Star Wars Comic-Kollektion 16: Imperium: Das Herz der Rebellion

Der 16. Band der „Star Wars Comic-Kollektion“ widmet sich der – obwohl körperlich eher zierlich – wohl größten Prinzessin der Science-Fiction-Film-Geschichte. Leia Organa, die mutige Senatorin von Alderaan, ist buchstäblich „Das Herz der Rebellion“. Entsprechend lautet der passende Titel des Comic-Albums, das vier sehr unterschiedliche Abenteuer ihrer Hoheit umfasst.

von Frank Stein

154 Seiten umfasst das Buch diesmal, nach wie vor im schicken Hardcover und mit einigem Bonusmaterial präsentiert. Der Preis von knapp 13 Euro ist da, das sei vorweg gesagt, echt ein Schnäppchen. Erzählt wird keine größere Story, stattdessen sollen mehrere, kleinere Abenteuer verschiedene Facetten der Persönlichkeit Leia Organa aufzeigen. Zwar sind diese Abenteuer größtenteils der seinerzeit fortlaufenden Reihe „Star Wars: Empire“ entnommen, aber sie können problemlos für sich stehen. Man braucht keine Vorkenntnisse für den Genuss, von den klassischen Filmen abgesehen.

Nach einer kurzen Einführung geht es mit dem Zweiteiler „Prinzessin … Kriegerin“ los (ursprünglich „Star Wars: Empire #5-6“, erschienen im Februar und März 2003). Die Geschichte spielt drei Wochen vor der Schlacht um den ersten Todesstern. Leia fliegt mit dem Raumschiff ihres Vaters, der Tantive IV, nach Ralltiir, um dem krisengeschüttelten Planeten medizinische Versorgung zukommen zu lassen. Tatsächlich will sie Kontakt mit den Rebellen dort aufnehmen, was das Imperium natürlich nicht merken darf. Dummerweise hat mit Lord Tion ausgerechnet ein alter Verehrer von ihr das Kommando über die imperialen Truppen.

Kurz darauf geht es nach Kattada weiter. Leia benötigt die Dienste der dort ansässigen Schmuggler, tarnt das Ganze aber natürlich als diplomatischen Besuch bei der dortigen Herrscherin. Doch wieder taucht das Imperium auf der Bildfläche auf und will auf Befehl von Lord Vader alle Anführer verhaften lassen. Das sich anschließende Gefecht fordert nicht nur schmerzliche Opfer, sondern macht Leia auch klar, dass ihre Zeit als Diplomatin sich dem Ende zuneigt. Sie muss zur Kriegerin werden.

Der nächste Zweiteiler trägt den Namen „Ein kleines Stück Heimat“ und wurde erstmals im Mai und Juni 2004 in den Heftausgaben „Empire #20-21“ abgedruckt. Nach der Zerstörung des ersten Todessterns ist die Rebellenflotte auf der Flucht und zugleich auf der Suche nach einer neuen Basis. Leia hofft auf die Hilfe der Familie Panteer, Exil-Alderaanern, die es sich auf einem einsamen Mond gemütlich gemacht haben. Tatsächlich findet sie ein kleines Paradies vor, das von ihrem Kindheitsfreund Raal Panteer und seinem Bruder geschaffen wurde. Doch das Paradies verwandelt sich in eine Hölle, als Leia und Raal bei einem Ausflug in der Wildnis stranden und sich einer Menagerie an exotischen Raubtieren erwehren müssen, die die Brüder eigentlich selbst hatten jagen wollten.

„Gemeinsam einsam“ ist ein One-Shot („Star Wars: Empire #22“), der aus der ungewöhnlichen Perspektive von Deena Shan erzählt wird, einer Versorgungsoffizierin der Rebellion. Diese ist ein riesiger Fan von Han Solo, und auch die anderen Helden verehrt sie. Als sie zufällig in ein Abenteuer um einen Notruf gezogen wird, scheint für sie ein Traum wahr zu werden – der sich zum Albtraum wandelt, als sich alle plötzlich wild gewordener Alienfauna gegenüber sehen.

Ein echter Klassiker beschließt den Comic-Band. „Eine Valentinsgeschichte“, passend im Februar 2003 erstmals publiziert, ist kurz vor „Das Imperium schlägt zurück“ angesiedelt und wirft die Streithähne Han und Leia in eine kurzzeitige Krisensituation, als sie mit einem Jäger beim Anflug auf Hoth in einen Sturm geraten und abstürzen. Was dann folgt, dürfte wohl der Auftakt einer der beliebtesten Romanzen der Science-Fiction sein.

Alle Geschichten sind kurzweilig zu lesen, wenngleich die Abenteuer selbstverständlich extrem episodisch sind und die Galaxis schon zu Zeiten des alten Expanded Universe nicht nennenswert weitergedreht haben. Leider beschränken sich auch alle Abenteuer auf die Zeit zwischen „Episode IV“ und „Episode V“. Über Leias Zeit auf Alderaan erfährt man beispielsweise kaum etwas (bloß indirekt über die Figuren Lord Tion und Raal Panteer). Ein umfassendes Bild darüber, wie Leia zu der Person wurde, die wir kennen, bietet der Comic-Band also nicht. Stattdessen stehen eher Schlaglichter auf dem Programm, wenn auch nicht ganz unwichtige.

Die Qualität der Illustrationen variiert von Story zu Story. Am gelungensten sind wohl die der letzten beiden Geschichten, wobei es insbesondere Paul Chadwick mit „Eine Valentinsgeschichte“ gelingt, sowohl die Farbstimmung als auch die Figur der Leia, wie wir sie aus „Das Imperium schlägt zurück“ kennen, hervorragend einzufangen.

Das Bonusmaterial erzählt ein wenig über Fan-Filme und Parodien zu „Star Wars“ und beginnt eine Artikelreihe über Lichtschwerter. Nach wie vor sind die Artikel aber nur von mittelmäßigem Informationsgehalt, was vor allem der extremen Kürze geschuldet sein dürfte. Die Covergalerie ist erneut ärgerlicherweise unvollständig.

Fazit: Wer schon vor 14 Jahren die Panini-Comic-Hefte gesammelt hat, mag sich überlegen, ob er die damaligen Geschichten noch einmal in etwas beliebiger Zusammenstellung als Sammelband haben möchte. Für wen das Erzählte allerdings noch neu ist, der findet hier eine nette, kleine Abenteuerkollektion, die unser aller liebste Prinzessin schön in Szene setzt und dabei – wenn man so will – im Kampf um Kattada und dem Absturz auf Hoth auch zwei kleine Schlüsselmomente ihres Lebens einfängt.


Star Wars Comic-Kollektion 16: Imperium: Das Herz der Rebellion
Comic
Randy Stradley, Davide Fabbri, Paul Chadwick, Welles Hartley u.a.
Panini Comics 2017
ISBN: 978-3-7416-0291-7
154 S., Hardcover, deutsch
Preis: EUR 12,99

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