Pacific Rim – Geschichten aus dem Jahr Null

Gute Film-Universen verweisen immer über sich selbst hinaus. Das darf natürlich nicht heißen, dass der besagte Film nicht für sich selbst stehen können sollte! Ein Comic oder Roman zum Film darf nicht die Handlung eines Action-Blockbusters erklären müssen. Aber eingestreute Details in der Filmhandlung dürfen gerne den Eindruck erwecken, dass auch jenseits der Leinwand-Geschichte noch viele Abenteuer zu erleben sind. Abenteuer, die dann in anderen Medien erzählt werden und die aus einem Einzelprodukt ein mehr oder weniger großes Franchise machen.

von Frank Stein

Eine beliebte Variante hiervon ist in den letzten Jahren der Prequel-Comic, der zur Filmhandlung hinleitet und der sowohl als eine Art Teaser dienen kann, als auch zur Vertiefung des Gesehenen nach dem Kinobesuch. „Pacific Rim – Geschichten aus dem Jahr Null“ ist genau so ein Comic. Präsentiert von Regisseur Guillermo Del Toro und geschrieben von Drehbuchautor Travis Beacham ist er so eng mit Del Toros Riesenroboter-vs.-Riesenmonster-Sommerblockbuster „Pacific Rim“ verknüpft, wie nur denkbar.

Die Comic-Handlung trägt sich im Jahr 2024 zu. Im Kommandozentrum des Panpazifischen Verteidigungskorps in Alaska taucht die Journalistin Naomi Sokolov auf, um mit Marshall Pentecost, dem Leiter der Jaeger-Verteidigungstruppen zu sprechen. Die Jaeger, das sind die riesenhaften Roboter, die von jeweils zwei Menschen gesteuert gegen die urtümlichen Schrecken antreten, die zehn Jahre zuvor aus einem interdimensionalen Riss im Pazifik erstmals aufgetaucht sind und seitdem die Menschheit terrorisieren. Nun soll das Jaeger-Programm zugunsten eines Schutzwalls reduziert, womöglich gar eingestellt werden. Die Menschheit will nicht mehr kämpfen, sondern sich verschanzen. Sokolov soll eine Art Abgesang für ein Magazin verfassen.

Hierzu interviewt sie mehrere Leute, die ihr „Geschichten aus dem Jahr Null“ erzählen, also aus den Tagen nach dem 10. August 2013, an dem in San Francisco der erste sogenannte Kaiju, ein hochhaushohes Monster aus einer anderen Dimension auftaucht. Sie erfährt von der ersten weltweiten Panik und den tapferen Soldaten, die sich noch in Kampfjets dem außerweltlichen Feind stellen. Danach redet sie mit einem Wissenschaftler, der zu den Köpfen des neu entwickelten Jaeger-Programms zählte, das ins Leben gerufen wurde, um nicht jede Stadt, die von einem Kaiju angegriffen wird, mit einer Atombombe „befreien“ zu müssen. Er erzählt unter anderem, wie es zu dem Doppelpilotenkonzept kam: Da ein Mensch nicht stark genug ist, um mit seinem Geist einen dieser gigantischen Mechs zu führen, braucht es immer zwei Piloten, ein Umstand, bei dem Probleme natürlich vorprogrammiert sind.

Insgesamt drei Zeitzeugen schildern Episoden aus der Vergangenheit, einer von ihnen tatsächlich Marshall Pentecost, der auch im Film eine der Hauptrollen spielt. Überhaupt merkt man dem Werk an, dass es vom Drehbuchautor und unter Rücksprache mit dem Regisseur von „Pacific Rim“ entstanden ist. Die Storys sind sehr eng mit dem Film verbunden. So werden unter anderem die Brüder Raleigh und Yancy Becket mit ihrem berühmten Mech Gipsy Danger als junge Rekruten eingeführt, und der Leser lernt Pentecosts Adoptivtochter Mako Mori kennen, die ebenfalls im Film (als junge Jaeger-Pilotin) eine tragende Rolle hat. So erfährt man nicht irgendwelche beliebigen „Geschichten aus dem Jahr Null“, sondern erhält konkrete Einblicke in die Vergangenheit der Filmhelden.

Visuell gewinnt der Comic nicht unbedingt Preise. Die Illustrationen, für die ein insgesamt zwölfköpfiges Team verantwortlich waren, sind qualitativ eher durchschnittlich. Die Figuren sind nicht hässlich und die Umgebung nicht schlecht gezeichnet. Aber man merkt doch immer wieder den schnellen Pinselstrich, sei es im mangelnden Detailgrad oder den flächigen Farben. Wobei man kein einheitliches Urteil über den Stil fällen kann und sollte, weil er sich alle paar Seiten ohnehin ändert. Das ist nicht gravierend und stört den Lesefluss praktisch nicht. Das geübte Auge des Comic-Kenners bemerkt den Umstand aber dann doch.

Als Bonusmaterial gibt es einen netten Überblick „Vom Manuskript zur fertigen Seite – Der kreative Prozess“ und eine Monstergalerie.

Fazit: Für Comic-Freunde, die bereits in „Pacific Rim“ waren oder den Film noch anschauen möchten, ist „Geschichten aus dem Jahr Null“ eine nette Ergänzung zum Kinobesuch. Inhaltlich werden einige Hintergrundgeschichten der Hauptfiguren ausgearbeitet und man erlebt die ersten harten Tage des Kampfs der Menschheit gegen die Kaiju mit. Visuell mag der Comic kein Meilenstein sein, aber für die schnelle, kurzweilige Lektüre reicht die Optik vollkommen aus. Oder um es anders zu sagen: Man wird sich nicht darüber ärgern. (Da habe ich schon ganz andere Comics in den Händen gehalten.) Alles in allem: Vier von Fünf interdimensionalen Ungeheuerdaumen.


Pacific Rim – Geschichten aus dem Jahr Null
Comic
Travis Beacham, Guillermo Del Toro, u.a.
Cross Cult 2013
ISBN: 978-3-86425-201-3
112 S., Softcover, deutsch
Preis: EUR 14,80

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