Dungeonslayers

Es gibt inzwischen ja einige Old-School-Rollenspiele. Einige davon sind sehr gut und stimmig, einige einfach ein „D&D 1st Edition“ unter anderem Namen ... und dann gibt es noch „Dungeonslayers“. Ein einfaches, altmodisches Rollenspiel.

von Shawn Neal

„Dungeonslayers“ kommt im DIN-A5 Taschenbuchformat als Softcover in Schwarz-Weiß daher. Unwillkürlich fragt man sich (sofern man „Dungeonslayers“ noch nicht kennt), ob das dünne Buch überhaupt alle benötigten Regeln etc. enthalten kann. Natürlich kann es das … und es enthält noch viel mehr. Allein das Inhaltsverzeichnis ist schon ein Fall für sich. Die verschiedenen Kapitel sind in einen Dungeon eingepasst.

So beginnt das Buch nach einem kurzen Vorwort mit dem Kapitel „Charaktere“, in dem auf Attribute und Eigenschaften, Charaktererschaffung, Erfahrung und Heldenklassen eingegangen wird. Im folgenden Kapitel „Talente“ werden die den Charakteren verfügbaren Talente, die in etwas mit den Feats von „D&D“ oder den Edges bei „Savage Worlds“ gleichzusetzen sind. Auf dann nur zehn Seiten werden die Regeln des Spiels im gleichnamigen Kapitel vorgestellt. Hierbei werden grundlegende Proben, Kampfregeln und -details und Magie erklärt.

Die Namen der Kapitel „Zaubersprüche“ und „Ausrüstung“ sagen eigentlich schon alles über deren Inhalt aus. Danach folgt das Kapitel „Spielleitung“, welches neben einem Bestiarium auch mit Regeln für erweiterte Proben, Dungeons, Sprachen, Gefahren, Herstellung von Waren und EP-Vergabe aufwartet. Dann folgen im Kapitel „Abenteuer“ gleich drei kurze Abenteuer und ein Vorschlag, wie man diese zu einer Kampagne in der im nachfolgenden Kapitel „Die Welt Caera“ vorgestellten Welt zusammenfügt.

Am Schluss des Buches finden sich noch Anhänge zu Beutetabellen, Miniaturen und Bodenplänen, ein Völkerbaukasten für eigene Rassen und ein Anhang zu Feuerwaffen. Natürlich ist auch ein Index und der Charakterbogen am Ende des Buches zu finden.

„Dungeonslayers“ ist ein einfaches, aber dennoch ausreichend detailliertes Rollenspiel für eigentlich jeden Geschmack. Hier wird auf den Seiten kein Fülltext präsentiert. Erklärungen sind im Allgemeinen kurz und knapp gehalten und man wird das Gefühl nicht los, dass man schon wissen sollte, was man unter einem Elf oder einem Ork versteht. Es werden keine langen Hintergrundwelten aufgebaut; es geht gleich los.

Natürlich kann „Dungeonslayers“ nicht mit der Komplexität eines „Rolemaster“ oder „D&D“ aufwarten, aber das will „Dungeonslayers“ auch gar nicht. „Dungeonslayers“ erlaubt einen einfachen und schnellen Einstieg in das Spielsystem und sorgt dafür, dass die Regeln in kürzester Zeit verinnerlicht werden. Wer schon einmal ein Fantasy-Rollenspiel gespielt hat, wird sich sofort zurechtfinden. Lediglich ein Rollenspiel-Anfänger wird etwas länger brauchen, um sich zurechtzufinden, was nicht zuletzt an der oben erwähnten Knappheit der Erklärungen liegt. Sobald das Grundprinzip verstanden und die Handhabung eines W20 bekannt ist, steht dem Spiel nichts mehr im Wege. Die Illustrationen des Buches sind ausnahmslos gut und stimmig.

