügen zwischen den Epochen ist seit der Vollendung der Prequels im Expanded Universe – wie gesagt – ganz groß in Mode. Einerseits soll damit die Geschlossenheit der gesamten Saga betont werden, auf der anderen Seite ist es natürlich ein reizvolles Spiel mit den Perspektiven, wenn man unwissende Rebellen in Situationen wirft, die dem Leser und Prequel-Kenner allzu vertraut sind. Dennoch ist diese Tendenz nicht ganz ungefährlich. Ständig schrammen die Autoren am Kanonbruch entlang, denn jeder Berührungspunkt zwischen den Klonkriegen und der Zeit der Rebellion bringt Wissen mit sich, das vor allem Luke und Leia nur in sehr begrenztem Maße erhalten dürfen, um nicht besser über die galaktische und ihre persönliche Vergangenheit informiert zu sein, als es in den Kinofilmen und früheren Romanen und Comics suggeriert wurde. Gerade der vorliegende Band zeugt von der Schwierigkeit solcher Brückenschläge, denn dass Luke seinen Vater nach all dem Hass der Jabiim unhinterfragt immer noch für einen Helden hält, ist doch etwas eigenartig.

Als B-Story findet sich der One-Shot „Der Preis der Macht“ am Ende des Bandes. Diese behandelt einen Nebenschauplatz, der zeitgleich zur Haupthandlung stattfindet. Darth Vader unternimmt einen „diplomatischen Besuch“ auf den Planeten der echsenartigen Tiss?Shar(l), denen er neue, härtere Bedingungen für einen Vertrag diktieren will. Dass hinter dem „Angebot, das man nicht ablehnen kann“, mehr steckt, ahnt deren Präsident Si-Di-Ri nicht. Er sieht sich bloß in einer Klemme, aus der es praktisch keinen Ausweg gibt – bis Vader nach Jabiim abberufen wird.

Die Geschichte fügt sich perfekt in die Hauptstory ein, tatsächlich erschien sie seinerzeit auch zwischen Part 2 und 3 derselben im Mai 2005. Der Comic irritiert allerdings in zweierlei Hinsicht, die möglicherweise Übersetzungsfehlern geschuldet sind. So werden die Echsen als  Tiss?Sharl bezeichnet, obwohl das der Name ihres Planeten ist. Sie selbst heißen Tiss?Shar. Außerdem klingt es, als wäre Taggeco auf der Welt angesiedelt. In Wahrheit ist die TaggeCo ein Imperiumskonzern unter Aufsicht der Tagge-Familie und die Tiss?Shar beliefern ihn nur.

Den Abschluss bildet erneut das Bonusmaterial, diesmal der zweiseitige Auftakt eines Rückblicks auf die Erschaffung der Prequels, ein zweiseitiger Blick auf die weitere Karriere einiger Filmstars, namentlich Hayden Christensen, Natalie Portman, Ewan McGregor, Samuel L. Jackson, Ian McDiarmid und Temuera Morrison. Beide Texte sind wie immer extrem knapp und oberflächlich gehalten. Zwei Cover runden das Ganze ab.

Fazit: Alles in allem ist „Im Schatten des Vaters“ eine solide, recht kampflastige Episode aus der Imperiums-Ära. Interessant ist sie vor allem durch die konsequente Verknüpfung von Prequels und Classic-Zeit. Auch der düstere Grundton weiß zu gefallen. An den Kracher „Imperium: Darklighter“ (SWCK15) kommt dieser Band jedoch nicht ganz heran.

Star Wars Comic-Kollektion 19: Imperium: Im Schatten des Vaters
Comic
Thomas Andrews, Adriana Melo, Michel Lacombe u.a.
Panini Comics 2017
ISBN: 978-3-7416-0294-8
146 S., Hardcover, deutsch
Preis: EUR 12,99

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