Rogue One – A Star Wars Story (Comic zum Film)

Comics zu einem Film haben, genau wie Romane, eigentlich immer das gleiche Problem: Man mag sich mit Fug und Recht fragen, wozu es sie eigentlich gibt. Schließlicht kann man doch den Film schauen, wenn man die Story erleben möchte. Durch seine künstlerische Nähe als visuelles Medium hat es ein Comic zum Film sogar noch schwerer als ein Roman, der mit Beschreibungen und Introspektion punkten kann. Hat das vorliegende Werk zu „Rogue One“ also etwas Besonderes? Oder erzählt es nur die Filmhandlung nach?

von Frank Stein

Die Antwort wird gleich auf Seite 1 des 176 Seiten starken Comic-Bands gegeben. Denn dieser enthält nicht nur die US-Hefte „Rogue One #1-6“, sondern auch die 30-seitige Vorgeschichte „Cassian & K-2SO“, in der geschildert wird, wie der Rebellenagent Cassian Andor seinen Roboterkompagnon, einen ehemaligen imperialen Sicherheitsdroiden, kennengelernt hat. Die Handlung spielt auf einem Planeten zwischen Kernwelten und Outer Rim (für Kenner: die Gegend nennt sich „Die Kolonien“) und Cassian ist gemeinsam mit zwei schweigsamen violetthäutigen Datenspezialisten unterwegs, um imperiale Sicherheitsprotokolle zu stehlen. Dabei stößt das Trio auf diverse Hindernisse. Eins davon ist K-2SO.

Eine nette Origin-Story, die allerdings in einem gewissen Widerspruch zum bisherigen Umgang mit Droiden bei „Star Wars“ steht. Die Freundschaft und Loyalität, die etwa R2-D2 oder BB-8 ihren Leuten gegenüber verspüren, schienen immer „angewöhnt“ zu sein. Man hat die Droiden damit praktisch vermenschlicht. K-2SO dagegen wird schlichtweg umprogrammiert. Sein Basis-Impuls ist es, Cassian und die anderen zu verhaften oder zu töten. Nicht irgendwelche äußeren Ereignisse schweißen die späteren Gefährten zusammen, sondern ein drastischer Eingriff in K-2SOs Wesensart. Dieser Zwang zum Dienen, der im Kinofilm durch flapsige Äußerungen gemildert wird, schwingt im weiteren Verlauf der Geschichte immer unterschwellig mit und man fragt sich, wie viel eigener Wille ist und wie viel den neuen Befehlsparametern geschuldet.

Kommen wir zur Hauptgeschichte. Für Nicht-Kenner vielleicht ein paar Sätze, worum es eigentlich geht. Die Kleinkriminelle Jyn Erso wird von der Rebellenallianz aus einem Arbeitslager befreit, weil sie zufällig auch die Tochter von Galen Erso, des imperialen Leiters eines Waffenforschungsprojekts, und das Mündel des besonders radikalen Rebellen Saw Gerrara ist (letzterer bereits bekannt aus „Star Wars: The Clone Wars“). Gemeinsam mit Cassian Andor und seinem Droiden K-2SO soll sie losziehen, um einen imperialen Piloten zu befragen, der sich in Gerraras Gefangenschaft auf dem Planeten Jedha befindet und behauptet, dass das Imperium heimlich eine Kampfstation von ungeahnter Schlagkraft baut. Auf Jedha fangen die Probleme dann erst so richtig an und das Ganze mündet schließlich im Diebstahl der Baupläne des Todessterns, was „Rogue One“ zum unmittelbaren Prequel von „Episode IV: Eine neue Hoffnung“ macht.

Auch diese Hauptgeschichte gibt sich merklich Mühe, mehr zu sein als eine bloße Nacherzählung der Filmhandlung. Das merkt man erneut gleich von Anfang an. Da werden Szenen, die aus dem Film bekannt sind, auf das erzählerisch Nötigste gestrafft, um Platz für Momente zu haben, die möglicherweise dem Schneideraum zum Opfer gefallen sind. So erlebt man beispielsweise in einer kurzen Szene, wie Galen Erso den Piloten Bodhi Rook von Eadu losschickt und wie Jyn Erso im imperialen Arbeitslager auf Wobani landet. In einer Rückblende erlebt man, wie Saw Gerrara Jyn verlässt. Und Bail Organa hat einen Extra-Auftritt in der Rebellenbasis auf Yavin IV. Es sind kleine Momente, aber sie verleihen dem Comic Eigenständigkeit, sodass es sich nur ganz selten so anfühlt, als würde man eine Abfolge von Standbildern aus dem Film durchblättern.

Das wird auch durch die teilweise sehr elegante Erzählweise von Autorin Jody Houser unterstützt, die sich kurze Szenen des Films komplett spart und sie stattdessen in Form von Erinnerungspanels in die laufende Handlung einflicht. Im Film wäre das so nicht möglich gewesen beziehungsweise es hätte etwas gekünstelt gewirkt und den natürlichen Erzählfluss gestört. Hier präsentiert der Comic die Stärken seines eigenen Mediums.

Nur am Ende schlingert er dann ein wenig. Als es beim Diebstahl der Todessternpläne auf Scarif actionreich zur Sache geht und vieles parallel passiert, wirkt das in den Comic-Panels etwas arg hektisch, ja teilweise abgehackt. Außerdem wird zwangsläufig sehr panellastig erzählt. Statt fünf bis sechs Panels hat man auf einmal acht bis zehn pro Seite, was zu sehr kleinen Bildausschnitten führt. Gerade das Schlachtengetümmel im All kommt so nicht richtig zur Geltung. Hier scheint der Autorin der Platz ausgegangen zu sein.

Visuell gehört der Comic – vor allem die Hauptgeschichte – zur gehobenen Mittelklasse. Die Farbstimmung ist sehr gelungen, viele Panels wirken dynamisch und auch die Figuren sind überwiegend gut getroffen. Ich sage „überwiegend“, weil manche Gesichtsausdrücke auch echte Rohrkrepierer sind. Leider merkt man zudem, dass gleich drei Illustratoren für den Inhalt der Hauptgeschichte verantwortlich sind, was immer wieder zum leichten Stilwechsel führt.

Eine Covergalerie rundet den Band ab.

Fazit: Obwohl es sich um die Comic-Adaption eines Films handelt, besitzt „Rogue One – A Star Wars Story“ genug Eigenes, um das Werk auch für Kenner interessant zu machen. Vielleicht sogar für Kenner mehr als für Laien, denn die an manchen Stellen vorgenommene Verkürzung der Filmhandlung könnte ohne Vorkenntnis des Films zu leichten Verständnisschwierigkeiten führen. Allerdings darf man sich auch nicht täuschen: Am Ende ist es doch eine Adaption und gerade im letzten Teil der Handlung ist der Neuheitenwert eher gering. Bei einem Preis von knapp 20 Euro, kann ich daher keine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen. Aber es lohnt sich auf jeden Fall, im Comic-Shop der Wahl einen Blick zu riskieren.

Rogue One – A Star Wars Story

Comic
Jody Houser, Duane Swierczynski u. a.
Panini Comics 2017
ISBN: 978-3-7416-0312-9
176 S., Softcover, deutsch
Preis: EUR 19,99

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