Die größte der Stärken von „Dungeonslayers“ ist zweifellos diese Einfachheit und Gradlinigkeit. So gibt es nur ein sehr begrenztes Set an Attributen. Fertigkeiten gibt es gar nicht, und alle Werte, die für Kämpfe, Bewegung, Zauberei, Ausweichen etc. benötigt werden, berechnen sich aus den Attributen, wobei gegebenenfalls noch ein Bonus durch ein Talent hinzukommt.

Ein Charakter ist schnell erstellt, und am Anfang sehen die Charaktere der verschiedenen Klassen (Kämpfer, Dieb, Magier, Schwarzmagier, Heiler) innerhalb ihrer Klasse und Rasse (Mensch, Zwerg, Elf) noch relativ gleich aus. Schnell könnte da die Meinung aufkommen, dass das einfache Regelsystem die Charaktere auf ein paar Stereotypen beschränkt, wären da nicht die Talente.

Charaktere werden nicht durch Fertigkeiten definiert, sondern durch ihre Talente. Im späteren Verlauf des Abenteuerlebens kann man sich dann einmalig auf eine Heldenklasse spezialisieren, welches zwar mehr Erfahrungspunkte benötigt, aber besondere Talente freischaltet. Dadurch wird eine große Varianz an möglichen Charakteren erzielt. Aber natürlich ist das Regelsystem nicht alles, was das Buch zu bieten hat. Es gibt Regeln für Schätze, massenweise Zauber, einen großen Stapel Monster, drei Abenteuer und eine Einführung in die Kampagnenwelt Caera, die auch den Hintergrund für die erwähnten Abenteuer bietet. Natürlich darf eine Karte der Caeras nicht fehlen. Diese enthält sogar Markierungen für Orte, für die seitens der Autoren schon Abenteuer und Quellendokumente geplant sind und um die man als Spielleiter besser einen Bogen macht, bis diese erschienen sind.

Zu guter Letzt sollte noch erwähnt werden, dass „Dungeonslayers“ eine sehr aktive Webseite und Fangemeinde hat. Dort werden regelmäßig kurze Abenteuer (sogenannte „Dungeons-2-Go“) veröffentlicht und Charakterbögen, Kartensets von Caera, Monsterkarten etc. zum Download angeboten. Auch das Regelwerk können sich Interessierte auf www.dungeonslayers.de herunterladen, aber ich empfehle jedem, der das Spiel mag, sich die gedruckte Version zuzulegen, allein schon um „Dungeonslayers“ zu unterstützen und weitere gedruckte Bücher möglich zu machen, denn „Dungeonslayers“ braucht sich vor der Konkurrenz nicht zu verstecken und regelt vieles einfacher und besser als andere Fantasy-Rollenspiele, die (noch) einen weitaus größeren Bekanntheitsgrad haben.

Fazit: „Dungeonslayers“ ist eines der Besten und einfachsten Rollenspiele, die ich kenne. Trotz seines geringen Regelumfangs, oder vielleicht gerade deshalb, ist ein gutes, atmosphärisches Rollenspiel möglich. Es eignet sich für „One-Shots“ genauso wie für längere Kampagnen und macht dabei auch noch extrem viel Spaß. Mein einziger Kritikpunkt ist, dass Neulingen durch die extrem kurzen Beschreibungen, insbesondere bei den Monstern, ein Einstieg in „Dungeonslayers“ etwas erschwert wird. Denn welcher Rollenspielanfänger kann sich schon etwas unter einem „Augenball“ vorstellen? Dennoch: Lange habe ich meine Abende nicht so nett verbracht, wie bei einer Runde „Dungeonslayers“. Durch die einfachen Regeln finden sich Rollenspielneulinge gut zurecht. Aber auch erfahrenere Spieler kommen nicht zu kurz.


Dungeonslayers
Grundregelwerk
Christian Kennig, Patric Götz
Uhrwerk Verlag 2010
ISBN: 978-3942012133
168 S., Softcover, deutsch
Preis: EUR 17,95

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